Neubaugebiet Pastors Kamp: Kirchenvertreter stellen sich Bürgerinitiative zum Gespräch

Die Bürgerinitiative "Pastors Kamp -- Pro Natur" hatte am Donnerstagabend die Vertreter der Kirchengemeinde zum Gespräch in das LAZ an der Schäferkampstraße gebeten. (Foto: P-. Gräber - Emscherblog)
Die Bürgerinitiative „Pastors Kamp — Pro Natur“ hatte am Donnerstagabend die Vertreter der Kirchengemeinde zum Gespräch in das LAZ an der Schäferkampstraße gebeten. (Foto: P-. Gräber – Emscherblog)

Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff und der Leiter der Bau- und Liegenschaftsabteilung des Ev. Kirchenkreises Unna, Christof Schulte, waren am Donnerstagabend (19.8.) bei der Bürgerinitiative „Pastors Kamp – Pro Natur“ zu Gast. BI-Sprecher Frank Bärmann hatte die Kirchenvertreter eingeladen, um sie nach ihren Beweggründen für das geplante Neubaugebiet in Opherdicke zu befragen.

Gleich zu Beginn machte Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff deutlich, dass das geplante Neubaugebiet eine Mehrheitsentscheidung innerhalb des Kirchenkreises sei. „Für uns ist wichtig, dass wir uns nicht hinter Kirchenmauern verstecken, sondern als Kirche gut hinhören“, so die Pfarrerin. „Deswegen sind wir heute Abend hier.“

Kirchenvertreter wollen „gut hinhören“

Die Kirchengemeinde sei immer wieder von Menschen angesprochen worden, die sich bezahlbares Wohnen wünschen, so Brühl-Vonhoff. „Als dann klar war, dass die Erweiterungsfläche für den Friedhof nicht mehr nötig ist, haben wir überlegt, was wir machen können. Es gibt ein elementares Bedürfnis an bezahlbarem Wohnen und auch einen großen Bedarf. Daher wollen wir da etwas tun.“

Leitlinie der Kirche ist es, bei dem Neubaugebiet ökologische, aber auch soziale Aspekte nicht außer Acht zu lassen, so die Pfarrerin. So sollen etwa verschiedene Generationen und auch Menschen mit Behinderungen oder anderen Benachteiligungen von dem Neubaugebiet profitieren. „Unsere Idee ist, etwas Gutes mit dem Gelände anzufangen“, so Claudia Brühl-Vonhoff. „Wir sind gespannt, was Sie dazu sagen und wollen gerne Ihre Anregungen hören.“

BI-Sprecher Frank Bärmann erklärte anschließend, warum das Neubaugebiet auf Pastors Kamp in seinen Augen alles andere als „etwas Gutes“ ist und welche Bedenken die Initiative hat. „Das Baugebiet wirkt wie ein Fremdkörper, die Bebauung ist sehr eng und passt nicht in das Gesamtgefüge.“ Die große Sorge der BI ist es, dass das geplante Baugebiet so wie die Neue Caroline oder der Wohnpark Emscherquelle aussehen könnte. Die vorgelegte Planung entspricht zudem nicht der Gemeindeordnung, da zu wenig Stellplätze geplant sind und die Oststraße zugeparkt würde.

Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff:  „Unsere Idee ist, etwas Gutes mit dem Gelände anzufangen." (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Pfarrerin Claudia Brühl-Vonhoff: „Unsere Idee ist, etwas Gutes mit dem Gelände anzufangen.“ (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

BI-Sprecher: Neubaugebiet passt nicht ins Gesamtgefüge

56 Wohneinheiten schaffen starken Verkehr, weshalb die Oststraße ausgebaut werden müsste. Die Anlieger treibt die Sorge um, dass sie dafür dann auch noch an den Kosten beteiligt werden.

Durch das Neubaugebiet wird auch viel Fauna und Flora vernichtet, meint Bärmann. Darüber hinaus hat er starke Bedenken, dass aufgrund der zusätzlichen Flächenversiegelung die Entwässerungssituation problematisch ist. 

„1,7 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche ginge verloren“, erinnert der BI-Sprecher. „Gleichzeitig versucht die Gemeinde Holzwickede gerade, sich klimaschutzmäßig nach vorne zu bringen. Mein Eindruck ist, dabei agiert man nicht so ganz glücklich und verliert sich in Kleinklein. Lieber sollte man auf die Bebauung von Pastors Kamp verzichten“, fordert Frank Bärmann.

