Der Starkregen sorgte am 14. Juli für eine Überflutung des Krummen Weges. Welche Gegenmaßnahmen die Gemeinde ergreifen will, war Thema im Planungs- und Bauausschuss gestern. (Foto; Gemeinde Holzwickede)

Bericht über Jahrhundertregen im Planungs- und Bauausschuss: Wie die Gemeinde Überschwemmungen vermeiden will

Weil wenige Zentimeter an einer Absperrmauer fehlten, wurden die Tiefgarage und Keller im Bereich der Sparkasse an der Hauptstraße überflutet, meinen die betroffenen Anwohner. Das Starkregenereignis am 14. Juli war gestern auch Thema im Planungs- und Bauausschuss. Foto zeigt die bis zum Dach geflutete Tiefgarage der Sparkasse. (Foto: F. Brockbals - Emscherblog)
Weil wenige Zentimeter an einer Absperrmauer fehlten, wurden die Tiefgarage und Keller im Bereich der Sparkasse an der Hauptstraße überflutet, meinen die betroffenen Anwohner. Das Starkregenereignis am 14. Juli war gestern auch Thema im Planungs- und Bauausschuss. Foto zeigt die bis zum Dach geflutete Tiefgarage der Sparkasse. (Foto: F. Brockbals – Emscherblog)

Der Auftakt der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am Mittwochabend stand ganz im Zeichen der Überflutungen nach dem Starkregen am 14. Juli. In der vorangehenden Fragestunden meldeten sich zwei unmittelbar Betroffene zu Wort. Eine Bewohnerin des Sparkassen-Gebäudes an der Hauptstraße schilderte noch einmal eindringlich, wie die Wassermassen der Emscher binnen einer halben Stunde die Tiefgarage und Keller des Gebäudes fluteten.

Nach Ansicht der Anwohnerin hätte die Überflutung vermieden werden können, wenn die kleine Schutzmauer im Uferbereich der Emscher nur wenige Zentimeter höher gewesen wäre. Nun hat sie Sorge, dass die Emschergenossenschaft (EGLV) das Mäuerchen nicht erhöht. Deshalb äußerte die Anwohnerin die dringende Bitte an die Gemeinde, auf die EGLV einzuwirken, dass die Schutzmauer erhöht wird.

Nur wenige Zentimeter fehlten gegen die Flut

Der Starkregen sorgte am 14. Juli für eine Überflutung des  Krummen Weges. Welche Gegenmaßnahmen die Gemeinde ergreifen will, war Thema im Planungs- und Bauausschuss gestern.  (Foto; Gemeinde Holzwickede)
Der Starkregen sorgte am 14. Juli für eine Überflutung des Krummen Weges. Welche Gegenmaßnahmen die Gemeinde ergreifen will, war Thema im Planungs- und Bauausschuss gestern. (Foto; Gemeinde Holzwickede)

Unterstützung erhielt die Anwohnerin von einem Nachbarn der Freien evangelischen Gemeinde (FeG). Bei der stand das Hochwasser im Keller ebenfalls und verursachte einen Schaden von „etwa 10- bis 15.000 Euro“.

Uwe Nettlenbusch, Leiter der Technischen Dienste der Gemeinde, versicherte, dass sein Fachbereich bereits Kontakt zur EGLV aufgenommen habe und „selbstverständlich auch weiter im Dialog mit der EGLV“ bleibe.

Gleich zum ersten Tagesordnungspunkt der Sitzung gab Nettlenbusch dann eine lokale Bestandsaufnahme des Starkregenereignisses und berichtete über die geplanten Maßnahmen. Sturmtief Bernd und die damit einhergehenden Regenfälle verwüsteten vom 13. bis 15. Juli Teile Nordrhein-Westfalens. Es gab insgesamt 47 Todesfälle, immense Sachschäden. Insbesondere die südlichen Landesteile, die Eifel und das Bergische Land waren von außerordentlichen Niederschlägen mit nachfolgendem Hochwasser betroffen.

Lokale Schwerpunkte: Sparkasse und Krummer Weg

Sturmtief Bernd sorgte am 14. Juli ab 15 Uhr auch in Holzwickede für einen kumulierten Niederschlag von 85 bis 100 mm. Damit ordnet der Deutsche Wetterdienst das Ereignis als extrem heftigen Starkregen ein, wozu mehr als 40 l/m² in einer Stunde nötig sind. Im Südwesten von Dortmund, in Aplerbeck und am Phoenixsee,  war der Niederschlag noch höher. Die höchste Niederschlagsmenge in ganz NRW wurde in Hagen-Holthausen mit ca. 240 mm gemessen.

Schwerpunkte der Überflutungen in der Gemeinde lagen im Bereich der Sparkasse sowie der Auenlandschaft Krummer Weg, dazu wurden zahlreiche Keller durch Rückstau in der Kanalisation geflutet. Welche Bereich in der Gemeinde Holzwickede durch Hochwasser besonders gefährdet sind, zeigt eine ganz aktuelle Hochwassergefahrenkarte der EGLV, die im Ausschuss vorgestellt wurde.

