Quälender Beziehungsstress endet mit Körperverletzung: 1 200 Euro Geldbuße

Es war eine typi­sche On-Off-Bezie­hung, die für bei­de Part­ner sehr bela­stend war. Als sei­ne dama­li­ge schwan­ge­re Lebens­ge­fähr­tin dann auch noch im sech­sten Monat ihr Kind ver­lor, eska­lier­ten die Strei­tig­kei­ten in der gemein­sa­men Woh­nung in der Wil­helm­stra­ße, wie ihr 29 Jah­re alter Ex-Part­ner heu­te im Amts­ge­richt Unna berich­te­te. Dort hat­te er sich wegen Kör­per­ver­let­zung in acht Fäl­len zu ver­ant­wor­ten.

Ich habe immer wie­der ver­sucht, danach unse­re Bezie­hung zu ret­ten. Doch sie ver­sank immer wei­ter in ein Loch, aus dem ich sie nicht mehr her­aus bekam.“ Die Strei­tig­kei­ten eska­lier­ten in der Zeit vom 7. März bis 5. April vori­gen Jah­res. Stän­dig habe sei­ne Part­ne­rin ver­sucht, ihn zu pro­vo­zie­ren. Über Wochen stritt sich das Paar nahe­zu jeden Abend. Dabei kam es auch zu Hand­greif­lich­kei­ten, bei denen sei­ne Part­ne­rin blaue Flecke und Blut­ergüs­se davon trug. Ins­ge­samt acht Mal soll der 29-Jäh­ri­ge sei­ne dama­li­ge Part­ne­rin geknif­fen und her­um­ge­sto­ßen haben.

Es waren Ran­ge­lei­en. Ich bin ein­fach aus der Haut gefah­ren. Das tut mir sehr leid. Heu­te wüss­te ich genau, was ich zu tun habe und wür­de anders reagie­ren.“

Ange­klag­ter auf Nach­fra­ge des Rich­ters zum Tat­vor­wurf

Als sie ihn schließ­lich anzeig­te, trenn­te sich der Ange­klag­te end­gül­tig von ihr und been­de­te die für bei­de quä­len­de Bezie­hung. Die eigent­li­che Tren­nung erfolg­te dann aber ganz ohne Streit, wie sein Ver­tei­di­ger deut­lich mach­te: Der 29-Jäh­ri­ge ver­ließ die gemein­sa­me Woh­nung ohne wei­te­re Aus­ein­an­der­set­zung, reno­vier­te die Woh­nung sogar vor­her noch kom­plett und auch die Über­ga­be an den Ver­mie­ter erfolg­te rei­bungs­los, „weil er sich ver­ant­wort­lich fühl­te“, so der Anwalt.

Angeklagter zeigt Reue und Einsicht

Über­haupt zeig­te sich der Ange­klag­te nach der Tren­nung reu­mü­tig und geläu­tert. Gleich nach Tren­nung  hat­te er schon ein Ent­schul­di­gungs­schrei­ben an sei­ne Ex-Part­ne­rin auf­ge­setzt und auch vor Gericht heu­te zeig­te er sich reu­ig: „Es waren Ran­ge­lei­en. Ich bin ein­fach aus der Haut gefah­ren. Das tut mir sehr leid. Heu­te wüss­te ich genau, was ich zu tun habe und wür­de anders reagie­ren. Da wür­de ich ein­fach weg­ge­hen in einer ähn­li­chen Situa­ti­on.“

Da ihm auch sei­ne heu­te als Zeu­gin ver­nom­me­ne Ex-Part­ne­rin offen­bar nichts mehr nach­trägt und bei­de zumin­dest wie­der mit­ein­an­der reden kön­nen, deu­te sich eine vor­läu­fi­ge Ein­stel­lung des Ver­fah­rens nach § 153a StGB an. Zumal der Ange­klag­te bis­lang völ­lig unbe­schol­ten durchs Leben gegan­gen ist.

Ganz ohne eine Geld­stra­fe woll­te aber die jun­ge Staats­an­wäl­tin den Ange­klag­ten nicht davon kom­men las­sen. Immer­hin habe der Ange­klag­te nicht nur ein­mal die Kon­trol­le über sich ver­lo­ren, son­dern gleich acht Mal. Auch die Blut­ergüs­se sei­en ziem­lich mas­siv gedwe­sen, wie Fotos beleg­ten.

Einzeltaten nur schwer rekonstruierbar

Aller­dings ten­dier­te auch Rich­ter Chri­sti­an Johann zu einer Ein­stel­lung des Ver­fah­rens. Eine Kör­per­ver­let­zung wäre wohl grund­sätz­lich nach­weis­bar und wird ja auch nicht vom Ange­klag­ten bestrit­ten. Der genaue Zeit­punkt und die genaue Zahl der Taten wären es aber wohl nicht.

Dass das natür­lich tota­le Sch… von Ihnen gewe­sen ist, wis­sen Sie ja auch. Ich fra­ge mich aber, war­um ich hier eine ande­re Auf­fas­sung haben soll, als die Geschä­dig­te.“

Rich­ter Chri­sti­an Johann zum Ange­klag­ten

Denn was genau und wann wäh­rend des „Rosen­kriegs“ der bei­den pas­sier­te, „ist nur schwie­rig zu rekon­stru­ie­ren“, stell­te der Rich­ter Chri­sti­an Johann fest. „Acht Taten sind schon mas­siv. Dass das natür­lich tota­le Sch… von Ihnen gewe­sen ist, wis­sen Sie ja auch“, so der Rich­ter zum Ange­klag­ten, der inzwi­schen in Dort­mund lebt. „Ich fra­ge mich aber, war­um ich hier eine ande­re Auf­fas­sung haben soll, als die Geschä­dig­te.“

Dass sah schließ­lich auch die Ankla­ge­ver­tre­te­rin so und stimm­te einer vor­läu­fi­gen Ein­stel­lung des Ver­fah­rens gegen Zah­lung einer Geld­bu­ße in Höhe von 1 200 Euro zu, zahl­bar in sechs Monats­ra­ten an das Lebens­zen­trum Königs­born.

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visage

Dipl.-Journalist

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