Zwei Welten begegnen sich: Spitzenkandidaten stellen sich Schülern vor

Die beiden Bürfgermeisterkanidaten,  Ulrike Drossel (l.) und Michael Klimziak (r.) sytellten sich am Freitag Schülern des 10. und 11. Jahrganges des CSG vor. (Foto: Peter Gräber)

Die bei­den Bür­fger­meis­terkanidat­en, Ulrike Drossel (l.) und Michael Klimzi­ak (r.) stell­ten sich am Fre­itag Schülern des 10. und 11. Jahrganges des CSG vor. (Foto: Peter Gräber)

Nein, ein richtiger Auf­takt zur „heißen Phase“ des Wahlkampfes für die Bürg­er­meis­ter­wahl im Herb­st ist es nicht gewe­sen und auch keine richtige Podi­ums­diskus­sion: Ulrike Drossel (Bürg­erblock) und Michael Klimzi­ak (SPD), die bei­den Spitzenkan­di­dat­en, waren am Fre­itag (29. Mai) im Schüler­café des Clara-Schu­mann-Gym­na­si­ums zu Gast, um mit Jugendlichen der 10. und 11. Jahrgangsstufe des Clara-Schu­mann-Gym­na­si­ums zu disku­tieren.

Doch eine richtige Diskus­sion wollte nicht in Gang kom­men. Das lag zum einen daran, dass bei­de Kan­di­dat­en sich und ihre poli­tis­chen Schw­er­punk­te rou­tiniert, aber eben auch sehr lang vorstell­ten. Zum anderen stell­ten die Jugendlichen erstaunlich wenig Fra­gen, was möglicher­weise ein­er unzure­ichen­den Vor­bere­itung geschuldet sein mag. Denn dass die Jugendlichen ein­fach alles gut fan­den, was die bei­den Spitzenkan­di­dat­en ihnen so vorstell­ten, ist kaum anzunehmen.

Dass deutete sich schon bei den weni­gen Fra­gen an, die die Schüler dann doch an die bei­den Poli­tik­er hat­ten. So hak­te eine kur­dis­che Schü­lerin zum Stich­wort Flüchtlingsar­beit und ehre­namtliche Hil­fe nach und kri­tisierte, dass bei der Gemeinde wohl doch noch Nach­holbe­darf beste­he. Sie habe unlängst für einen kur­dis­chen Vater aus den Über­gangswohn­heimen ihre Hil­fe als Über­set­zerin bei ein­er Antrag­stel­lung im Bürg­er­büro ange­boten. „Da hat man meine Hil­fe abgelehnt, weil ich erst 17 Jahre alt bin“, wun­derte sich die Schü­lerin. „Warum lehnt man ange­botene Hil­fe ab? Legt man keinen Wert darauf, dass Jugendliche helfen?“

Warum lehnt man meine ange­botene Hil­fe ab? Legt man keinen Wert darauf, dass Jugendliche helfen?“

Eine Schü­lerin des CSG

Zu dem konkreten Sachver­halt kon­nten bei­de Spitzenkan­di­dat­en natür­lich nichts sagen. Doch sie beeil­ten sich zu ver­sich­ern, dass man „für Hil­fe nie zu jung“ sein kann. Ger­ade bei der Flüchtlingsar­beit sei die Sprach­bar­riere ein großes Prob­lem. Deshalb seien Über­set­zer beson­ders gesucht.  Als Vor­sitzende des Jugen­dauss­chuss­es und ehre­namtlichen Helfer­kreis­es ver­sprach Ulrike Drossel der Schü­lerin: “Kom­men Sie anschließend mal zu mir, dann stelle ich einen Kon­takt zum ehre­namtlichen Helfer­kreis her. Dort freut man sich ganz bes­timmt über ihr Ange­bot zu helfen.”

Drei The­men bran­nten ihren Mitschülern bei der Vor­bere­itung der Ver­anstal­tung beson­ders unter den Nägeln, erk­lärten die bei­den Schüler-Mod­er­a­toren, Michael Wohlfahrt und Moritz Siebers: „Es gebe nichts für Jugendliche in der Gemeinde, die Brücke im Bauge­bi­et Car­o­line und die schlecht­en Busverbindun­gen.“ Weil Michael Klimzi­ak das vielfältige Freizeit- und Sportange­bot in Holzwickede so gelobt hat­te, sollte er dazu etwas sagen.

Freizeitangebot, Brücke und Busverbindungen

Dass es keine Ange­bote für Jugendliche gebe, stimme ein­fach nicht, antwortete Klimzi­ak und zeigte sich neugierig. „Was fehlt Euch denn hier?“ Zum Beleg ver­wies er auf die ger­ade erst durchge­führte Umfrage des Ort­sju­gen­dringes unter Jugendliche zu diesem The­ma. Rund 90 Prozent der befragten Jugendlichen seien danach im Großen und Ganzen mit den Freizei­tange­boten in der Gemeinde zufrieden. Man könne immer etwas verbessern, müsse aber auch ehrlich sein. „Dass ein Kino gewün­scht wird, ver­ste­he ich ja.“ Doch die bei­den Kinos, die es in Holzwickede mal gab, seien nicht wet­tbe­werb­s­fähig gewe­sen. „Und mal ehrlich: Ein Kino, das nicht die neuesten Filme zeigt, will ja auch kein­er.”

