Kinderpornografisches Foto unverlangt zugeschickt: 300 Euro Geldstrafe

Der 30-jäh­rige Holzwickeder scheint wirk­lich nicht die hellste Kerze auf dem Weih­nachts­baum zu sein. Doch das allein ist natür­lich nicht strafbar. Sehr wohl strafbar ist aller­dings, was den ledigen Ver­käufer heute (12. Dezember) auf die Ankla­ge­bank des Amts­ge­richts Unna brachte: der Erwerb und Besitz von kin­der­por­no­gra­fi­schem Bild­ma­te­rial.

Eigent­lich hätte der Holzwickeder nicht einmal dafür auf die Ankla­ge­bank gemusst. Wenn er nur die mit einem Straf­be­fehl gegen ihn ver­hängte Geld­buße voll­ständig bezahlt hätte. Doch er zahlte nur 200 Euro an – und blieb den Rest schuldig.

So fand er sich nach zwei Jahren heute vor dem Amts­ge­richt wieder. Sein Ver­gehen: Am 10. August 1917 um 7.16 Uhr tauschte er mit einem Chat-Partner im Internet ein­deu­tige Obszö­ni­täten aus – her­ge­stellt wurde der Kon­takt aus­ge­rechnet über eine Seite des Sen­ders RTL. Der Ange­klagte und auch sein Gesprächs­partner traten dabei nicht unter Pseud­onymen auf, gaben jeweils vor, allein­er­zie­hende Mütter zu sein. Ihr Gespräch spitzte sich indes immer weiter auf sexu­ellen Miss­brauch zu. Schließ­lich schickte sein Gesprächs­partner dem Ange­klagten das Foto eines min­der­jäh­rigen nackten Jungen zu, dessen Geschlechts­teil deut­lich zu erkennen war.

Eindeutiger Kontakt über RTL-Seite

Das Foto ist meinem Man­danten unauf­ge­for­dert zuge­schickt worden“, erklärte der Ver­tei­diger des 30-Jäh­rigen. „Meinem Man­danten war damals erst nicht so ganz klar, dass es strafbar ist. Erst danach ist ihm ein Licht auf­ge­gangen und es ist ja auch danach nichts mehr in dieser Rich­tung pas­siert.“

Wann er denn gemerkt habe, dass es strafbar sei, was er getan habe, wollte Richter Chri­stian Johann von dem Ange­klagten wissen. „Erst später aus der Presse“, ant­wor­tete der.

Sie haben sich aber auch nicht beschwert als das Foto kam.“

Richter Chri­stian Johann

Ob er sich auch Gründe vor­stellen könne, warum der Besitz von kin­der­por­no­gra­fi­schen Bilder unter Strafe gestellt ist? Auf diese Frage wusste der 30-Jäh­rige trotz beharr­li­cher Nach­fragen des Rich­ters keine Ant­wort. „Dar­über habe ich nicht nach­ge­dacht“, räumte der Ange­klagte ein. „Viel­leicht, weil es absto­ßend ist?“ Schließ­lich klärte der Richter ihn auf: „Weil das Anfer­tigen sol­cher Bilder einen Miss­brauch von Kin­dern dar­stellt. Ein Kind wird dadurch in seiner Ent­wick­lung schwer gestört.“

Dass der 30-Jäh­rige das ero­ti­sche Foto einer Frau erwartet hatte, wie er erklärte, schloss der Richter aus. Dass er kein ero­ti­sches Inter­esse an Frauen hatte, sei dem Chat ganz ein­deutig zu ent­nehmen. Außerdem gaben beide Gesprächs­partner ja auch vor, allein­er­zie­hende Frauen zu sein. „Es ist also viel­leicht nicht so ganz richtig, was sie uns hier erzählen“, so der Richter. Richtig sei aber, dass er nicht dazu auf­ge­for­dert habe, ihm ein sol­ches Foto zu schicken. „Sie haben sich aber auch nicht beschwert als das Foto kam.“

Offenbar ein Einzelfall

Für den 30-Jäh­rigen spricht, dass er keine Vor­strafen hat und auch in den zwei Jahren nach der Tat nicht wieder straf­fällig in Erschei­nung getreten ist. Höchst­wahr­schein­lich han­delt es sich also um einen Ein­zel­fall, wovon auch die Ankla­ge­ver­tre­terin aus­ging. Sie for­derte ein Geld­strafe von 40 Tages­sätzen a‘ 10 Euro.

Der Ver­tei­diger ver­wies zudem darauf, dass sein Man­dant, wenn auch spät, aber schließ­lich doch „Ein­sicht gezeigt hat, dass es so nicht wei­ter­geht“. Wenn schon keine Ein­stel­lung des Ver­fah­rens infrage kommt, hielt die Ver­tei­di­gung eine Geld­buße von 30 Tages­sätzen a‘ 10 Euro für akzep­tabel.

So fiel schließ­lich auch das Urteil von Richter Chri­stian Johann aus, der den Holzwickeder wegen des Besitzes von Kin­der­por­no­grafie zu einer Geld­strafe von 300 Euro, zahlbar in Monats­raten a‘ 50 Euro, ver­ur­teilte. Der Ange­klagte sei bisher nicht straf­recht­lich in Erschei­nung getreten, begrün­dete der Richter sein Urteil. Nach Lage der Dinge sei auch davon aus­zu­gehen, dass es sich bei der Tat um einen tat­säch­lich Ein­zel­fall gehan­delt habe.

Seine „Anzah­lung“ von 200 Euro bekommt der Ange­klagte übri­gens unab­hängig von diesem Urteil auch nicht mehr zurück.

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