Miese Kommunikation: Ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern entgehen Tausende Euro

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Der Helferkreis der Flüchtlinge bei einem seiner Treffen im Rathaus: Weil es bei der Kommunikation mit der Gemeinde haperte, sind den Ehrenamtlichen jetzt Tausende Euro entgangen. (Foto: Peter Gräber / Emscherblog.de)

Diese Panne ist mehr als ärgerlich: Weil es an der Kommunikation zwischen der Gemeindeverwaltung und den Kirchengemeinden in Holzwickede hapert, sind den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in Holzwickede ein paar tausend Euro Fördergelder des Landes entgangen.

Die Ehrenamtlichen der Initiative „Willkommen in Holzwickede“  leisten vorbildliche und sehr engagierte Arbeit bei der Integration der Flüchtlinge in der Emschergmeinde. Der ehrenamtliche Helferkreis hat die Übergangswohnheime an der Massener Straße renoviert, ein Flüchtlingscafe eingerichtet, hilft bei Behördengängen und Besorgungen, hat eine Sportgruppe gegründet und Sprach- und Leseförderkurse eingerichtet und vieles mehr. Ohne diesen ehrenamtlichen Einsatz würde praktisch gar keine Integrationsarbeit in der Gemeinde stattfinden.

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Für ehrenamtliche Arbeiten wie diese könnte der Helferkreis das Geld gut gebrauchen: Ehrenamtliche renovieren die Küchen in den Übergangsheimen an der Massener Straße. (Foto: Peter Gräber / Emscherblog.de)

Finanzielle Unterstützung bekommen die Flüchtlingshelfer so gut wie nicht. Wenn sich die Sportgruppe in diesen heißen Tagen mal trifft, wissen die Helfer noch nicht einmal, woher sie das Wasser für Erfrischungen herbekommen sollen. „Nach dem Sport sammeln wir Helfer untereinander, damit wir wenigstens ein paar Flaschen Wasser kaufen können“, berichtet eine Helferin, die nicht geannt werden möchte.  „Und für unseren Unterricht können wir uns kaum die Kreide leisten.“

Umso ärgerlicher deshalb, dass jetzt versäumt wurde, bereitstehende Fördergelder des Landes für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit abzurufen.

Das Land NRW hatte im April rund eine Millionen Euro bereitgestellt für ehrenamtliche Initiativen, die Integrationsarbeit für Flüchtlinge leisten. „Die Ehrenamtlichen helfen Flüchtlingen, die Trauma, Krieg und Folter erlebt haben, hier bei uns einen Neustart zu schaffen. Mit unserem Programm wollen wir den Betroffenen den Zugang zu Sprache und zu Gesellschaft erleichtern und einen Beitrag leisten, damit sie sich hier zuhause fühlen können“, hatte NRW Integrationsminister Guntram Schneider bei der Vorstellung betont.

Im Kreis Unna kriegt nur Holzwickede und Kamen kein Geld

Eigentlich sind diese Landesmittel nur ein Tropfen auf den heißen Stein – aber immerhin. 18.000 Euro davon gingen jetzt an den Kreis Unna, der das Geld über das Kommunale Integrationszentrum an neun Initiativen in den Kommunen verteilt.  Initiativen in neun Kommunen erhalten jetzt die Landesmittel auf ihren Antrag hin:  Die evangelische Luthergemeinde in Bergkamen erhält 2.800 Euro zur Unterstützung der Ehrenamtlichen, die einen Sprach- und Lesekurs für Flüchtlinge anbieten. Die gleiche Summe erhält auch der Arbeitskreis Asyl der Diakonie Schwerte, der mit dem Geld einen Flyer mit gebündelten Ortsinformationen herausgeben wird. Andere Initiativen erhalten für Verbrauchsmittel oder Schulungsmateruial zwischen 250 und 750 Euro.  Im Kreis Unna bekommen nur Holzwickede und Kamen nichts aus dem Förderprogramm zur Unterstützung der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit – weil kein Geld beantragt wurden.

Im März des Jahres war das Förderprogramm Thema der Konferenz der Sozialdezernenten im Kreishaus. Der Kreis Unna informierte anschließend alle Kommunen darüber und forderte dazu auf, bis spätestens 30. April Förderanträge zu stellen. Sogar Antragsvordrucke wurden anschließend aus dem Kreishaus an die Kommunen gemeinsam mit erneuten Erinnerungen verschickt.

„Wir waren als Kommune nicht antragsberechtigt. Das sind nur die Initiativen selbst gewesen.“

Matthias Aufermann, Leiter des zuständigen Fachbereichs der Gemeinde

Zumindest bei der Flüchtlingsinitiative in Holzwickede kam davon nichts an. Matthias Aufermann, Leiter des zuständigen Fachbereichs im Rathaus, kann ein Versäumnis der Verwaltung allerdings nicht erkennen: „Wir waren als Kommune nicht antragsberechtigt. Das sind nur die Initiativen selbst gewesen.“ Aufermann will die evangelische Kirchengemeinde am 2. April erstmals angeschrieben und auf das Förderprogramm aufmerksam genmacht haben. „Die Kirche ist unser Ansprechpartner“, erklöärt er, weil der Helferkreis ja kein Verein, sondern eine ehrenamtliche Initiative aus dem kirchlichen Raum sei. Er habe sogar „auch zwischendurch noch mal nachgefragt“ in der evangelischen Gemeinde, versichert Aufermann.

Pfarrerin Claudia Brühl, konnte sich das heute nicht erklären: „Wir können den Eingang einer solchen Information bei uns nicht bestätigen“, sagte Brühl nach Rücksprache mit ihrem Gemeindebüro. Die evangelische Pfarrerin wunderte sich allerdings, dass nur die evangelische Kirchengemeinde angeschrieben worden sein soll. „Schließlich ist doch der Helferkreis eine ökumenische Initiative. Wir sind doch nicht der einzige Ansprechpartner. Da hätte die katholische Kirchengemeinde doch ebenso informiert werden müssen.“

Helferkreis


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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