Gemeinde erklärt: Warum das neue Rathaus schon vor dem Bau rd. 20 Mio. Euro kostet

Dieses Modell zeigt, wie sich das neue Rat-. und Bürgerhaus in die Genmeindemitte einfügen soll. (Foto: P. Gräber - Enscherblog.de)

Dieses Modell zeigt, wie sich das neue Rat- und Bürgerhaus in die Gemeindemitte einfügen soll. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Holzwickedes Bürgermeisterin Ulrike Drossel hat n a c h der öffentlichen Ratssitzung am Donnerstagabend in einer dreiseitigen Stellungnahme erstmals offiziell bestätigt, dass sich die Gesamtkosten für das geplante neue Rat- und Bürgerhaus noch vor dem ersten Spatenstich auf voraussichtlich rd. 20 Millionen Euro belaufen werden. Gleichzeitig erläutert sie, wie es dazu gekommen ist.

Nach einem halben Jahr intensiver Planungen und umfangreicher Abstimmungsgespräche u.a. im Arbeitskreis Rat- und Bürgerhaus könne nun „ein erster Zwischenstand zur Planungs- und Kostensituation zur Planungs- und Kostensituation präsentiert werden“, so die Bürgermeisterin. In den von der Verwaltung kalkulierten Gesamtkosten seien „sämtliche Kosten“ enthalten, „die durch die Realisierung des Projektes ,Rat- und Bürgerhaus‘ entstehen“.  Dazu gehören u.a. die Kosten für die Vorbereitung des Baufelds mit dem Rückbau der Bestandsgebäude, die Baukosten für das Gebäude und die technische Ausstattung, die Einrichtungskosten, die Bau-Nebenkosten (Architekten-, Ingenieur-, Gutachter- und Beraterkosten) und auch die Kosten für die Herstellung der Außenanlagen.

Nachdem als „Entscheidungsfindungspreis“ zunächst nur von acht bis neun Millionen Euro die Rede war, wurden für den Siegerentwurf, der aus dem Architektenwettbewerb hervorgegangen ist, in Zusammenarbeit mit einemexternen Beratungsbüro bereits „Gesamtkosten in Höhe von 14,7 Mio. Euro/brutto ermittelt“, so die Stellungnahme der Verwaltungsspitze.

Fast dreimal so teuer wie Entscheidungsfindungspreis

Von diesen Gesamtkosten entfielen rund 10,7 Mio. Euro allein auf die Baukosten für das Gebäude und die technische Ausstattung. Im März dieses Jahres präsentierte das Architekturbüro dann „eine erste sogenannte qualifizierte Kostenschätzung, die auf einer fortgeschrittenen Vorplanung basierte“.  Danach betrugen Kosten für das Gebäude und die technische Ausstattung schon nicht mehr 10,7 Mio. Euro, sondern lagen bei nunmehr 13,5 Mio. Euro.

Begründet wurde diese Kostensteigerung um 2,8 Mio. Euro gegenüber dem ursprünglichen Kostenrahmen mit „nicht vorhersehbaren hohen Mehrkosten für eine sehr aufwändige Tiefgründung, Baupreisindex-Steigerungen sowie eine Vergrößerung der Technikflächen“. Um diese Mehrkosten auszugleichen wurden im Rat am Donnerstag Einsparungen im Gegenwert von rund 1,03 Mio. Euro beschlossen.

Nach Realisierung dieser Einsparungsvorschläge liegt der Eigenanteil der Gemeinde bei 8,5 Mio. Euro – die erwartete Förderung von 60 Prozent vorausgesetzt.

Eigenanteil von mindestens 8,5 Millionen Euro

Für Unvorhersehbares (z.B. Baupreiserhöhungen und Risiken im Bestand) hat die Gemeinde weitere 1,8 Mio. Euro eingeplant. Die Gemeinde erwartet, dass von den voraussichtlichen Gesamtkosten in Höhe von 19,5 Mio. Euro durch das Land rund 11 Mio. Euro gefördert werden. Der voraussichtliche Eigenanteil von 8,5 Mio. Euro könnte sich noch durch den Verkauf des gemeindeeigenen Bürgerbüros (Allee 10) reduzieren.