Auenlandschaft soll entrümpelt und erweitert werden

Die Auenlandschaft (Foto) am Krummen Weg, eigentlich ein Regenrückhaltebecken, soll von Bewuchs befreit und erweitert werden. (Foto: Gemeinde Holzwickede)
„So sollte ein Regenrückhaltebecken nicht aussehen“: Die Auenlandschaft am Krummen Weg soll von Bewuchs befreit und erweitert werden. (Foto: Gemeinde Holzwickede)

Der Zustand der Auenlandschaft Krummer Weg sei zweifellos „verbesserungswürdig“, so Nettlenbusch. „So sollte ein Regenrückhaltebecken nicht aussehen. Da ist viel zu viel drin, was da nicht hineingehört.“ Die Auenlandschaft soll nicht nur „von Bewuchs befreit“ werden, sondern auch „um weitere Regenrückhaltebecken erweitert“ werden, kündigte der Fachbereichsleiter an. „Wir haben bereits auch geklärt, dass wir keine Fördermittel zurückzahlen müssen, die wir seinerzeit bei Anlage der Auenlandschaft erhalten haben.“ Nach aktuellem Stand sei der Bau der neuen Regenrückhaltungen im Bereich Krummer Weg allerdings auch „nicht förderfähig“, wie Nettlenbusch auf Nachfrage der Politik erklärte.

Die Maßnahmen

Als unmittelbare Maßnahmen während der Überschwemmungen wurden Sandsäcke an die Anwohner am Krummen Weg ausgegeben. Die Feuerwehr kontrollierte den Durchlass Natorper Straße und übermittelte die Informationen durch eine Meldekette an die entsprechenden Bereitschaften. Außerdem wurde das Wasser im Verlauf des Natorper Bachs „kontrolliert abgepumpt“.

„So sollte ein Regenrückhaltebecken nicht aussehen. Da ist viel zu viel drin, was da nicht hineingehört.“

– Uwe Nettlenbusch (Leiter Technische Dienste)

Als kurzfristige Maßnahmen lässt die Gemeinde ein Bodengutachten für die Geländeerhöhung durchführen und ein 3-D-Modell erstellen. Ab 1. Oktober werden Bäume aus der Auenlandschaft entnommen. Die Vorplanung der Maßnahme durch ein Ingenieurbüro wurde eingeleitet, Absprachen mit den Behörden getroffen.

Als weitere Maßnahmen zum Hochwasserschutz am Krummen Weg werden die Zulaufmengen aus dem Einzugsgebiet von befestigten Flächen der Großbetriebe (FVZ, Sonepar, StraßenNRW) überprüft. Das Volumen der Auenlandschaft soll um insgesamt 3.800 m² erweitert werden. Die Geländeerhöhungen sollen an die Wohnbebauung angepasst und Drosselstellen am Ablauf der Auenlandschaft zur Regulierung genutzt werden.

Starkregen-Gefahrenkarte „heißes Thema“

Diese Karte ist Teil der Starkregen-Gefahrenkarte für die Gemeinde Holzwickede. Die blauen Bereiche zeigen die hochwassergefährdeten Bereiche im Ortskern. (Foto: EGLV)
„Heißes Thema“ in der Verwaltung: Diese Karte ist Teil der Starkregen-Gefahrenkarte für die Gemeinde Holzwickede. Die blauen Bereiche zeigen die hochwassergefährdeten Bereiche im Ortskern. (Foto: EGLV)

Als weitere Maßnahmen wird eine Starkregen-Gefahrenkarten erarbeitet, aus der die vorgestellte Karte stammt. „Diese Starkregen-Gefahrenkarte ist ein ganz heißes Thema in der Verwaltung“, so Klimaschutzbeauftragte Felix Sprenger. „Die Karte wird ganz sicher im nächsten Jahr kommen.“ Auch eine Präsenzveranstaltung zum Thema „Starregen, Überschwemmung, Rückstau – was muss ich tun?“ ist im Oktober/November noch vorgesehen.  Schließlich ist geplant, die Starkregengefahrenkarten, Fördermöglichkeiten und Flyer auf der Gemeindeseite im Internet zu veröffentlichen.

Darüber hinaus sind Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen im Gemeindegebiet geplant. Ein Vorgartenwettbewerb 2022 soll zur Reduzierung der Schottergärten beitragen. An ein Verbot dieser „Gärten des Grauens“, so eine Nachfrage ist allerdings nicht gedacht. Schließlich soll eine Klimaanpassung in der Bauleitgplanung (Freihaltung von Frischluftschneisen, Erhalt von Wasser-, Frei- und Grünflächen).

Wie Holzwickedes Beigeordneter Bernd Kasischke auf Nachfrage erklärte, hat auch die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde ihre Einsatzstrategie bei Starkregen verändert: „Um besser aufgestellt zu sein, wird die Feuerwehr vorsorglich heraus, um die bekannten neuralgischen Punkte zu kontrollieren.“

iese Skizze zeigt, wie die vorhandene Auenlandschaft am Krummen Weg um insgesamt 3.800 m² erweitert werden soll. (Foto: Gemeinde Holzwickede)
iese Skizze zeigt, wie die vorhandene Auenlandschaft am Krummen Weg um insgesamt 3.800 m² erweitert werden soll. (Foto: Gemeinde Holzwickede)

Hiochwasserschutz, PluBa


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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