Gewerbegebiet Eco Port: Wachstum „hui“ – ÖPNV-Anbindung „pfui“

Die Unter­nehmen im Eco Port klagen über eine nur unzu­rei­chende Bus­an­bin­dung des Gewer­be­ge­bietes im Norden. Erste Unter­nehmen haben einen eigenen Bus­dienst ein­ge­richtet oder drohen mit Abwan­de­rung. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Der Holzwickeder Eco Port steht glän­zend da: Für die IHK zu Dort­mund ist das Gewer­be­ge­biet gegen­über dem Flug­hafen ein „leuch­tender Stern im Kreis Unna“. Die Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft des Kreises meldet eine unge­bro­chene Nach­frage der Unter­nehmen. Und die Gemeinde ist froh über die zahl­rei­chen Ansied­lungen, die üppige Gewer­be­steuer in ihre Kassen fließen lassen. Doch in die all­ge­meine Har­monie mischen sich erste Miss­klänge: Die Unter­nehmen im Eco Port sind zuneh­mend unzu­frieden mit der Situa­tion des Öffent­li­chen Per­sonen-Nah­ver­kehrs (ÖPNV). Das eine oder andere Unter­nehmen habe auch schon mit Abwan­de­rung gedroht, wenn sich die Situa­tion nicht ver­bes­sert, berich­tete der Wirt­schafts­för­derer der Gemeinde, Stefan Thiel, heute im Ver­kehrs­aus­schuss.

In der Tat ist die Situa­tion ziem­lich absurd: Obwohl es inzwi­schen eine nahezu vier­stel­lige Zahl an Arbeit­neh­mern gibt, die in den Unter­nehmen im Eco Port beschäf­tigt sind, und die täg­lich ein- und aus­pen­deln, gibt es nur eine Bus-Hal­te­stelle im Eco Port (ein­gangs der Wil­helm­straße). Schlimmer noch: Mor­gens hält der Bus der ein­zigen Linie R51 vom Holzwickeder Bahnhof kom­mend nur einmal jede Stunde an dieser Hal­te­stelle.

Immer öfter sieht man darum junge und auch ältere Mit­ar­beiter mor­gens zu Fuß in den Eco Port zur Arbeit wan­dern. Derart man­gel­haft ist die ÖPNV-Anbin­dung, dass die Rhenus seit geraumer Zeit zur Selbst­hilfe greift und einen eigenen Shuttle-Bus­dienst für ihre Arbeit­nehmer ein­setzt, der zwi­schen Bahnhof und Haupt­ver­wal­tung im Eco Port hin- und her­fährt.

Voll­ends absurd wird die Situa­tion, wenn man sich vor Augen führt, dass der Flug­ha­fenbus des Air­ports alle 20 Minuten (werk­tags) bzw. 30 Minuten (Wochen­ende) vom Bahnhof Holzwickede am Eco Port vorbei zum Flug­hafen gegen­über fährt – und zwar größ­ten­teils leer.

Der Flughafenbus pendelt zwischen Bahnhof und Flughafen durch den Eco Port, darf aber nicht für den ÖPNV genutzt werden. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Der Flug­ha­fenbus pen­delt mehrmsl in der Stunde zwi­schen Bahnhof und Flug­hafen am Eco Port vorbei, darf aber nicht für den ÖPNV genutzt werden. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Wie Stefan Thiel im Ver­kehrs­aus­schuss dazu mit­teilte, ist es aber „schwierig“, den Flug­ha­fenbus für die Arbeit­nehmer im Eco Port in Anspruch zu nehmen, weil jede Fahrt damit drei Euro kostet. „Und wer eine Monats­karte hat, der zahlt das nicht“, meint Stefan Thiel. Außerdem darf der Bus der Flug­ha­fen­be­treiber aus recht­li­chen Gründen nicht ohne wei­teres im ÖPNV ein­ge­setzt werden.

Wie der Wirt­schafts­för­derer erläu­terte, gebe es Gespräche mit den Ver­kehrs­pla­nern im Kreis­haus, die gerade an einem neuen kreis­weiten Nah­ver­kehrs­plan arbeiten. Er habe bereits kon­krete Zahlen und Infor­ma­tionen dazu ange­fragt und hofft, in den näch­sten Woche über die Ergeb­nisse berichten zu können.

