Holzwickeder hortet fast 1,5 Mio. Dateien mit Kinderpornografie: 27 Monate Haftstrafe

Wegen der Ver­brei­tung, des Erwerbs und Besitzes von kin­der­por­no­gra­fi­schen Schriften stand heute (21. Mai) ein 44-jäh­riger Holzwickeder vor dem Schöf­fen­ge­richt in Unna. Was die Kripo am 15. November vorigen Jahres auf den Com­pu­tern und Fest­platten des ledigen Ange­klagten ent­deckten scheint unglaub­lich: Nahezu fast 1,5 Mil­lionen Dateien, Fotos und Videos, mit Kin­der­por­no­grafie schlimm­ster Sorte beschlag­nahmten die Beamten in seiner Woh­nung in Holzwickede..

In der Menge sind Sie damit bei uns Spit­zen­reiter“, kom­men­tierte Richter Jörg Hücht­mann den trau­rigen Fund. „Wie kam es zu dieser unfass­baren Menge?“ Der 44-jäh­rige Holzwickeder zeigte sich zwar in vollem Umfang geständig, aber wenig gesprä­chig auf der Ankla­ge­bank. Wenn über­haupt ant­wor­tete er sehr leise und kaum ver­ständ­lich. Leugnen hätte wohl ange­sichts dieser Beweis­last auch wenig Zweck gehabt. Neben den eigent­li­chen Fotos und Videos fanden die Ermittler auch die nötigen Peer-To-Peer-Pro­gramme, um die ille­galen Dateien in den über­wie­gend anonymen Netz­werken tau­schen zu können.

Verteidiger nennt „Sammelwut“ als Motiv

Über seinen Ver­tei­diger ließ der Ange­klagte, der noch im Eltern­haus lebt, erklären: Er sei län­gere Zeit arbeitslos gewesen und habe aus Lan­ge­weile die Dateien her­un­ter­ge­laden. Tat­säch­lich, so der Ver­tei­diger, „müsste man wohl auch einen Full­time-Job haben, um alle diese Dateien anzu­sehen“.

Zeit­lich ist das auch kaum erfassbar“, meinte auch der Richter. Ob der Ange­klagte die ver­bo­tenen Dateien dann zum Zwecke des Tau­schens oder Han­dels her­un­ter­ge­laden habe? „Nein“, so der 44-Jäh­rige.

Der Ver­tei­diger schil­derte seinen Man­danten als eine Art Messie: „Es war mehr eine Sam­melwut, auch wenn das für Außen­ste­hende nicht ganz nach­voll­ziehbar ist.“ Das ändere natür­lich nichts am Sach­ver­halt, so der Ver­tei­diger, können aber „das Ver­halten ver­ständ­lich machen“, so der Ver­tei­diger. Das allein sei schon „eine Her­kules-Auf­gabe“, wie Richter Jörg Hücht­mann trocken kom­men­tierte.

Psy­cho­lo­gi­sche oder medi­zi­ni­sche Hilfe hat der Ange­klagte keine gesucht oder in Anspruch genommen. Auf Nach­frage der Staats­an­wältin bezeich­nete er seine sexu­elle Ori­en­tie­rung als „normal“ und, auf noch­ma­liges nach­haken: Er stehe auf Frauen. Und pädo­phile Nei­gungen? Darauf der 44-Jäh­rige: „Das Inter­esse ist da, aber ich würde nie­mals ein Kind anfassen.“ Es gehe ihm auch nicht gut mit dem, was er getan habe. „Es wird sicher nie wieder pas­sieren.“

Angeklagte nicht vorbestraft

Sehr über­zeu­gend klang das nicht in den Ohren der Staats­an­wältin, wie diese in ihrem Plä­doyer deut­lich machte. Der Ange­klagte sei zwar voll umfäng­lich geständig. Auch habe er bisher kei­nerlei Vor­strafen. Doch gegen ihn spre­chen eben diese unglaub­li­chen Daten­menge von fast 1,5 Mio. Dateien mit Kin­der­por­no­grafie. „So etwas hatten wir noch nicht“, so die Ankla­ge­ver­tre­terin. Man dürfe nicht ver­gessen: Hinter jeder dieser Dateien stehen Kinder. Des­halb sei das Ver­gehen schwer­wie­gend. Was sie vor allem ver­misst ist „die Nach­voll­zieh­bar­keit und der Wille etwas zu ändern“, so die Ankla­ge­ver­tre­terin. „Die Gedanken und Nei­gungen sind frei. Aber hier sehe ich Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.

Daher bean­tragte die Staats­an­wältin eine Gesamt­strafe von zwei Jahren und drei Monaten für den Ange­klagten. Dessen Ver­tei­diger ver­wies darauf, dass sein Man­dant geständig und sehr koope­rativ gewesen ist. Außerdem sei er nicht vor­be­straft. Die große Daten­menge an Kin­de­por­no­grafie sei natür­lich „nicht nach­voll­ziehbar für Men­schen, die kein Inter­esse an so etwas haben“, so der Ver­tei­diger. Es sei auch ein Pro­blem des Inter­nets: „Man sieht etwas, lädt es her­unter, ohne sich groß Gedanken zu machen, was dahinter steckt.“ Sein Man­dant habe jedoch einen Beruf gefunden, küm­mere sich um seine Mutter und habe abge­schlossen mit seiner Tat. Des­halb sei eine Gesamt­strafe unter zwei Jahren, zur Bewäh­rung aus­ge­setzt, ange­messen.

Fotos und Videos auch weiterverbreitet

Mit seinem Urteil von zwei Jahren und drei Monaten folgte Richter Jörg Hücht­mann dem Antrag der Ankla­ge­ver­tre­terin. Der Holzwickeder habe über viele Jahren hinweg fast 1,5 Mil­lionen Dateien mit kin­der­por­no­gra­fi­schen Inhalten erfasst, abge­spei­chert und gesam­melt, so die Urteils­be­grün­dung. Auf­grund der Peer-To-Peer-Pro­gramm, die er dafür ein­setzte, war ihm geläufig, dass er die Dateien auch wei­ter­ver­breitet und anderen Nut­zern Zugang dazu ver­schafft.

Es sei zwar richtig, dass „zunächst die Gedanken und Nei­gungen frei sind“, so der Richter weiter. „Aber das Aus­lösen sol­cher Nei­gungen ist nicht akzep­tabel und des­halb unter Strafe gestellt.“ Gegen den Ange­klagten spreche auch, dass er sich auch im Tat­nach­gang nicht erkennbar intensiv mit seinem Ver­halten aus­ein­an­der­ge­setzt hat, etwa indem er sich um eine The­rapie bemühte. „Da ist noch deut­lich Luft nach oben“, so der Richter. Bei dieser Sach­lage sei eine Bewäh­rung ober­halb von zwei Jahren dann ohnehin nicht mehr in Frage gekommen.

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