Zum runden Geburtstag des Clubs 73 trafen sich die Ehemaligen schon einmal bei Paul Schmidt im Garten und setzten ihren Ex-Vorsitzenden in Erinnerung an das "Radrennen rund um den Kellerkopf" in eine Rikscha. (Foto: privat)

Nach 50 Jahren lebt der „Club 73“ für einen Tag wieder auf: Ehemalige treffen sich an alter Stätte wieder

Zum runden Geburtstag des Clubs 73 trafen sich die Ehemaligen schon einmal bei Paul Schmidt im Garten und setzten ihren Ex-Vorsitzenden in Erinnerung an das "Radrennen rund um den Kellerkopf" in eine Rikscha.  (Foto: privat)
Zum runden Geburtstag des Clubs 73 trafen sich die Ehemaligen bei Paul Schmidt im Garten und setzten ihren Ex-Vorsitzenden in Erinnerung an das „Radrennen rund um den Kellerkopf“ in eine Rikscha. (Foto: privat)

In Opherdicke in der Nähe ihrer alten Wirkungsstätte kommen heute etwa zwei Dutzend Personen zu einem ganz besonderen Treffen zusammen: Die Ehemaligen des „Club 73“ und ihrer Partnerinnen und Partner treffen sich nach 50 Jahren wieder, um sich bei Bier und Büffet an vergangene Zeiten zu erinnern, die schon deshalb gut sind, weil damals noch alle jung waren.

Mit dem Club 73 können jüngere Holzwickeder dagegen nur noch wenig anfangen. Dabei handelt es sich um einen legendären Jugendclub, der von Paul Schmidt (80 J.) ins Leben gerufen und im August/September 1972 gegründet wurde. Im Januar 1973 fand die erste Versammlung des neuen Clubs statt. „Bis dahin hatten wir noch keinen Namen“, erzählt Paul Schmidt. „Also haben wir uns Club 73 genannt.“

Kino im katholischen Jugendheim ein Renner

Schmidt räumt ein, dass er selbst nie auf die Idee zu diesem Jugendclub gekommen wäre. Als der angehende Lehrer im Mai 1972 von Dortmund nach Hengsen zog, wurde er vom damaligen katholischen Pfarrer Willeke gefragt, ob er sich nicht um die Jugendlichen der Kirchengemeinde kümmern könne. „Damals trafen sich die 15- und 16-Jährigen jeden Freitag für ein bis zwei Stunden in dem kleinen katholischen Jugendheim vor der Kirche in Opherdicke, um zu kickern oder sich zu unterhalten.“

„Dafür brauchen die Jugendlichen niemanden“, erklärte Paul Schmidt dem Pfarrer. „Wenn ich so etwas mache, soll es auch Bestand haben. Ich würde gerne Filme zeigen, Vorträge halten und Veranstaltungen durchführen.“ Pfarrer Willeke stimmte zu und Schmidt machte sich an die Arbeit.

„Die Jugendlichen sind von Holzwickede zu uns hoch gepilgert. Das Jugendheim war so voll, dass sie zur Viert auf der kleinen Fensterbank saßen.“

– Wolfang Wellke

Anfangs besuchte ein Stamm von zehn bis zwölf Jugendlichen den Club 73. Aber vor allem die Filme erwiesen sich als Renner, wie Wolfgang Wellke bestätigt, der von Anfang an dabei war. „Wir haben super Filme gezeigt, zum Beispiel ,Ekel‘ von Roman Polanski mit Catherine Deneuve nackt in der Badewanne – das zog natürlich, ,Spiel mir das Lied vom Tod‘, ,Willard‘ und solche Sachen“, schmunzelt Wellke. „Die Jugendlichen sind von Holzwickede zu uns hoch gepilgert. Das Jugendheim war so voll, dass sie zur Viert auf der kleinen Fensterbank saßen.“ Der Eintritt kostete eine D-Mark. „Die Einnahmen haben wir dann der Aktion Sorgenkind gespendet“, erklärt Paul Schmidt, der den Filmprojektor für die 16 mm-Streifen jedes Mal aus seiner Schule mitbrachte. Ausgeliehen wurden die Filme über das Kolpingwerk, wo sie auch abgeholt werden mussten.

