Mit einem 1 : 0-Erfolg gegen Oli Bürstadt gewann die Spielvereinigung Holzwickede am 27. Juni 1976 die Deutsche Amateurmeisterschaft. (Foto: Archiv)

45 Jahre Deutsche Amateurmeisterschaft des HSV: Veranstaltung „Alt trifft Jung“ zum Jubiläum

Mit einem 1 : 0-Erfolg gegen Oli Bürstadt gewann die Spielvereinigung Holzwickede am 27. Juni 1976 die Deutsche Amateurmeisterschaft. (Foto: Archiv)
Mit einem 1 : 0-Erfolg gegen Oli Bürstadt gewann die Spielvereinigung Holzwickede am 27. Juni 1976 die Deutsche Amateurmeisterschaft. (Foto: Archiv)

Es war der 27. Juni 1976. In der zweiten Minute der Nachspielzeit im Finale der Deutschen Amateurmeisterschaft zwischen dem VfR Oli Bürstadt und der Spielvereinigung Holzwickede tritt Ingo Peter zum Freistoß an. Letzte Chance, das Spiel in der regulären Spielzeit zu entscheiden. Was folgt, ist eines der kuriosesten Treffer im deutschen Fußball in einem bedeutenden Finale. Peter schießt und irgendwie bekommt der eingewechselte etatmäßige Reservetorhüter Rolf Weltmann seinen Fuß in den scharf getretenen Ball. Der Bürstädter Keeper Neuwinger bekommt seine Beine und Arme einfach nicht koordiniert und verliert komplett den Überblick. Durch die Beine des bemitleidenswerten Torhüters trudelt das Leder zum 1:0-Siegtreffer für die Holzwickeder in die Maschen.

Großer Jubel bei den exakt 750 Zuschauern im Oldenburger Stadion „Donnerschweer“ bei Temperaturen von über 30 Grad und erheblich mehr Besuchern im nahegelegenen Freibad. Den Holzwickedern war es egal:  Es war der bislang größte Triumpf des Holzwickeder Fußballs ausgerechnet durch einen vom damaligen Trainer „Hoppy“ Kurrat eingewechselten Torhüters, denn das war damals das „Kerngeschäft“ Weltmanns. „Otto“ wie er bis heute genannt wird, ist noch heute regelmäßig zu den Heimspielen des heutigen Holzwickeder SC anzutreffen und auch insbesondere dienstags gern gesehener Gast im Vereinslokal „Ballhaus“ im Montanhydraulik-Stadion.

HSC plant Treffen der „Alt-Stars“ mit Oberliga-Mannschaft

Seitdem wurde dieser Sieg in vielen Jahren gefeiert. Eine Ehrung durch den Deutschen Fußball-Bund bei einem Länderspiel in Köln im Jahre 2013, vielen Spielen sowie vielen Einladungen zu Meisterschaftsspielen des ehemaligen HSV und heutigen HSC mit Essen oder Frühstück – diese Tradition will der HSC nun zum 45-jährigen wieder aufleben lassen. Wie HSC-Vorsitzender Udo Speer erklärte, werde der Feiertag auch am 45. Jahrestag standesgemäß begangen. Der Vorstand des HSC möchte gerne die „76er“ am Freitag, 23. Juli, zu einem gemütlichen Treffen mit der aktuellen Oberliga-Truppe einladen. „Es gibt da bestimmt von allen Seiten viel zu erzählen, zu fragen und auch zu diskutieren, ja sogar zu lernen“, so Speer. Ein Termin wird in Kürze bekanntgegeben werden. Den „historischen“ 27. Juni konnte man nicht wählen, da es zu diesem Zeitpunkt nach wie vor Corona-Restriktionen gab und auch viele im Urlaub waren und zudem die Spielzeit 21/22 noch gar nicht begonnen hatte.

Viele Erinnerungen werden an 1976 geweckt

2013 wurde die Spielvereinigung Holzwickede vom Deutschen Fußball-Bund bei einem Länderspiel in Köln für den Erfolg noch einmal geehrt. Rechts Vorsitzender Rolf Unnerstall. Das damalige Plakat des Spiels hält der heutige HSC-Platzwart Josef „Jockel“ Hawlitzky. (Foto: Archiv)
2013 wurde die Spielvereinigung Holzwickede vom Deutschen Fußball-Bund bei einem Länderspiel in Köln für den Erfolg noch einmal geehrt. Rechts Vorsitzender Rolf Unnerstall. Das damalige Plakat des Spiels hält der heutige HSC-Platzwart Josef „Jockel“ Hawlitzky. (Foto: Archiv)

