27-jähriger Holzwickeder als Raser verurteilt: 2.500 Euro Geldstrafe und Fahrlaubnis weg

Wegen Gefähr­dung des Stra­ßen­ver­kehrs und fahr­läs­siger Kör­per­ver­let­zung stand heute ein 27-jäh­riger Holzwickeder vor dem Amts­ge­richt in Unna.

Die Anklage warf dem Holzwickeder vor, am 19. Juli auf der Werler Straße in Unna am Steuer seines VW mit deut­lich über­höhter Geschwin­dig­keit in den Pkw einer 54 Jahre alten Auto­fah­rerin gerast zu sein, die aus einer Sei­ten­straße in Höhe der Gast­stätte Onkel Albrecht (Land­haus Hellweg) auf die alte B1 ein­biegen wollte. Der Ange­klagte habe sich zwar auf einer vor­fahrt­be­rech­tigten Straße befunden. Weil er aber deut­lich zu schnell als die erlaubten Tempo 70 gewesen sei, habe er sich grob ver­kehrs­widrig ver­halten, da die Geschä­digte ihn nicht recht­zeitig erkennen konnte.

Der Ange­klagte räumte zwar ein, dass er zu schnell gefahren ist, aller­dings nur unwe­sent­lich. „Ich bin viel­leicht 80 oder 90 km/​h gefahren. Die Frau kam von links. Ich habe noch ver­sucht zu bremsen und aus­zu­wei­chen.“ Aber er habe den Zusam­men­stoß nicht mehr ver­meiden können.

Vorfahrtberechtigt, aber zu schnell

Pech für den Holzwickeder: Ein 54-jäh­riger Essener erklärte heute im Zeu­gen­stand, dass er kurz vor der Unfall­stelle von dem Ange­klagten mit sehr hohem Tempo über­holt worden ist. Der Zeuge selbst will Tempo 7ß gefahren sein. „Ich schätze, dass der Ange­klagte so etwa 120 km/​gefahren ist“, so der Zeugte auf Nach­frage des Rich­ters.

Die Folgen des Zusam­men­stoßes waren erheb­lich: Allein rd. 1.500 Euro Sach­schaden an dem Fahr­zeug der Geschä­digten. Schlimmer noch: Die Frau ist noch immer in ärzt­li­cher Behand­lung, hat Schmerzen im Bein, leidet unter Schwin­del­an­fällen und Kopf­schmerzen, wie sie heute im Zeu­gen­stand aus­sagte. Auch das Arbeiten fällt ihr immer noch sehr schwer. „Ich fahre auch nur noch ganz selbst mit dem Auto.“ Die Geschä­digte erklärte weiter, dass sie vor dem Ein­biegen auf die Werler Straße nach rechts und links gesehen hatte und „nach rechts auf der sehr langen Geraden bis zum näch­sten Hügel nie­mand zu sehen war“. Urplötz­lich sei der Ange­klagte dann da gewesen.

Die Ankla­ge­ver­tre­terin sah damit den Tat­vor­wurf der Gefähr­dung des Stra­ßen­ver­kehrs als erwiesen an. „Sie waren deut­lich zu schnell, was man auch am Scha­dens­bild erkennbar ist.“ Die fahr­läs­sige Kör­per­ver­let­zung sei ohnehin unstrittig gewesen. Für den Ange­klagten sprach, dass er keine Vor­be­la­stungen hat. Gegen ihn sprach jedoch, die Geschä­digte erheb­lich ver­letzt wurde. Die Staats­an­wältin for­derte des­halb 30 Tages­sätze a‘ 50 Euro Geld­strafe und den Entzug der Fahr­erlaubnis für ein wei­teres Jahr.

Verteidiger sieht Mitschuld der Geschädigten

Der Ver­tei­diger des Holzwicke­ders sah es in seinem Plä­doyer kei­nes­wegs als erweisen an, dass sein Man­dant erheb­lich zu schnell gefahren ist. Sein Man­dant habe immerhin Vor­fahrt gehabt und die Geschä­digte trage zumin­dest eine Mit­ver­ant­wort­lich­keit für den Unfall. „Es war eine sehr lange Gerade und sie hätte meinen Man­danten sehen müssen.“ Dafür, dass der Ange­klagte sich „grob ver­kehrs­widrig“ ver­halten habe, gebe es „über­haupt keine Anhalts­punkte“. Nach ein­schlä­giger Recht­spre­chung hätte er dazu „min­de­stens dop­pelt so schnell wie erlaubt“ unter­wegs sein müssen. Es han­dele sich viel­mehr „um einen nor­malen Ver­kehrs­un­fall mit einer Vor­fahrt­ver­let­zung, bei der einer der Betei­ligten zu schnell gefahren“ sei. Die Ver­tei­di­gung for­derte des halb eine Geld­strafe im unteren Rahmen von 20 Tages­sätzen a‚ 50 Euro und die Auf­he­bung des vor­läu­figen Ent­zugs der Fahr­erlaubnis des Holzwicke­ders.

Mit seinem Urteil von 50 Tages­sätzen a‚ 50 Euro ging Richter Chri­stian Johann sogar noch über den Antrag der Staats­an­wältin hinaus. Außerdem darf der Holzwickeder seine Fahr­erlaubnis frü­he­stens nach Ablauf eines Jahres neu bean­tragen kann. Der Richter sah es als erwiesen an, dass der Ange­klagte „immerhin so schnell“ gewesen sei, „dass die Geschä­digte Sie nicht recht­zeitig erkennen konnte“. Die Folgen für die Zeugin seien erheb­lich gewesen. Außerdem sei der Holzwickeder „cha­rak­ter­lich nicht geeignet zum Führen eines Fahr­zeuges im Stra­ßen­ver­kehr“, was „mög­li­cher­weise in einem Jahr etwas anders aus­sehen könnte“.

Gegen das Urteil kann der Ange­klagte noch Rechts­mittel ein­legen.

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