Der Treffpunkt Villa öffnet am kommenden Montag (25. Mai) wieder - zunächst mit eingeschränktem Programm. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

IT-Probleme im Treffpunkt Villa: Aus der digitalen Steinzeit ins Zeitalter des Internets

Der Treffpunkt Villa öffnet am kommenden Montag (25. Mai) wieder - zunächst mit eingeschränktem Programm. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Die Mitarbeiter des Kinder- und Jugendzentrums Treffpunkt Villa kämpfen mit Problemen der digitalen Steinzeit. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Dass es in Deutschland in vielen Bereichen moderner Informationstechnologie einen großen Nachholbedarf gibt, ist leider eine Binsenweisheit. Immerhin ist es der Gemeinde Holzwickede inzwischen gelungen, alle Schulen in der Emschergemeinde mit schnellem Internet zu versorgen. Wer allerdings meint, dass damit die größten Defizite behoben sind, sollte einmal einen Blick in den Treffpunkt Villa werfen, für die der Kreis zuständig ist.

Die Zustände, die im Kinder- und Jugendzentrum des Kreises Unna herrschen, sind auch für kommunikationstechnisch notorisch unterversorgte öffentliche Einrichtungen bemerkenswert:  Die dort tätigen Mitarbeiter des Kreises verfügen nicht einmal über funktionierendes Festnetztelefon, so dass sie für wichtige Dienstgespräche mit ihrer Klientel oder auch ihren Dienstherren im Kreishaus auf ihre privaten Mobiltelefone zurückgreifen müssen. Vor ein paar Tagen stellte der Kreis immerhin Diensthandys zur Verfügung.

Kein Telefon, kein Netzwerk und nur Freifunk

Von einer stabilen Internetanbindung können die Mitarbeiter angesichts solcher Voraussetzungen nur träumen. Wenn es überhaupt mal eine Internetverbindung gibt, surfen oder besser gesagt: humpeln sie über eine öffentliche Freifunk-Verbindung, die von sozial eingestellten Privatpersonen und Gewerbetreibenden bereitgestellt wird – ähnliche wie es bis vor wenigen Monaten noch an vielen Stellen des Gemeindegebietes der einzige öffentliche Internetzugang war. Und ähnlich wie dort kämpfen auch die Mitarbeiter im Treffpunkt Villa mit den bekannten Freifunk-Problemen: Wenn die Kids vor der Villa mit ihren Smartphones eingeloggt sind, bleibt für das Personal des Kreises in der Villa nichts mehr übrig von der ohnehin nicht üppigen Bandbreite, um ihre dienstliche Angelegenheiten zu erledigen.

Apropos: Einen Router gibt es zwar im Kinder- und Jugendzentrum, doch der funktioniert nicht.  Auch ein Drucker ist vorhanden. Doch der kann nicht genutzt werden, weil es kein funktionierendes Netzwerk innerhalb des Kinder- und Jugendzentrums gibt.

Vor diesem Hintergrund grenzt es eigentlich an ein Wunder, dass die Mitarbeiter es immerhin geschafft haben, eine erreichbare Internetseite ins Netz zu stellen und während des Lockdowns in den Osterferien einen Kreativ-Workshop per Whatsapp-Gruppe durchführen konnten.

Geld ist da, IT-Personal nicht

Mit den geschilderten Zuständen müssen die Mitarbeiter der Villa schon seit etlichen Monaten zurechtkommen, was sie erstaunlich klaglos tun. Vermutlich ließe sich das eine oder andere Netzwerkproblem sogar in Eigenregie beheben, doch selbst Hand anzulegen ist ihnen selbstverständlich strikt untersagt.

Wie der zuständige Kreis-Dezernent Torsten Göpfert auf Nachfrage erklärt, ist das Problem erkannt – aber noch nicht gebannt. An den finanziellen Mitteln soll es auch nicht liegen, die sind im aktuellen Kreishaushalt vorgesehen. Das Problem ist eher die dünne Personaldecke in der IT-Abteilung des Kreises. Die ist so dünn besetzt, dass die wenigen Mitarbeiter dort nicht wissen, wo ihnen vor Aufträgen und Arbeit der Kopf steht, wie es heißt.

Unglücklicherweise kamen dann auch noch pandemiebedingte Zusatzaufgaben hinzu: Immerhin musste ein komplettes Impfzentrum samt IT-Anbindung mit höchster Priorität aus dem Boden gestampft werden.

Kreis verspricht schnelles Internet und Telefonanlage

Doch es gibt Hoffnung. Dezernent Torsten Göpfert, derzeit im wohlverdienten Urlaub, ließ über die Kreispressestelle mitteilen: „Die notwendige Hardware und Telefonanlage liegen bereit und sollen noch in den Ferien installiert werden“, versichert Max Rolke. „Der Austausch ist auch schon länger geplant, hat sich aber leider verzögert.“  Auf Nachfrage bestätigt der Kreissprecher auch, dass der Treffpunkt Villa anschließend auch über schnelles Internet verfügen wird. „Es wird einen Breitbandanschluss geben und auch einen eigenen Server, ganz so wie in jedem modernen Büro.“

Gut möglich also, dass für das Kinder- und Jugendzentrum in Holzwickede nach den Sommerferien tatsächlich das Zeitalter des Internets anbricht.

IT-Anbindung, Treffpuinkt Villa


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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