14-Jähriger zeigt Vater wegen Körperverletzung an: Nur ein Racheakt der Ex-Frau?

Han­delt es sich nur um einen Racheakt seiner Ex-Frau oder hat der 42-jäh­rige Holzwickeder S. tat­säch­lich seinen 14-jäh­rigen Sohn miss­han­delt? Über diese heikle Frage hat Richter Jörg Granseuer zu ent­scheiden, der heute vor dem Amts­ge­richt Unna die Ver­hand­lung gegen den Holzwickeder S. eröff­nete. Die Anklage gegen den selbst­stän­digen, geschie­denen Vater von zwei Kin­dern lautet auf Kör­per­ver­let­zung.

Dass er seinen Sohn am 17. Juli vorigen Jahres gewürgt und zweimal ins Gesicht geschlagen hat, wie es ihm die Anklage vor­hält, streitet der Ange­klagte rundweg ab. Am frag­li­chen Tag habe er mit einer Mit­ar­bei­terin aus seinem Geschäft, seiner Tochter und seinem Sohn in die Eis­diele gehen wollen. Sein Sohn hatte dazu aber keine Lust gehabt und wollte alleine weg. „Da habe ich ihn von hinten umarmt und fest­ge­halten“, so S. heute auf der Ankla­ge­bank. Dass sei eher „im Spaß“ gewesen. „Ich habe ihn weder gewürgt noch geschlagen“, beteu­erte der 42-Jäh­rige. „Erst ist doch mein Sohn. Ich würde nie mein Kind schlagen.“

Bei seinem Sohn hörte sich das aller­dings etwas anders an: An besagtem Tag im Juli, einem Sonntag, habe man eigent­lich zu viert in den Movie­park fahren wollen. Doch dazu sei es zu spät dafür gewesen und sein Vater, seine Schwe­ster und die Mit­ar­bei­terin des Vaters hätten in eine Eis­diele gewollt. „Ich wollte aber nicht raus und alleine bleiben“, so der Schüler im Zeu­gen­stand. Es sei zum Streit gekommen und er habe seinen Vater gegen die Brust geschlagen. Dar­aufhin habe dieser ihn „von hinten in den Nacken gefasst und fest­ge­halten“, seit­lich nach vorne gebeugt und „mit der Faust ins Gesicht geschlagen“. Die Schwe­ster und auch die Mit­ar­bei­terin hätten dar­aufhin ver­sucht, den Streit zu schlichten und den Vater von ihm weg­zu­ziehen. Auf Nach­frage des Rich­ters bestä­tigte der Junge außerdem, dass er gewürgt worden sei von seinem Vater und er dabei tat­säch­lich keine Luft mehr bekommen habe.

Von der Aus­ein­an­der­set­zung habe er eine geplatzte Ader im Auge, Kratzer im Nacken und ein stark gerö­tetes Gesicht davon­ge­tragen. Die Ärzte des Kran­ken­hauses, das er mit seiner Mutter noch am selben Tag auf­ge­sucht hatte, hielten eine Behand­lung des Jungen nicht für erfor­der­lich und stellten ihm und seiner Mutter auch kein ärzt­li­ches Attest über erlit­tene Ver­let­zungen aus.

Widersprüchliche Aussagen des Sohnes im Zeugenstand

Durch den Ver­tei­diger von S. befragt, ver­wickelte sich der Junge heute im Zeu­gen­stand in Wider­sprüche. So hatte er sich gegen­über der Polizei noch so geäu­ßert, dass er von seinem Vater gewürgt und „zweimal mit der fla­chen Hand ins Gesicht geschlagen“ worden sei. Außerdem habe sich der Streit nicht vor­mit­tags, son­dern erst gegen 16 Uhr am Nach­mittag ereignet. Die Eis­diele als Anlass für den Streit hatte er in seiner Aus­sage gegen­über der Polizei gar nicht erwähnt. Heute beharrte der Junge jedoch darauf, dass der Streit mit seinem Vater vor­mit­tags gewesen sei und er erst am Nach­mittag wieder zu seiner Mutter gegangen sei.

Wegen der zahl­rei­chen Wider­sprüche bean­tragte der Ver­tei­diger, den Poli­zei­be­amten, der das Pro­to­koll sei­ner­zeit auf­nahm, als Zeugen zu ver­nehmen.

Schließ­lich hielt der Ver­tei­di­gung dem Jungen vor, dass er vor zwei Wochen noch einmal bei seinem Vater gewesen sei. Dabei habe der Junge im Gespräch ein­ge­räumt, dass seine Mutter ihn gedrängt habe, die Anzeige gegen seinen Vater zu erstatten. „Das stimmt nicht“, wider­sprach der Junge heute.

Ange­sichts derart wider­sprüch­li­cher Aus­sagen kam das Gericht heute noch zu keinem Urteil. Richter Jörg Granseuer setzte einen wei­teren Ver­hand­lungs­termin am 2. Mai an. Dann sollen noch wei­tere Zeugen gehört werden: Der Poli­zei­be­amte, der die Anzeige des Jungen auf­nahm, vor allem aber auch die Schwe­ster des Jungen und die Mit­ar­bei­terin von S., die beide den Streit zwi­schen Vater und Sohn mit­er­lebt haben.

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