Plakatkampagne der Jugendämter: „Heute schon mit Ihrem Kind gespielt“

Die Netz­werk­ko­or­di­nie­renden für frühe Hilfe aus den Städten, Gemeinden und dem Kreis stellten die Pla­kat­kam­pagne in Kamen vor. (Foto: Peter Büttner – Stadt Kamen)

Die Eltern von heute sind medi­en­affin, Handy, PC und Tablett selbst­ver­ständ­li­cher Alltag. Die Bedürf­nisse von Kin­dern geraten dabei man­ches Mal aus dem Blick: Wenn Eltern in digi­tale Welten abtau­chen, fühlen sich Kinder nicht wahr­ge­nommen, unwichtig oder ver­nach­läs­sigt. Die Jugend­ämter im Kreis Unna möchten des­halb den Blick der Eltern für die Belange ihrer Kinder schärfen – und machen mit einer Pla­kat­kam­pagne den ver­ant­wor­tungs­vollen Umgang mit digi­talen Medien zum Thema.

Eltern, die mit dem Kin­der­wagen unter­wegs sind und ihre Face­book-Posts checken, im Wohn­zimmer vorm PC oder Fern­seher sitzen, wenn das Kind dabei ist, sind zwar nah, nicht aber wirk­lich fürs Kind da. Auch Kitas und Schulen erleben all­zeit mobile Eltern, die schnell noch eine Mail checken oder sich ein Posting ansehen, wenn sie ihre Kinder abholen – ohne es zu begrüßen oder mit ihm zu spre­chen.

Kinder brauchen Exklusivzeit und Aufmerksamkeit

Dabei brau­chen Kinder Exklu­siv­zeit und Auf­merk­sam­keit. Nicht rund um die Uhr, aber in bestimmten, nur ihnen zur Ver­fü­gung ste­henden Zeiten“, betont Nicole Börner, Netz­werk­ko­or­di­nie­rende für Frühe Hilfen in Kamen. Der Zusam­men­hang ist von Bedeu­tung: Für die gesunde Ent­wick­lung eines Kindes ist die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Eltern, ihrer Auf­merk­sam­keit und ihrem Lob uner­setz­lich, damit eine gute Eltern-Kind-Bin­dung ent­steht.

Diese wie­derum ist wichtig für die erfolg­reiche Sprach­ent­wick­lung sowie die Ent­wick­lung von Per­sön­lich­keit, Selbst­be­wusst­sein und Selbst­wirk­sam­keit. Die Not­wen­dig­keit, auf das Pro­blem hin­zu­weisen, bestä­tigten auch die Prak­tiker aus dem AWO Fami­li­en­zen­trum „Auf dem Müh­len­berg“, Fröndenberg/​Ruhr und der Hell­weg­schule in Bönen bei der Vor­stel­lung der Kam­pagne. „Das Bild, dass Eltern sich mehr mit dem Smart­phone als mit ihrem Kind beschäf­tigen, ist mitt­ler­weile leider auch auf Spiel­plätzen, in War­te­zim­mern oder an vielen anderen Orten längst all­täg­lich“, sagen sie.

Alle Jugendämter im Kreis machen mit

Die Jugend­ämter im Kreis Unna werben mit der Pla­kat­ak­tion für eine bewusst gepflegte Eltern-Kind-Bezie­hung. Die Motive zeigen Situa­tionen, die jeder schon erlebt hat; die Text­zeile ist bewusst pro­vo­kativ gehalten: „Heute schon mit Ihrem Kind gespro­chen?“ oder „Heute schon mit Ihrem Kind gespielt?“

Es geht nicht darum, digi­tale Medien zu ver­teu­feln oder Eltern zu rügen. „Die Motive sollen Eltern sen­si­bi­li­sieren, dar­über nach­zu­denken, wie oft sie mit dem Smart­phone beschäf­tigt sind und ihre Kinder dabei nicht beachten“, sagt Monika Thünker, Netz­werk­ko­or­di­nie­rende Frühe Hilfen beim Kreis Unna.

Alle Jugend­ämter im Kreis­ge­biet betei­ligen sich an der Kam­pagne, die durch die Netz­werk­ko­or­di­nie­renden Frühe Hilfen der ein­zelnen Städte und Gemeinden orga­ni­siert wird. Die Erst­auf­lage beträgt 3.000 Stück, auf­ge­hängt werden die Pla­kate an Orten, an denen sich Eltern auf­halten – also bei­spiels­weise an Kin­der­gärten, Grund­schulen oder Bera­tungs­stellen. Vor Ort wird die Kam­pagne an unter­schied­li­chen Stellen durch ver­schie­dene Aktionen begleitet. PK | PKU

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