5,1 Gramm Marihuana gefunden: 900 Euro Geldstrafe für Holzwickeder

Mund abputzen – und fer­tig. Mit dieser Hal­tung nahm der 30-jährige Angeklagte aus Holzwickede heute (24.11.) sein Urteil vor dem Amts­gericht Unna ent­ge­gen und ver­ließ anschließend mit schö­nen Grüßen den Gerichtssaal. Dass Richter Jörg Granseuer ihn wegen des uner­laubten Besitzes von Betäubungsmit­teln zu ein­er Geld­strafe von 90 Tagessätzen a‘ zehn Euro verurteilt hat­te, schien der arbeit­slosen Hartz IV-Empfänger wenig zu kratzen.

Bei der Durch­suchung der elter­lichen Woh­nung, in der der Angeklagte noch wohnt, hat­ten die bei­den Beamten am 31. Juli des Jahres eigentlich ein Smart­phone gesucht. Gefun­den haben sie stattdessen aber 5,1 Gramm Mar­i­hua­na, zwei Fein­waa­gen, sieben Beu­tel, Tütchen und divers­es anderes Ver­pack­ungs­ma­te­r­i­al sowie einen Zettel mit Namen. Da die Ver­mu­tung des Han­delns mit Dro­gen nahe lag, lautete die Anklage neben dem Besitz heute zunächst auch noch auf uner­laubten Han­del mit Betäubungsmit­teln.

Den Han­del stritt der Angeklagte jedoch vehe­ment ab. Aus seinem Dro­genkon­sum machte er dage­gen gar keinen Hehl. Die 5,1 Gramm Mar­i­hua­na seien auss­chließlich für seinen Eigenbe­darf gewe­sen. Als die Beamten sein Zim­mer betrat­en, hät­ten die sofort “Lunte” gerochen, weil er in sein­er Woh­nung Mar­i­hua­na ger­aucht hat­te. „Das riecht man ja auch sofort. Das lässt sich lei­der nicht ver­mei­den“, so der Angeklagte. Deshalb hätte er auch sofort frei­willig die Dro­gen und Zube­hör dazu her­aus­gegeben. „Die Sachen wären ja sowieso gefun­den wor­den.“

Marihuana nur für Eigenbedarf eingeräumt

Warum er denn gle­ich zwei Fein­waa­gen besessen hat, wollte der Richter wis­sen. “Eine ist kaputt gewe­sen. Da habe ich eine neue gekauft”, erk­lärte der Angeklagte — zur Kon­trolle beim Dro­genkauf. “Schließlich will ich auch haben, was ich bezahlt habe.” Für den Zettel mit Namen hat­te der 30-Jährige auf Nach­frage von Richter Jörg Granseuer keine so plau­si­ble Erk­lärung: „Zwei der Namen, die da ste­hen, sind Fre­unde von mir. Ich weiß aber nicht mehr, was das für ein Zettel ist.“ Den Zettel hät­ten die Beamten aus einem Schränkchen gefis­cht, an dem er jahre­lang nicht mehr gewe­sen sei.

Auch wenn Richter Jörg Granseuer dem Angeklagten nicht abnahm, die Wahrheit über den Zettel gesagt zu haben – der Han­del mit Dro­gen war dem Angeklagten nicht nachzuweisen. Das räumte auch die Anklagev­ertreterin in ihrem Plä­doy­er ein und forderte eine Geld­strafe von 900 Euro für den uner­laubten Besitz von Dro­gen. Für den Angeklagten sprach, dass er geständig ist. Allerd­ings hat er auch schon vier kleinere Vorstrafen, darunter zwei ein­schlägige, auf seinem Kon­to. Genutzt haben die Vorstrafen offen­bar nichts, wie der Richter in sein­er Urteils­be­grün­dung fest­stellte. „Darum ver­suchen wir es jet­zt ein­mal mit ein­er Geld­strafe“, so Richter Jörg Granseuer. Die Kosten des Ver­fahrens hat der 30-Jährige auch noch zu tra­gen.

Beim näch­sten Mal, das es hof­fentlich nicht geben wird, kön­nte das Ver­fahren dann für den Holzwicked­er nicht mehr so glimpflich aus­ge­hen.

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visage

Dipl.-Journalist

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