Radrennen rund um den Kellerkopf

Für das Treffen heute wurden sogar eigene T-Shirt angefertigt. (Foto: privat)

Die erste richtig große Veranstaltung war zwei Jahre nach Gründung das „Radrennen um den Kellerkopf“. Von morgens 8 Uhr bis abends 20 Uhr wurde mit Unterbrechungen immer rund um den Kellerkopf geradelt. Es gab Rennen für verschiedene Altersgruppen, Geschicklichkeitsrennen und mittags sogar ein Promi-Rennen. „Dieter Kemper, der Steher-Weltmeister und Sechs-Tage-Rennen fuhr, wohnte ganz in meiner Nähe“, meint Paul Schmidt. „Der wollte sofort mitmachen. Er hat mir gleich noch einige seiner zahlreichen Siegerkränze angeboten, die wir dann später an die einzelnen Sieger verteilt haben.“ Beim Promi-Rennen traten neben dem damaligen Bürgermeister Wortmann auch Pfarrer Franz Teuber in die Pedale. Gewonnen hat das Rennen schließlich Pater Beda, aber wohl auch nur, weil sich Dieter Kempe gezielt zurückhielt.

Die Bundeswehr steuerte die Erbsensuppe für die Veranstaltung bei. „Bedingung war, dass jemand ein paar Zentner Kartoffeln schält“, sagt Paul Schmidt, der bei der katholischen Frauengemeinschaft anfragte. „Als ich dann kurz vor der Veranstaltung in die Küche der Bundeswehr kam, saßen da sechs Frauen und schälten Kartoffeln.“ Dies und der Erfolg dieser Veranstaltung begeisterte Schmidt so, dass er motiviert weitermachte, das Radrennen alle zwei organisierte und auch den Club 73 weiterentwickelte.

„Wir waren eine lockere Jugendgruppe, die von allen Organisationen unabhängig war. Bei uns haben katholische und evangelische Jugendliche mitgemacht“, erklärt Wolfgang Wellke. „Das war gar kein Problem. Wenn hier oben Juden oder Muslime gewohnt hätten, wären die auch willkommen gewesen.“

Einmal im Jahr wurden Veranstaltungen wie Olympische Spiele auf dem Haarstrang durchgeführt oder auch ein internationales Fußballspiel, dazu gab es regelmäßig Ausflüge in den Knüllwald nach Hessen, zur Glör-Talsperre oder nach Tiefenbach. Regelmäßig spendete der Club 73 aus den Einnahmen, die mit solchen Aktionen erzielt wurden, für gute Zwecke: an die Kinderklinik Königsborn, die Karl-Brauckmann-Schule oder nach einem Aufruf von Hans Rosenthal auch an „Dalli, Dalli“.

Veranstaltungen, Ausflüge, Ferienspaß und mehr

„Der Club 73 hat auch das Osterfeuer erfunden“, behauptet Wolfgang Wellke stolz. „Angefangen hat es auf dem Truppi, später haben wir das Osterfeuer dann am Sportplatz in Opherdicke angezündet.“ In einer alten Scheune an der Schlossallee lagerten die Clubmitglieder die Weihnachtsbäume, die sie im Januar eingesammelt hatten. „Karsamstag haben wir sie dann verbrannt. Irgendwann wurde das alles aber zu viel und die Feuerwehr hat das Osterfeuer übernommen.“

Den Ferienspaß in Holzwickede haben Paul Schmidt und seine Mitstreiter vom Club 73 ebenfalls maßgeblich mit aufgebaut. „Wir waren beim ersten Ferienspaß der kleinste Verein, hatten aber mit sieben Veranstaltungen die meisten Angebote“, erinnert sich Paul Schmidt, der später dann auch beim Ortsjugendring mitmischte.

20 Jahre lang, bis 1992, war der Club 73 recht aktiv. Neben Paul Schmidt waren Klaus Böcker, Martin Backs und auch Wolfgang Wellke Vorsitzende. Nachdem Martin Backs mit 28 Jahren viel zu jung verstarb, schlief auch der Club 73 langsam ein. „Es wurde immer schwieriger, Vorsitzende zu finden. Keiner wollte das mehr machen“, sagt Schmidt. „Ich selbst war auch zu alt dafür geworden.“

In den zwei Jahrzehnte des Bestehens sind einige Generationen von Jugendlichen aus den beiden Bergdörfern im Club 73 aktiv gewesen. Alle, die sich am Samstag heute an alter Wirkungsstätte treffen, gehören zum harten Kern der ersten Stunde.

Club 73, Ehemaligentreffen


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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