Die am Donnerstag im Rat beschlossenen Einsparungen sehen vor, dass auf zwei Drittel der Kellerfläche des Rat- und Bürgerhauses verzichtet wird, das Gebäude insgesamt verkleinert wird und eine andere Fassade erhält (geänderte Fenster). Auch die gastronomische Nutzung des historischen Ratskellers wird aufgegeben. „der Ratskeller soll in Zukunft als offener Bürgerkeller dienen, der von Vereinen, Politik, anderen bürgerschaftlichen Gruppen oder nach Trauungen in vielfältiger Art und Weise genutzt werden kann“, erklärt die Bürgermeisterin dazu. Gleichzeitig soll aber die „Gastronomie im Neubau vergrößert und damit hochattraktiv für moderne gastronomische Betreiberkonzepte“ werden.

Ratskeller wird Bürgerkeller ohne Gastronomie

Soll zu einem Bürgerkeller werden: Die gastronomische Nutzung des Ratskellers wird aufgegeben. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de) , Rathaus

Der Schritt zur Abkehr von einer gastronomischen Nutzung des Ratskellers „ist vor allem den Vertretern der Politik sehr schwer gefallen“, heißt es in der Stellungnahme. Vor dem Hintergrund nicht erheblicher nicht förderfähiger Kosten „für die Ertüchtigung des ehemaligen Gastronomiebereiches“ und einer „unsicheren Vermietbarkeit“ sei die Entscheidung aber „unvermeidbar“ gewesen.  „Die Zugänglichkeit für Holzwickeder Bürger sollte aber unbedingt erhalten bleiben“, so die Bürgermeisterin dazu.  „Aus diesem Grund werden die Räume zukünftig Gruppen, Vereinen und der Politik als barrierefreier Bürgerkeller zur Verfügung gestellt.“

Aus Sicht der Verwaltung und Politik sind „die Planung für das neue Rat- und Bürgerhaus optimiert und die zu erwartenden Kosten weitest möglich reduziert.“  Erschwert werde dieses Bemühen aber vor allem durch die zu erwartenden erheblichen Baukostensteigerungen aufgrund einer guten Konjunkturlage. Trotzdem zeigen sich die Verantwortlichen überzeugt, dass „jetzt der richtige Zeitpunkt ist, das Projekt umzusetzen“.

Diese Einschätzung, darauf verweist die Verwaltungsspitze, teile auch Regierungspräsident Hans-Josef Vogel (CDU), der das Rat- und Bürgerhaus im Rahmen des ersten Förderbescheids als „herausragendes Projekt mit einem für die Region hohen Stellenwert bezeichnete“.

Architekten können nun in Planung einsteigen

Die Gemeinde Holzwickede, so Ulrike Drossel weiter, werde durch den Neubau des Rat- und Bürgerhauses  „eine erhebliche Belebung und städtebauliche Aufwertung“ in ihrer Gemeindemitte erfahren. „Service und Bürgerfreundlichkeit der Verwaltung werden sich ebenfalls entscheidend verbessern.“ Derzeit sind die Mitarbeiter der Verwaltung in fünf verschiedenen Gebäuden untergebracht, künftig nur im neuen Rat- und Bürgerhaus.

Mit dem nun vorliegenden Ratsbeschluss können die Architekten Bez und Kok in die konkrete Planung einsteigen. Aktuell befindet sich das Projekt noch in der Vorplanung (Leistungsphase 2). In der Entwurfsplanung (Leistungsphase 3) werden die Kosten noch genauer gefasst werden können, so die Bürgermeisterin. Ziel sei es, die genannten Gesamtkosten von rund 20 Mio. Euro nicht zu überschreiten. Erst dann werde „in Verbindung mit einer fixen Kostenobergrenze für das Gesamtprojekt der endgültige Baubeschluss gefasst“.  Gleichzeitig soll dann auch eine detaillierte Darstellung der finanziellen Auswirkungen auf den Gemeindehaushalt des kommenden Jahres und der mittelfristigen Finanzplanung erfolgen.

Der Umzug der Verwaltung soll ab Dezember dieses Jahres, der Rückbau zu Jahresbeginn 2019 erfolgen. Mit dem Spatenstich für den Neubau ist im April 2019 zu rechnen. Die Bauzeit soll etwa 20 Monate betragen.

Print Friendly, PDF & Email
visage

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.