Grundsicherung und Sozialhilfe: Immer mehr brauchen Unterstützung

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Immer mehr Men­schen brau­chen finan­zi­el­le Unter­stüt­zung. (Foto: Oli­ver Neu­mann / pixelio.de)

(PK) Immer mehr Men­schen im Kreis Unna erhal­ten Grund­si­che­rung und Sozi­al­hil­fe, weil eige­nes Ein­kom­men nicht aus­reicht oder nicht vor­han­den ist. Die­se Bilanz zieht der Fach­be­reich Arbeit und Sozia­les mit Blick auf das sta­ti­sti­sche Daten­ma­te­ri­al von 2014.

In der Gemein­de Holzwicke­de bezo­gen im Jahr 2014 ins­ge­samt 146 Per­so­nen (2013: 135 Per­so­nen) Grund­si­che­rung nach Kapi­tel 4 SGB XII: 96 (2013: 83) die­ser Per­so­nen erhiel­ten eine Grund­si­che­rung im Alter und 50 (2013: 52) eine Grund­si­che­rung bei Erwerbs­min­de­rung. Wei­te­re 21 Men­schen (2013: 15) bezo­gen Hil­fe (Sozi­al­hil­fe).

Ende letz­ten Jah­res bezo­gen im gesam­ten Kreis­ge­biet genau 5.410 Per­so­nen ent­we­der Lei­stun­gen der Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung oder Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt nach dem Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGB XII „Sozi­al­hil­fe“). „Die Zahl der Hil­fe­be­zie­her stieg im Ver­gleich zum Vor­jahr um 6,6 Pro­zent. Damit fiel der Anstieg gegen­über 2013 noch mode­ra­ter aus. Damals lag die Stei­ge­rungs­ra­te im Ver­gleich zum Vor­jahr immer­hin noch bei 11 Pro­zent“, erläu­tert Fach­be­reichs­lei­ter Nor­bert Diek­männ­ken.

2.546 Per­so­nen erhiel­ten Grund­si­che­rung, weil sie die Alters­gren­ze erreicht haben und ihren grund­le­gen­den Bedarf für den Lebens­un­ter­halt nicht selbst sicher­stel­len kön­nen. Häu­fig reicht die Ren­te nicht aus, weil im Erwerbs­le­ben auf­grund von pre­kä­ren Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen oder unter­bro­che­nen Erwerbs­bio­gra­fi­en zu gerin­ge Ren­ten­an­sprü­che erwor­ben wor­den sind.

Grundsicherung kostet in 2014 insgesamt 23,6 Mio. Euro

Aber auch immer mehr Men­schen im Alter zwi­schen 18 und 65 Jah­ren bezie­hen Lei­stun­gen der Grund­si­che­rung, weil sie wegen Krank­heit oder Behin­de­rung dau­er­haft erwerbs­ge­min­dert sind und ihren Lebens­un­ter­halt nicht selbst gewähr­lei­sten kön­nen. „Ihre Zahl lag im Jahr 2014 bei 2.141 Per­so­nen. Das bedeu­tet inner­halb von zwei Jah­ren einen Sprung von über 32 Pro­zent“, so Diek­männ­ken.

Die Kosten der Grund­si­che­rung im Kreis Unna betru­gen im Jahr 2014 ins­ge­samt 23,6 Mil­lio­nen Euro. Sie lie­gen damit um 1,53 Mil­lio­nen Euro höher als im Vor­jahr. Im Jahr 2014 hat der Bund — nach­dem er sich in den Vor­jah­ren mit jähr­lich stei­gen­den Antei­len betei­ligt hat — die Net­to­auf­wen­dun­gen der Grund­si­che­rung in vol­lem Umfang über­nom­men. Damit lei­stet der Bund einen wich­ti­gen Bei­trag zur Ent­la­stung der Kom­mu­nen.

Hilfe zum Lebensunterhalt kostet weitere 3,56 Mio. Euro

Beson­ders auf­fäl­lig ist die Stei­ge­rung bei der Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt. „Haupt­säch­lich han­delt es sich dabei um befri­stet Erwerbs­un­fä­hi­ge oder min­der­jäh­ri­ge Antrag­stel­ler ohne Lei­stungs­an­sprü­che beim Job­cen­ter“, erklärt Fach­be­reichs­lei­ter Nor­bert Diek­männ­ken.

723 Per­so­nen im Kreis Unna bezo­gen in 2014 der­ar­ti­ge exi­stenz­si­chern­de Lei­stun­gen, was einer Erhö­hungs­quo­te von über 19 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr ent­spricht. Die Kosten der Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt stie­gen sogar um über 28 Pro­zent auf 3,56 Mil­lio­nen Euro. Die­sen Auf­wand hat der Kreis Unna ohne jeg­li­che Bun­des­be­tei­li­gung allein zu tra­gen.

Hin­ter­grund:

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

Anspruch auf Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung haben:

  • Per­so­nen, die ein der Regel­al­ters­gren­ze in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ent­spre­chen­des Lebens­al­ter erreicht haben.
  • Auch Per­so­nen, die das 18. Lebens­jahr erreicht haben, kön­nen eben­so Lei­stun­gen der Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung erhal­ten, wenn sie aus medi­zi­ni­schen Grün­den dau­er­haft voll erwerbs­ge­min­dert sind.
  • Vor­aus­set­zung ist immer, dass der Lebens­un­ter­halt nicht selbst bestrit­ten wer­den kann.

Hilfe zum Lebensunterhalt

Wer sei­nen Lebens­un­ter­halt nicht aus eige­nem Ein­kom­men oder Ver­mö­gen bestrei­ten kann und weder Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (SGB II) noch Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung erhält, kann Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt bean­tra­gen.

Fol­gen­de Per­so­nen haben bei­spiel­haft Anspruch auf Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt:

  • Per­so­nen, die eine befri­ste­te Ren­te wegen vol­ler Erwerbs­min­de­rung erhal­ten. (Grund: Die­se Per­so­nen haben kei­nen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld II, weil sie dem Arbeits­markt nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, aber auch kei­nen Anspruch auf Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung, weil sie nicht dau­er­haft erwerbs­un­fä­hig sind.)
  • Kin­der unter 15 Jah­ren, die in einer Bedarfs­ge­mein­schaft mit Bezie­hern von Grund­si­che­rung leben (z. B. bei den Groß­el­tern) und ihren Lebens­un­ter­halt vor allem aus Unter­halts­an­sprü­chen nicht sicher­stel­len kön­nen.

    Tabelle

    Die­se Tabel­le zeigt die Ent­wick­lung der Anzahl der Hil­fe­emp­fän­ger in den Kom­mu­nen und der Auf­wen­dun­gen des Krei­ses. (Quel­le: Kreis Unna)

 

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