Den sozialen Anspruch findet auch der BI-Sprecher gut. Doch er sei „leider zum Scheitern verurteilt“, so Bärmann: „Sozial Schwächere werden sich ein Einfamilienhaus nicht leisten können und in den Mehrfamilienhäusern werden die Mieten auch hoch sein.“ Auch der Gedanke, behinderte und andere benachteiligte Menschen in ein Geschäft oder Café einzubinden, „ist reizvoll“, so Bärmann. „Aber das muss auch wirtschaftlich nachhaltig sein. Bisher sind alle Läden in Opherdicke und Hengsen gescheitert.“

Kirchenvertreter: Planung „ökologisch und sozial“

Dem hielt Christof Schulte, Leiter der Liegenschafts- und Bauabteilung des Kirchenkreises, entgegen: „Der kirchliche Aspekt unterscheidet uns von anderen Investoren. Uns geht es nicht um den sozialen Charakter und Umweltaspekt bei diesem Baugebiet, nicht um Gewinnmaximierung. Unsere Einladung zum Gespräch an Sie steht nach wie vor.“

Die vorgestellte Planung beurteilte Christof Schulte ganz anders als der BI-Sprecher: „Das Neubaugebiet fügt sich sehr wohl in das Umfeld ein. Wir haben uns das vor der Planung sehr genau vor Ort angesehen.“  Die Größe der Grundstücke entspreche mit 400 bis 500 m² und einigen ganz bewusst geplanten Kleinstgrundstücken genau den vorhandenen Grundstücken etwa im Bereich Fliederstraße. „Grundstücke von mehr als 800 m² sind dagegen heute unter dem sozialen Aspekt gar nicht mehr leistbar“, so Schulte.  Umgekehrt würden ausschließlich Mehrfamilienhäuser tatsächlich nicht mehr dem dörflichen Charakter entsprechen.

Deshalb sei man um eine ausgewogene Planung bemüht gewesen. „Sie können mir glauben: Wir bekommen sehr viele Anfragen von Menschen, die 60 bis 80 m² Wohnfläche in Opherdicke und Hengsen suchen und dort auch im Alter wohnen bleiben wollen.“

Den vorgestellten Planungsentwurf verteidigte Christof Schulte deshalb als „gut abgestimmt“.  Sollte die Politik, die Bürgerinitiative oder jemand anderes Anregungen zur Optimierung der Planung haben, „sind wir gerne dazu bereit“, versichert Schulte. „Die Entscheidungshoheit liegt letztlich ohnehin beim Gemeinderat. Wir wollen aber gerne in dieses Verfahren einsteigen und sind sicher, dass das Neubaugebiet einen wichtigen Impuls für die Bergdörfer geben wird.“

Was die übrigen Bedenken des BI-Sprecher angeht, verwies Christof Schulte auf den frühen Stand des Verfahrens: Es sei richtig, dass im vorgestellten Entwurf noch nicht ausreichend Stellplätze für die Mehrfamilienhäuser vorgesehen seien. „Hier werden wir noch Lösungen präsentieren. Wir werden uns selbstverständlich an die Gemeindeordnung halten und können uns auch gar nicht darüber hinwegsetzen.“  

Auch die Frage der Verkehrserschließung ist noch offen. „Ob die Oststraße ausgebaut werden muss, wissen wir selbst noch nicht. Da muss zunächst noch ein Verkehrsgurtachten gemacht werden. Ich kenne es aber nur so, dass ein notwendiger Straßenausbau vom Projektentwickler zu tragen ist.“

Legte die Argumente der Kirche für das geplante neubaugebiet dar: Christof Schulte (li.), Leiter der Bau- und Liegenschaftsabteilung des Kirchenkreises. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Legte die Argumente der Kirche für das geplante neubaugebiet dar: Christof Schulte (li.), Leiter der Bau- und Liegenschaftsabteilung des Kirchenkreises. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Wütende Bürger lehnen Zusammenarbeit ab

Die meisten Mitglieder der Bürgerinitiative legten gestern offenbar gar keinen Wert auf Verständigung und Zusammenarbeit mit den Kirchenvertretern. Ihr Gesprächsangebot wurde teils brüsk und lautstark abgelehnt. „Ich habe nicht den Eindruck, als dass Sie auf uns zugehen“, meldete sich etwa ein wütender Bürger zu Wort. „Wir machen keine Vorschläge, sondern stellen Forderungen. Wir wollen dieses Baugebiet nicht.“  So lautstark machte der Mann seinem Ärger Luft, dass BI-Sprecher und Einlader Frank Bärmann zur Mäßigung mahnen musste.