Im Mittelpunkt der harmonischen Veranstaltung stehen natürlich die Erinnerungen an die Zeit vor viereinhalb Jahrzehnten. In einem dramatischen Kampf um die Meisterschaft der Verbandsliga 2 mit Rot-Weiß Lüdenscheid und lange Zeit auch dem Lüner SV schienen die vom Ex-Borussen Dieter („Hoppi“) Kurrat als Spielertrainer angeführten Holzwickeder schon aus dem Rennen zu sein, als sie beim VfB Altena mit 0 : 1 unterlagen. Wegen eines Regelverstoßes des Schiedsrichters setzte die Spruchkammer diese Partie jedoch neu an, und nach dem 0:0 im Wiederholungsspiel setzten sich die Holzwickeder im letzten Meisterschaftsspiel mit 3 : 2 in Lüdenscheid durch und erzwangen dadurch ein Entscheidungsspiel um den Titel. Vor schätzungsweise 15.000 Zuschauern im Hagener Ischelandstadion lag der HSV zur Pause fast hoffnungslos mit 0 : 2 hinten, aber zwei Tore von Klaus Lorenz sowie ein Treffer von Franz-Josef Serges ließen die Kurrat-Schützlinge abermals 3 : 2 triumphieren und den Titel gewinnen.

Weil der Verein vor allem aus finanziellen Gründen auf die mögliche Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 2. Liga verzichtete, war bei den folgenden Spielen um die Westfalenmeisterschaft gegen den Meister der Verbandsliga 1, den SC Herford, zwar etwas „die Luft raus“, so dass die Partien mit 1:3 und 1:2 verloren wurden, aber als Westfalen-Vize nahm der HSV an der Deutschen Amateurmeisterschaft teil. Und das dann mit dem bekannten Erfolg.

In der ersten Vorrundenbegegnung bei den „Störchen“ von Holstein Kiel wurde nach Toren von Dieter Kurrat und Heinz Wulf mit 2:0 gewonnen, das Rückspiel am Hertinger Tor in Unna, wohin der HSV in Ermangelung eines eigenen Rasenplatzes (das damalige Emscherstadion war ein Aschenplatz) ausweichen musste, endete 2:2 (Tore: Franz-Josef Serges und Klaus Waldschmidt). Nächster Gegner war der TuS Neuendorf. Der schien im Hinspiel in Unna durch das 0:0 die besseren Karten zu besitzen, doch bei der Hitzeschlacht in Koblenz schoss Jupp Serges seine Elf in der Verlängerung mit dem 1:0 in die Endrunde vom 25. bis 27. Juni 1976 in Delmenhorst und Oldenburg.

Subtropische Temperaturen in der Endrunde

Apropos Hitze. Auch bei der Endrunde herrschten subtropische Temperaturen. In der ersten Halbfinalbegegnung in Delmenhorst gegen den VfB Oldenburg machte der an diesem Tage überragende Rainer Backs die Führung der VfB’ler wett und brachte den HSV in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen. Hier verschoss der normalerweise vom Punkt aus sichere jüngere Kurrat-Bruder Hans-Jürgen („Liene“) zwar den ersten Elfer, aber da Keeper Helmut Scholz gleich zwei Oldenburger Elfmeter parierte und Herbert Bell, Gerd Kuhlhüser und Ingo Peter für den HSV trafen, war das Finale gegen Titelverteidiger VfR Oli Bürstadt erreicht.

Beim Endspiel in Oldenburg stand die Partie lange Zeit auf das Messers Schneide, und alle richteten sich schon auf eine angesichts der Hitze kräftezehrende Verlängerung ein, da war ausgerechnet der als „Notnagel“ im Sturm eingewechselte eigentliche Reservetorwart Rolf („Otto“) Weltmann zur Stelle, als Bürstadts Schlussmann Neuwinger in der Schlussminute einen Freistoß von Ingo Peter nicht festhalten konnte – 1:0. Schiedsrichter Picker (Hamburg) pfiff die Partie gar nicht mehr an, und Spielführer Dieter Eiler nahm unter dem Jubel der mitgereisten Fans die Carl-Riegel-Trophäe für den Deutschen Amateurmeister 1976 in Empfang.

Das waren die 76er-Helden

Und das war die Meistermannschaft von 1976: Helmut Scholz, Herbert Bell, Dieter Eiler, Hans-Joachim Woköck, Rainer Backs, Ingo Peter, Dieter Kurrat, Heinz Wulf, Klaus Waldschmidt (Rolf Weltmann), Gerd Kuhlhüser, Hans-Jürgen Kurrat. Wegen einer im Halbfinale erlittenen Verletzung fehlte Franz-Josef Serges, nicht eingesetzt wurde Jochen Laske.

HSC, HSV

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