Neun Monate Gefängnis für reisende Ladendiebe im Rewe-Markt

Der Mercedes, mit dem die drei Angeklagten auf Diebestour waren, steht seit  der Tat am 8. Mai noch immer auf dem Parkplatz vor dem Rewe-Markt. (Foto: Peter Gräber)
Der Mer­cedes, mit dem die drei Ange­klagten auf Die­bes­tour waren und in dem sie ihre Beute gebun­kert hatten, steht noch immer auf dem Park­platz vor dem Rewe-Markt. (Foto: Peter Gräber)

Die Geschichte werde an den Stamm­ti­schen zu einem lauten Auf­schrei führen, ahnt Richter Jörg Hücht­mann in seiner Urteils­be­grün­dung. Den­noch sei es nicht hin­nehmbar, dass die drei Ange­klagten, die sich heute (21.7.) vor dem Amts­ge­richt wegen Ban­den­dieb­stahls zu ver­ant­worten hatten, das Gast­recht so mit Füßen treten.

Bei den drei Ange­klagten han­delt es sich um Asyl­be­werber aus Geor­gien im Alter von 30, 23 und 23 Jahren. Alle drei sind seit Sommer 2014 als Asyl­be­werber in Deutsch­land und haben aller Vor­aus­sicht nach nie eine Chance auf Aner­ken­nung gehabt. Bis zur end­gül­tigen Ent­schei­dung dar­über erhalten Sie hier Sozi­al­lei­stungen und sind unab­hängig von­ein­ander in Kierspe, Mein­erz­hagen und Borken unter­ge­bracht.

Am 8. Mai vorigen Jahres wurden die drei Ange­klagten im Rewe-Markt an der Steh­fen­straße beim Laden­dieb­stahl erwischt: Mehr­fach waren die drei in den Rewe-Markt zurück­ge­kehrt, hatten zur Tar­nung klei­nere Mengen an der Kasse gezahlt, bis sie schließ­lich beim Dieb­stahl erwischt wurden. Die Polizei wurde geholt und der Fall wäre erle­digt gewesen. Doch durch Schaden klug geworden, behielt der Markt­leiter die abzie­henden Laden­diebe weiter im Auge und ent­deckte so ihren Pkw Mer­cedes, den sie auf dem großen Park­platz vor dem Markt geparkt hatten. Er infor­mierte erneut die Polizei, die den Mer­cedes dar­aufhin durch­suchte und prompt große Mengen Die­besgut ent­deckte. Ins­ge­samt hatten die drei Ange­klagten Hun­derte Fla­schen Shampoo und einige Pakete Nes­cafe im Gesamt­wert von rund 500 Euro aus dem Rewe-Markt gestohlen.

Die drei Laden­diebe wurden fest­ge­nommen und befinden sich seitdem in Unter­su­chungs­haft.

Hintergründe der Tat bleiben im Dunkeln

In der Ver­hand­lung heute, der die Ange­klagten nur mit Hilfe von Dol­met­schern folgen konnten, räumten alle drei den Laden­dieb­stahl ein. Der älteste von ihnen gab an, auch Drogen zu kon­su­mieren (Sub­otex und Kokain). Alle drei sagten aus, die Dieb­stähle begangen zu haben, um ihren Lebens­un­ter­halt zu finan­zieren. Wei­tere Angaben zur Auf­klä­rung der Tat, ins­be­son­dere zu mög­li­chen Hin­ter­män­nern oder Heh­lern wollten die Ange­klagten dagegen nicht machen.

Auch dann nicht, als Richter Jörg Hücht­mann ihnen ein­dring­lich ins Gewissen redete: „Sie sind hier unter Inan­spruch­nahme des Gast­rechtes und erhalten Sozi­al­lei­stungen. Das hält Sie nicht davon ab, bei Ihren Gast­ge­bern Straf­taten zu begehen.“ Nach mit­tel­eu­ro­päi­schen Maß­stäben sei dies „min­de­stens als undankbar“ zu bezeichnen. Wenn es dafür noch unbe­kannte Gründe gebe, könnten sie diese jetzt nennen.

Doch selbst die Her­kunft des Autos, in dem die Ange­klagten auf Diebs­tour waren, blieb im Dun­keln. Der ältere der drei Ange­klagten räumte ledig­lich ein, den Mer­cedes, der nur ein Über­füh­rungs­kenn­zei­chen hat, gefahren zu haben. Er habe das Auto im Auf­trag eines Kum­pels in Geor­gien gekauft, der ihm dazu 1.000 Euro über­wiesen habe. Bis zur Ver­schickung des Autos nach Geor­gien habe er es hier nutzen dürfen.