Christof Schulte ließ sich indes nicht provozieren und ging weiter sachlich auf die Kritik des BI-Sprechers ein: Den Vorwurf, dass durch das Neubaugebiet wertvolle Fauna und Flora vernichtet wird, wies er zurück: „Der ökologische Wert solcher landwirtschaftlich genutzten Fläche ist gering eingestuft.“

„Wir machen keine Vorschläge, sondern stellen Forderungen. Wir wollen dieses Baugebiet nicht.“

– ein wütender Bürger

Auch über die Entwässerungsproblematik muss noch gesprochen werden, so Schulte. Dafür ist es im Verfahren noch zu früh. „Aber auch in dieser Frage wird die Gemeindeverwaltung noch ein erhebliches Wörtchen mitreden.“ Klar ist bisher nur: Das Niederschlagswasser muss auf dem eigenen Grundstück entsorgt werden. Das ist auch gesetzlich so vorgeschrieben.

Der soziale Anspruch bei diesem Projekt sei ernst zu nehmen, betonte der Baufachmann: „Wir würden uns wirklich freuen, wenn es ein Gemeinschaftshaus oder etwas Ähnliches gebe, in dem sich die Menschen treffen können. Ein solches Dorfgemeinschaftshaus ist uns von Anfang an bei diesem Projekt sehr wichtig gewesen. Andere Investoren bauen lieber zwei Wohneinheiten mehr, da können Sie sicher sein.“

Kirche sieht Bedarf an bezahlbarem Wohnen in Bergdörfern

Auch Peter Steckel, in dessen LAZ an der Schäferkampstraße sich die BI trifft, schien weniger an Detailfragen interessiert als am Großen und Ganzen: „Warum wollen Sie überhaupt dort bauen?“, fragte er die Kirchenvertreter. „Nur für Neubürger? Kirche sollte doch integrieren und keine Mauern bauen. Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass wir das Neubaugebiet nicht wollen. Es wird auch ganz sicher die eine oder andere Klage dagegen geben“, glaubt Steckel.

„Widerstand ist bei solchen Projekten üblich“, ließ sich Christof Schulte nicht aus der Ruhe bringen. „Es wäre eher ungewöhnlich, wenn es keine Proteste gäbe. Wir wollen dort bauen, weil es viele junge Familien und auch ältere Menschen gibt, die bezahlbaren Wohnraum in den Bergdörfern suchen.“

Damit war eigentlich alles gesagt: Dass sich Gegner und Befürworter des Bauvorhabens noch konstruktiv annähern, war nicht mehr zu erwarten.

Pastors Kamp


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (5)

  • Kann man bitte den Begriff „sozial schwach“ aus dem Sprachgebrauch fernhalten, wenn man „finanziell schlecht gestellt“ meint? Wer arm ist, ist noch lange nicht asozial, eher im Gegenteil. Danke.

  • Der soziale Aspekt würde von Herrn Schulte immer wieder in den Vordergrund gestellt. Die Frage, wie es mit der sozialen Verantwortung der Kirche für die Bestandsbauten aussieht, blieb unbeantwortet. Ich hatte nach der Debatte die Gelegenheit diese Frage an Herrn Schulte zu stellen.

  • Ich bin mir ziemlich sicher, das dieses Gebiet bebaut werden wird, weil ganz einfach neuer Wohnraum geschaffen werden muss. Es wird eine Lösung geben. Ein Investor hätte sich mit der BI nicht zusammengesetzt und diskutiert. Hut ab Herr Schulte.

  • Ich kann diese effekthascherischen Aussagen von „sozialem und bezahlbaren Wohnraum“ nicht mehr hören. Wie so etwas aussieht und was das dann kostet, sieht man gut an dem Wohnprojekt der Wilma an der ehemaligen Emscherkaserne.
    Hier wurde seinerzeit vor allen durch CDU und SPD und dem ehemaligen BM Rother immer wieder gebetsmühlenartig gepredigt, man müsse bezahbaren Wohnraum für junge Familien in Holzwickede schaffen. Wasserspiele und viele Grünflächen sollten die Bebauung begleiten.
    Und heute? Wie sieht es nun aus?
    Diese Frage, ob preiswerter Wohnraum für 524.900 € – 799.900 € wirklich diese jungen Familien nach Holzwickede zieht wie einst angedacht, kann und soll sich jeder selbst beantworten. Für die Gemeinde Holzwickede „teuer“ erkauft mit einem nichtssagenden trostlosen neuen Wohnquartier ohne Gründächer und fortschrittlicher ökologischer Energieversorgung.
    Wenn der evangelische Kirchenkreis in der heutigen Zeit eine bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche einer Wohnbebauung zuführen möchte, dann aber bitte ausdrücklich NICHT noch ein neues 0815 Wohnquartier!
    Die politischen Vertreter der Gemeinde Holzwickede müssen durch den Bebauungsplan die Rahmenbedingungen schaffen, dass nur ökologisches Bauen mit Dingen wie Regenwassernutzung, Dachbegrünung, besondere Wärmedämmstandards, minimale Versiegelung, etc. zulässig wird.
    Das sich das dann nicht mehr jeder leisten kann ist mir klar – aber muss denn auch jeder bauen?

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