Beim The­ma Brücke erin­nerte Michael Klimzi­ak daran, dass alle Parteien im Rat, auch der Bürg­erblock von Ulrike Drossel, für den Bau ges­timmt haben.  „Dass die Brücke dann aber so teuer gewor­den ist und die Kosten sich vervielfacht haben, ist natür­lich ein No-Go.“  Er räumte ein: „Bei den Kosten ist die Brücke ein schlecht­es Beispiel, was den Nutzen ange­ht, aber ein gutes.“

Wenn ich mit­tags nach Schulschluss den Bus ver­passe, muss ich eine Dreivier­tel­stunde auf den näch­sten Bus warten“

Ein Schüler des CSG , der in Sölde wohnt

Ein echt­es Prob­lem für viele Jugendliche sind die schlecht­en Busverbindun­gen. Vor allem abends und an den Woch­enen­den fahre kein Bus.  „Wenn ich mit­tags nach Schulschluss den Bus ver­passe, muss ich eine Dreivier­tel­stunde auf den näch­sten Bus warten“, nan­nte ein  Schüler aus Sölde ein Beispiel. Natür­lich könne er dann zum Bahn­hof laufen, um mit dem Zug zu fahren. „Aber das ist ziem­lich weit und geht auch nur, weil ich ganz gut zu Fuß bin.“ Für ältere Men­schen sei so etwas eher nicht zumut­bar. Eine grund­sät­zliche Verbesserung kon­nte kein­er der bei­den Kan­di­dat­en ver­sprechen. „Eine Har­mon­isierung von Schule und Busverkehr wäre schon etwas bess­er“, gab Michael Klimzi­ak zu. „Da müsste man mal prüfen,  was da zu opti­mieren ist.“

Nur “alte Menschen” in der Politik

Die vielle­icht wichtig­ste Frage für alle Poli­tik­er wurde ganz am Ende der Ver­anstal­tung von den Schülern gestellt: Es gebe doch „nur alte Men­schen in der Poli­tik“. Was die Spitzenkan­di­dat­en als Bürg­er­meis­ter für junge Men­schen tun wür­den, um diese für die Poli­tik zu begeis­tern?

Aber wir dür­fen nicht müde wer­den uns zu bemühen, junge Men­schen für die Poli­tik zu begeis­tern“

Michael Klimzi­ak (SPD), Spitzenkan­di­dat.

Wir müssen junge Men­schen ernst nehmen“, antwortet Michael Klimzi­ak. Bei sein­er Arbeit mit Jugendlichen habe er es stets als sehr hil­fre­ich emp­fun­den, am Wis­sen der jun­gen Men­schen teil­haben zu kön­nen. „Aber es stimmt ja lei­der, dass alle Parteien über­al­tert sind“, räumte Klimzi­ak ein. Es gebe viele Gründe, beru­flich­er wie per­sön­lich­er Art, warum junge Men­schen, sich nicht dauer­haft poli­tisch engagieren. „Aber wir dür­fen nicht müde wer­den uns zu bemühen, junge Men­schen für die Poli­tik zu begeis­tern“, appel­lierte Klimzi­ak.

Es ist wirk­lich ganz schwierig,  junge Men­schen in die Poli­tik zu poli­tis­ches Engage­ment zu begeis­tern”

Ulrike Drossel (Bürg­erblock), Spitzenkanidatin.

Auch Ulrike Drossel räumte ein: “Es ist wirk­lich ganz schwierig,  junge Men­schen in die Poli­tik für poli­tis­ches Engage­ment zu begeis­tern” – und nan­nte zwei konkrete Beispiele aus eigen­er Erfahrung: Nach der Podi­ums­diskus­sion im CSG bei der bish­er let­zten Wahl habe sie selb­st  poli­tis­che Paten­schaften zwis­chen Jugendlichen und Poli­tik­ern angeregt und auch Kon­takt mit der Schulleitung aufgenom­men. „Es wur­den Adressen aus­ge­tauscht. Doch dabei ist es dann lei­der geblieben.“  Und auch ihr Ver­such als Vor­sitzende des Jugen­dauss­chuss­es, junge Men­schen zum Besuch der Auss­chuss­sitzun­gen im Rathaus zu motivieren, habe nicht funk­tion­iert und nur zu einem Aushang am Schwarzen Brett geführt.

Bleibt zu hof­fen, dass der Auftritt der bei­den Spitzenkan­di­dat­en gestern die Jugendlichen zumin­d­est motiviert hat, ihre Stimme bei der Bürg­er­meis­ter­wahl am 13. Sep­tem­ber abzugeben.

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visage

Dipl.-Journalist

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