Wenn wir das hier auf­klären, wer hinter dem Fahr­zeug­kauf steckt, kriegen wir die Fla­schen Shampoo geschenkt“

Richter Jörg Hücht­mann

Wei­tere Nach­fragen erwiesen sich als zwecklos. Mit der Ver­mu­tung: „Wenn wir das hier auf­klären, wer hinter dem Fahr­zeug­kauf steckt, kriegen wir die Fla­schen Shampoo geschenkt“, beließ es Richter Jörg Hücht­mann schließ­lich bei dieser Dar­stel­lung.

Zwei der Ange­klagten waren bereits einmal wegen klei­nerer Dieb­stähle in der Ver­gan­gen­heit akten­kundig geworden. Aller­dings waren zwei von ihnen auch nur einen Tag vorher in Brecker­feld bei einem Laden­dieb­stahl erwischt worden. Einer der Ange­klagten war außerdem eine Woche zuvor am 2. Mai in Wiehl eben­falls als Laden­dieb ertappt worden. Beide Taten waren aller­dings nicht Gegen­stand der heu­tigen Ver­hand­lung.

Bandenmäßiger Diebstahl nicht nachzuweisen

Der Ankla­ge­ver­treter hielt es ange­sichts dieser Umstände für aus­rei­chend nach­ge­wiesen, dass sich die Ange­klagten des gewerbs­mä­ßigen Ban­den­dieb­stahls schuldig gemacht haben. Sie hätten ein Drei­er­team gebildet, um durch die Gegend zu fahren und im Erfolgs­fall häu­figer auf Die­bes­tour zu gehen. Auch in Holzwickede seien die drei Ange­klagten mehr als einmal in den Rewe-Markt gegangen, hätten aus Gründen der Tar­nung eine klei­nere Summe an der Kasse gezahlt und solange stehlen wollen, bis es auf­fällt. Eine Bewäh­rungs­strafe für die Ange­klagten komme des­halb nicht mehr in Frage, so der Staats­an­walt. Er for­derte jeweils ein Jahr Gefängnis ohne Bewäh­rung für die Ange­klagten.

Nach über­ein­stim­mender Ansicht der drei Ver­tei­diger sei der ban­den­mä­ßige Zusam­men­schluss dagegen kon­stru­iert und nicht nach­ge­wiesen. Zudem seien ihre Man­daten geständig und bis­lang ent­weder gar nicht oder nur uner­heb­lich straf­recht­lich in Erschei­nung getreten. Fak­tisch sei bei der Straftat auch kein Schaden ent­standen. Der Eigen­tümer habe seine Ware unbe­schä­digt wieder aus­ge­hän­digt bekommen. Die drei­mo­na­tige Unter­su­chungs­haft, die ihre Man­danten nach­haltig beein­druckt habe, seien des­halb schon Strafe genug. Die Ver­tei­diger hielten darum Bewäh­rungs­strafen für ihre Man­danten für ange­messen.

Urteile sofort rechtskräftig

Dieser Emp­feh­lung folgte das Gericht aller­dings nicht und ver­ur­teilte die Ange­klagten zu jeweils neun Monaten Gefängnis ohne Bewäh­rung. Das ban­den­mä­ßige Vor­gehen sei nicht zu beweisen gewesen, erklärte Richter Jörtg Hücht­mann in der Urteils­be­grün­dung. Der gewerbs­mä­ßige Dieb­stahl stehe aber außer Zweifel. Auch wenn der ent­stan­dene Schaden tat­säch­lich nicht sehr groß sei, und die Tat­aus­füh­rung nicht gerade vor Intel­li­genz sprühe, zeuge die Tat doch von „einer gewissen Drei­stig­keit“. Das Gericht habe zudem nicht den Ein­druck gewonnen, dass die drei­mo­na­tige Unter­su­chungs­haft aus­rei­chend sei, um erneuten Dieb­stählen durch die Ange­klagten wir­kungs­voll vor­zu­beugen.

Da die Ange­klagten auf Rechts­mittel ver­zich­teten, ist das Urteil sofort rechts­kräftig geworden und das Gericht hob den Haft­be­fehl auf. Die Ange­klagten wurden dar­aufhin aus der Unter­su­chungs­haft ent­lassen und bis zum regu­lären Haft­an­tritt wieder auf freien Fuß gesetzt.

Bandendiebstahl


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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