Die Frak­tionen waren sich heute im Aus­schuss einig, dass 1. kurz­fri­stig etwas an der unzu­rei­chenden ÖPNV-Anbin­dung des Eco Ports geän­dert werden muss, 2.eine Ver­bes­se­rung nicht zum Null­tarif zu haben sein wird und 3. es mit einer zusätz­li­chen Hal­te­stelle wohl nicht getan sein wird. „Eine Hal­te­stelle allein hilft nicht. Es muss auch ja ein Bus ver­kehren“, stellte Aus­schuss­vor­sit­zender Frank Laus­mann mes­ser­scharf fest.

Eine Hal­te­stelle allein hilft ja nicht. Es muss auch ein Bus ver­kehren.“

Frank Laus­mann (CDU), Ver­kehrs­aus­schuss­vor­sit­zender

Jörg Düll­mann (BBL) erin­nerte außerdem daran, dass es den Bür­gern in Opher­dicke und Hengsen wenig nützt, wenn der Bahnhof besser an den Eco Port ange­bunden wird. (Auch die Orts­teile müssen besser ange­bunden werden.“ Für Dieter Linke (SPD) kommt es jetzt vor allem darauf an, „dass unsere Wün­sche auch im neuen Nah­ver­kehrs­plan berück­sich­tigt werden.“ Sonst sei die Gemeinde auf Jahre außen vor.

Bar­bara Schriek (BBL) und Fried­helm Klemp (Die Grünen) drängten aber auch auf alter­na­tive Ange­bote zum klas­si­schen ÖPNV. „Wir wissen ja, wie langsam die Mühlen mahlen“, warnt Bar­bara Schriek und rät: „Viel­leicht sollten wir uns am dem Shut­tle­dienst der Rhenus betei­ligen und ihn aus­bauen. So könnten wir unseren guten Willen zeigen.“

Fried­helm Klemp stellte auch Sam­mel­taxen, Mit­fahr­bänke und den Bür­gerbus zur Dis­kus­sion. „Wir wollen doch bür­ger­freund­lich sein und die Pro­bleme mit dem ÖPNV werden künftig sicher nicht kleiner. Da sollten wir auch nach Alter­na­tiven schauen.“ Die CDU und ihr Spre­cher Frank Mar­kowski setzen wohl eher auf klas­si­schen ÖPNV: „Ich erwarte ein­fach von der VKU, dass sie schnell reagiert.“ Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel ver­si­cherte den Frak­tionen, dass es zumin­dest zu den Mit­fahr­bänken schon erste Gespräche gegeben habe und diese Idee „weiter ganz oben auf unserer Agenda steht“.

Keine Parkzeitverlängerung auf der Hauptstraße

Die Park­zeit in einem Teil­be­reich der Haupt­straße bleibt auf eine Stunde begrenzt. Der Ver­kehrs­aus­schuss lehnte einen ent­spre­chenden Bür­ger­an­trag ab. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Im wei­teren Ver­lauf der Sit­zung stand auch die Park­si­tua­tion in einem Teil­be­reich der Haupt­straße auf der Tages­ord­nung. Ein Anlieger und Gewer­be­trei­bender hatte eine Park­zeit­ver­län­ge­rung zwei Stunden bean­tragt – ähn­lich wie im Rat­haus­um­feld. Er begrün­dete seinen Ansinnen damit, dass seine Bespre­chungen regel­mäßig länger als eine Stunden dauern und seine Kunden sehr ver­är­gert dar­über sind, dass die Park­zeit sauf eine Stunde begrenzt ist.

Der Aus­schuss lehnte den Antrag auf Emp­feh­lung der Ver­wal­tung ein­stimmig ab und sprach sich dafür aus, auch die bis­he­rige Park­zeit­re­ge­lungen für die Parkstraße/​Goethestraße, Allee, Bahn­hof­straße und Nord­straße bei­zu­be­halten. Die bestehende Rege­lung habe sich bewährt, sei all­ge­mein akzep­tiert und im Inter­esse einer Mehr­heit der Bürger. Dem­ge­gen­über müsse das Ein­zel­in­ter­esse des Antrag­stel­lers zurück­stehen, auch wenn es berech­tigt sei.

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