Gutachten zu Förderschulen des Kreises liegt vor

Gutachter Dr. Heinfried Habeck. (Foto: B. Kalle – Kreis Unna)
Gutachter Dr. Heinfried Habeck. (Foto: B. Kalle – Kreis Unna)

(PK) Integrativer Unterricht in einem inklusiven Schulsystem – das ist ein erklärtes Ziel im Kreis Unna. Gleichzeitig sollen Eltern von Kindern mit Förderbedarf ihr Wahlrecht behalten und mit zukunftsfähigen Förderschulen eine echte Alternative zur Regelschule haben. Wie dieser Spagat gelingen kann, geht aus einem jetzt vorgelegten Gutachten zur Förderschul-Landschaft im Kreis Unna hervor.

Das Gutachten stammt von Dr. Heinfried Habeck vom Institut für Schulentwicklungsforschung der Technischen Universität Dortmund. Es bildet die Grundlage für die nun beginnende Diskussion in Politik und Verwaltung und die von den Stadt- und Gemeinderäten sowie vom Kreistag zu fassenden Beschlüsse zu einer kreisweit abgestimmten Umgestaltung der Förderschul-Landschaft im Kreis Unna. „Wichtig ist uns, dass die Schüler möglichst kurze Wege haben“, sagt Habeck. „Wir wollen das Wahlrecht der Eltern nicht unterhöhlen, indem wir keine Schulen mehr anbieten oder nur noch an den entlegensten Standorten.“

Anlass für die Untersuchung sind der demographische Wandel und die Umsetzung der Inklusion. Die Kombination führt dazu, dass die Schülerzahlen an den Förderschulen deutlich stärker sinken als an anderen Schulen. Schon jetzt erreichen zwei von acht Förderschulen im Bereich Lernen im Kreis nicht die nötige Mindestzahl von 144 Schülern. Die Diskussion über die Zukunft der Förderschulen ist in vollem Gange.

„Wenn wir nichts tun, liegen früher oder später alle Förderschulen unter der vorgegebenen Messzahl und müssen aufgelöst werden“, erläutert Schuldezernent Dr. Detlef Timpe. „Das wollen wir im Interesse der Kinder und Familien, aber auch der Lehrer vermeiden.“ Deshalb haben sich die Schulträger im Kreisgebiet Unna – also die Städte, Gemeinden und der Kreis selbst – gemeinsam der Herausforderung gestellt und ein Handlungskonzept in Auftrag gegeben.

Gutachter Dr. Heinfried Habeck macht folgende grundsätzliche Empfehlungen:

  • Jede einzelne zukünftige Förderschule umfasst jeweils nur eine Schulstufe – entweder  Primarbereich (Grundschulbereich) oder Sekundarstufe I (weiterführende Schule).
  • Im Bereich der Sekundarstufe I werden zwei neue Verbundschulen der Förderschwerpunkte Lernen und Emotionale und soziale Entwicklung gebildet.
  • Im Primarbereich werden die Förderschwerpunkte Sprache und Emotionale und soziale Entwicklung zu einer neuen Förderschule mit zwei Teilstandorten zusammengefasst.

Als künftige Standorte schlägt der Gutachter vor:

  • Für den Nordkreis wird die Friedrich-Ebert-Schule in Lünen Standort der Förderschule Lernen/Emotionale und soziale Entwicklung (Sekundarstufe I). Gegen den Trend stagnieren die Schülerzahlen an der Pestalozzischule in Selm. Solange die Pestalozzischule ausreichend Schüler hat, bleibt sie Teilstandort. Die jetzigen Standorte Bergkamen und Werne laufen aus.
  • Für die Mitte und den Süden des Kreises Unna wird die Harkortschule in Unna Standort der Förderschule Lernen/Emotionale und soziale Entwicklung (Sekundarstufe I). Die Standorte Fröndenberg/Ruhr, Schwerte und Kamen laufen aus.
  •  Die Förderschule mit den Schwerpunkten Sprache/Emotionale und soziale Entwicklung für die Primarstufe wird an den Teilstandorten Bergkamen-Rünthe und Fröndenberg/Ruhr angesiedelt.

Dr. Heinfried Habeck hat der Politik und den Schulleitungen aus den Städten und Gemeinden das Gutachten vorgestellt. Jetzt folgt die Diskussion der Empfehlungen in den Kommunen, bevor im Frühjahr 2015 die notwendigen Beschlüsse gefasst werden sollen. Als Zeitpunkt für die Auflösung der bestehenden Förderschulen schlägt Habeck den 1. August 2016 vor.

Schule


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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