Rentner trennte kämpfende Schüler: Anklage wegen Körperverletzung

Damit hat der 65-jäh­rige Rentner aus Holzwickede sicher nicht gerechnet: Weil er zwei kämp­fende 14-jäh­rige Aus­tausch­schüler aus Eng­land trennte, fand er sich heute (26.2.) mit einer Anklage wegen Kör­per­ver­let­zung vor dem Amts­ge­richt in Unna wieder.

Seit 25 Jahren schon nimmt der 65-Jäh­rige mit seiner Frau aktiv am Weih­nachts­markt in Holzwickede teil. So auch am 29. November vorigen Jahres. Als er gegen 20.45 Uhr seine Frau aus der weih­nacht­li­chen Buden­stadt abholen wollte, kamen ihm in der Kirch­straße zwei Jungs ent­gegen, die mit­ein­ander kämpften. In ihren Aus­sagen gaben sie später an, dass sie aus Spaß gerauft hätten. Der Rentner aus Holzwickede erklärte dagegen, dass er nicht den Ein­druck gehabt hätte, dass es spaßig gemeint gewesen sei. Die Jungs lagen mal auf dem Boden, mal standen sie wieder. Als einer der beiden den anderen in den Schwitz­ka­sten nahm und kräftig würgte, ging der Rentner dazwi­schen und trennte die beiden.

Gastmutter zeigte Rentner an

Ange­zeigt wegen Kör­per­ver­let­zung wurde der Rentner von der Gast­mutter des Jungen: Der 65-Jäh­rige habe ihrem Aus­tausch­schüler den Arm ver­dreht. Irgend­welche Ver­let­zungen trug der Junge aber offenbar nicht davon.

Es wird doch immer ver­langt, dass man als Bürger Zivil­cou­rage zeigt“

Der 65-jäh­rige Ange­klagte aus Holzwickede

Der Rentner räumte heute vor Gericht sogar ein, dass er einem der Jungen den Arm ver­dreht habe, um die Jungs zu trennen. „Es wird doch immer ver­langt, dass man als Bürger Zivil­cou­rage zeigt“, meinte der 65-Jäh­rige. Und so eine Prü­gelei wie zwi­schen den beiden Jungs „habe ich noch nie erlebt“ in all den Jahren auf dem Weih­nachts­markt.

Nach dem Zwi­schen­fall hatten zwei Frauen den Rentner auch direkt ange­spro­chen und um seine Per­so­na­lien gebeten, die er ihnen auch gab. Denn auch heute noch vor Gericht war sich der Rentner keiner Schuld bewusst.

Schon nach der Aus­sage des Ange­klagten deu­tete Richter Johann bereits an, dass es sich für ihn um einen klaren Fall von Not­hilfe gehan­delt habe. So argu­men­tierte auch der Ver­tei­diger des Rent­ners. Für seinen Man­danten sei nicht erkennbar gewesen, ob es sich beim Kampf der Jungen um Spaß oder Ernst gehan­delt habe. Darum sei Not­hilfe geboten gewesen für seinen Man­danten, oder anders aus­ge­drückt: Zivil­cou­rage.

Ich finde gut, dass Sie das gemacht haben.“

Amts­richter Johann

Da selbst die Staats­an­wältin dieser Auf­fas­sung folgen konnte und des­halb auf Frei­spruch plä­dierte, war das fol­gende Urteil klar: Frei­spruch. Spä­te­stens bei dem Wür­ge­griff im Kampf­ge­schehen der Jungs habe ein Außen­ste­hender das Recht gehabt, ein­zu­greifen, begrün­dete Richter Johann sein Urteil. Und er gab dem Rentner noch mit auf den Weg: „Ich finde gut, dass Sie das gemacht haben.“

Trotz dieses Frei­spruchs für ihn drückte der Rentner noch sein Bedauern aus: „Ich würde mich gerne bei dem Jungen ent­schul­digen. Ich wollte ihm nicht wehtun.“

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