Ein Abrissbagger zerlegt die Aufbauten auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Firma Künstler. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Abriss auf altem Künstler-Gelände läuft auf Hochtouren: Bauantrag für neue Halle gestellt

Ein Abrissbagger zerlegt die Aufbauten auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Firma Künstler.  (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Ein Abrissbagger zerlegt die Aufbauten auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Firma Künstler. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Das ehemalige Firmengelände der Künstler GmbH an der Schäferkampstraße ist mit seinen rund 27.500 m² die letzte größere Gewerbefläche in Holzwickede. Entwickelt wird es allerdings nicht von der Gemeinde oder durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Unna, sondern einem privaten Investor, der HWE Germany GmbH in Frankfurt. Wie man munkelt ging das Areal zu einem Kaufpreis von rund 1,4 Mio. Euro von Künstler direkt an den neuen Eigentümer über, der beratungs- und Servicedienste auf dem Immobiliensektor erbringt.

Seit ein paar Wochen nun hat der neue Eigentümer mit sehr umfangreichen Abrissarbeiten durch die Firma Hagedorn begonnen. Die baulichen Altlasten auf dem Gelände sind erheblich: Es befinden sich drei große und eine kleinere Halle auf dem Gelände, dazu mehrere Betriebsgebäude, von denen die ältesten bereits 1920 errichtet wurden und während des 2. Weltkrieges auch einen Teil der Zwangsarbeiter beherbergten, die von der Firma Künstler eingesetzt wurden. Teilweise befinden sich unter den Gebäude auch noch Bunkerkeller, die, so ein Mitarbeiter auf dem Gelände, in den nächsten Wochen wohl gesprengt werden müssen.

Noch keine Ansiedlungsverträge

Die finanziellen Vorleistungen, die die HWE Germany GmbH zur Entwicklung des Geländes erbringen muss, sind also beträchtlich. Die neuen Eigentümer sind offenbar sehr von der Qualität des Standortes überzeugt. Oder sie haben bereits feste Verträge mit ansiedlungswilligen Unternehmen. In der Gemeinde Holzwickede wird deshalb noch immer gerätselt, auch im politischen Raum, was die neuen Eigentümer mit dem ehemaligen Künstler-Gelände vorhaben, welche Betriebe dort angesiedelt werden.

„Wir möchten dort verschiedene kleinere Betriebe und mittelständische Unternehmen ansiedeln.“

Markus Müller (HWE Germany GmbH)

Tatsächlich gebe es bislang noch keinen einzigen Mieter für die Fläche an der Schäferkampstraße, wie die neuen Eigentümer versichern. „Wir bauen dort spekulativ“, erklärt HWE-Sprecher Markus Müller. „So haben wir auch schon an anderen Standorten gearbeitet: Wir schauen uns einen Standort an. Ist der Standort richtig? Diese Fläche haben wir direkt von Künstler erworben. Die Lage in der Nähe des Flughafens ist natürlich ein großer Vorteil.“

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    Der Bagger reißt ein tonnenschweres Stahlgerüst auf dem Außengelände ab. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)  

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    In diesem 1920 erbauten Gebäude, das zuletzt als Lager genutzt wurde, waren während des Krieges auch Zwangsarbeiter untergebracht. (Foto: P. Gräber - Emscherblog) 

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    Die stabilen alten Regale sind, anders als die Fenster, noch gut erhalten. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

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    Diese alte Waage ist noch voll funktionstüchtig. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

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    Sogar ein Fahrstuhl, der allerdings nicht mehr funktionstüchtig ist, findet sich in einem der alten Gebäude. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

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    Zwischen altem Gerümpel im Untergeschoss ist links der Zugang zu einem der Bunkerkeller erkennbar. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

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    Auf dem Außengelände liegen Trümmer und Stahlschrott weitläufig verteilt herum. (Foto: P. Gräber - Emscherblog) 

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    Blick in eine der der drei großen Hallen, die für den Abriss bereits leer geräumt sind. (Foto: P. Gräber - Emscherblog) 

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    Eine weitere der große Hallen: Diebe haben trotz Bewachung nachts fast alle Verkabelungen, Kuperrohre und Lampen aus den Hallen gestohlen und abtransportiert. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)  

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    Die letzten Kanister, Behälter und Fässer mit unbekannten Inhalten warten auf den Abtransport durch das Schadstoffmobil.  (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

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    Das blaue Bürogebäude an der Front der Schäferkampstraße ist bereits komplett entkernt: Dieser Raum diente früher als Serverraum. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

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    Das Treppenhaus in der oberen Etage des ehemaligen Bürogebäudes. In wenigen Tagen wird auch dieses Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

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    Die Zange des großen Abrissbaggers kann mit einer "Beißkraft" von 50 t zupacken. Dieser Kraft hält kein Stahlträger stand. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

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16.000 m² große Halle und Büroräume geplant

Dass dort ein großes Logistik- oder Versandunternehmen angesiedelt werden soll, wie in der Gemeinde spekuliert wird, sei falsch. „Das kann ich nicht bestätigen“, betont Markus Müller. „Wir möchten dort verschiedene kleinere Betriebe und mittelständische Unternehmen ansiedeln. Dazu wollen wir eine rund. 16.000 m² große Halle sowie rund 600 m² Büroflächen errichten. Den Bauantrag haben wir auch bereits gestellt und hoffen noch auf eine Genehmigung in diesem Jahr.“

Unrichtig sei ebenfalls, dass die HWE Germany GmbH auch das direkt gegenüberliegende frühere VAG-Betriebsgelände an der Schäferkampstraße erworben hat, sagt Markus Müller. „Wir haben nur das alte Künstler-Gelände erworben und sonst keine anderen Flächen in der Gemeinde Holzwickede.“   

UPDATE v. 14. 10.: Wie der Kreis Unna heute bestätigte, handelt es sich bei dem geplanten Neubau um ein Logistikzentrum. Das Logistikgebäude bestehe aus zwei zwei Hallenteilen mit insgesamt 16.000 m² Grundfläche. Der Ende September eingereichte Bauantrag befinde sich aktuell im Beteiligungsverfahren mit den externen Behörden. „Wegen der sehr hohen Arbeitsbelastung und weil noch nicht alle Stellungnahmen der beteiligten Behörden vorliegen, kann kein Zeitpunkt für die Genhmigung genannt werden“, so Kreis-Pressesprecherin Constanze Rauert.

HWE Germany GmbH, Künstler-Gelände


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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