Eiertanz der CDU um Spitzenkandidatur

Nach Außen hin geben sich FDP, Die Grünen, Bürgerblock und CDU noch gelassen. Doch hinter den Kulissen hat der mühevolle Abstimmungsprozess zur Aufstellung einer gemeinsamen Spitzenkandidatur für die Bürgermeisterwahl im September längst begonnen. Vor allem die CDU, die sich als größte Oppositionspartei versteht, tut sich schwer mit der Kandidatenkür.

Ulrike Drossel, Fraktionsvorsitzende des Unabhängigen Bürgerblocks Holzwickede. (Foto: BBL)

Ulrike Drossel, Fraktionsvorsitzende des Unabhängigen Bürgerblocks Holzwickede. (Foto: BBL)

Der Unabhängige Bürgerblock hat zwar nur ein Ratsmandat weniger als die CDU, doch dafür eine Kandidatin: Dass Ulrike Drossel als Herausforderin von Michael Klimziak bei der Wahl im September antreten soll, ist ein offenen Geheimnis. Hätte Noch-Bürgermeister Jenz Rother seine Amtszeit vorzeitig beendet und damit den Weg für eine gemeinsame Bürgermeister- und Kommunalwahl freigemacht, wäre die Fraktionsvorsitzende des Bürgerblocks bereits im Vorjahr für das Spitzenamt vorgesehen gewesen.

Noch haben sich die vier Parteien offiziell nicht festgelegt. Doch wie es heißt, sollen zumindest Die Grünen und die FDP nicht abgeneigt sein, Ulrike Drossel mitzutragen.

Bei der CDU hat dagegen ein regelrechter Eiertanz um die Kandidatur begonnen. Hatte CDU-Chef Frank Lausmann noch im September vorigen Jahres vollmundig erklärt, dass es keinen Sinn mache, wenn jede Partei einen eigenen Kandidaten aufstelle. Die CDU sei mangels eigener Kandidaten und erlittener Schlappe mit einem auswärtigen Kandidaten bereit, bei der kommenden Wahl auch einen parteiunabhängigen Kandidaten oder einen der  kleineren Fraktionen mitzutragen. Entscheidend seien allein die Erfolgsaussichten des gemeinsamen Kandidaten.

Plötzlich wieder mehrere Namen im Gespräch

In dieser Woche hört sich das plötzlich etwas anders an, haben die CDU-Verantwortlichen offenbar kalte Füße bekommen. So erklärte Frank Lausmann zwar immer noch, dass man einen gemeinsamen Gegenkandidaten von Michael Klimziak (SPD) präsentierten will. „Diesen e i n en Kandidaten gibt es aber noch nicht“, erklärt der CDU-Chef plötzlich: „Es sind da mehrere Namen im Gespräch.“ Auch die CDU habe „einen eigenen Kandidaten“, so Lausmann völlig überraschend. „Diese Möglichkeit haben wir nie ausgeschlossen. Wir haben nur gesagt, dass wir nicht allein, sondern einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren wollen. Deshalb müssen wir jetzt nach Gemeinsamkeiten schauen, wer am geeignetsten ist und die größten Erfolgsaussichten hat.“ Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. „Auf unserer Jahreshauptversammlung am 26. März, die öffentlich ist, werden wir mehr dazu bekanntgeben.“

CDU-Vorsitzender: Frank Lausmann. (Foto: CDU Holzwickede)

CDU-Vorsitzender:  Frank Lausmann. (Foto: CDU Holzwickede)

Dass plötzlich mehrere Namen und sogar wieder ein eigener CDU-Kandidat im Gespräch sein soll, dürfte auch die Grünen, die FDP und den Bürgerblock überraschen, mit denen die CDU-Vertreter sich schon mehrfach getroffenen haben. „In den Gesprächen ging es darum, einen gemeinsamen Spitzenkandidaten zu finden, der politisches Profil und Verwaltungskompetenz aufweisen kann“, bestätigt Ulrike Drossel. Eigentlich hätte man sich auch längst festlegen wollen. Doch auf Wunsch der CDU verständigten sich die Beteiligten noch einmal auf eine zweiwöchige Bedenkzeit. Das nächste Treffen, bei dem sich die CDU-Spitzen erklären wollen, wurde für den 25. März vereinbart – die CDU-Basis soll erst einen Tag später in der Jahreshauptversammlung informiert werden. Wohl unter Verschiedenes. Denn auf der Tagesordnung findet sich dazu ansonsten nichts.

Warum die CDU-Granden noch einmal zwei Wochen Bedenkzeit benötigen – darüber rätseln alle Beteiligten. Schwierige politische Verhandlungen oder Absprachen zwischen den Fraktionen dürften mit der Kandidatenkür eigentlich nicht verbunden sein. Denn ein Bürgermeister darf – auch wenn es nicht immer den Anschein hat – per Gemeindeordnung keine Parteipolitik betreiben, sondern allein die Interessen der Bürger vertreten.

Auch die Zahl der möglichen Gegenkandidaten von Michael Klimziak ist recht übersichtlich: Die bislang einzige ernsthafte Bewerberin ist zumindest intern längst bekannt. Und nach der Absage von Jochen Hake (FDP) und den Grünen ist auch kein anderer Bewerber in Sicht. Der letzte inoffiziell gehandelte christdemokratische Kandidat war übrigens Roland Schüttforth. Doch sein Name wurde auch schon vor einigen Monaten gehandelt. Eine überzeugende Kandidaturkür geht anders.

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visage

Dipl.-Journalist

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