Bericht zur Zukunft der Bücherei im Fachausschuss

Die Gemeindebücherei und ihre Neuausrichtung waren wieder einmal Thema im Fachausschuss diese Woche.  (Foto: Rosel Eckstein/pixelio.de)

Im Ausschuss für Schule, Sport, Kultur und Soziales berichtete Kristina Truß am Mittwochabend (11.1.) über die Maßnahmen und Ziele zur Weiterentwicklung der Gemeindebibliothek.

Als Hauptzielgruppe der Bibliothek bezeichnete die Büchereileiterin dabei die Familien – vom Kleinkind bis zu den Senioren. Der Bestand und die Angebote sollen daran ausgerichtet werden. Das bedeutet: überwiegend Angebote für die Freizeitgestaltung und Lektüre in Buch- und anderen Medienformen. Anspruchsvolle Literatur und Wissenslektüre wird ausgedünnt. Sach- und Fachbücher soll es kaum noch geben, eventuell einen Bestand an schülerrelevanter Sachliteratur.

Ziel ist es, so Truß, den Nutzern der Bibliothek „attraktive, aktuelle Medien“ zu bieten, die „ansprechend und übersichtlich präsentiert werden“. Die Bibliothek soll ein Treffpunkt für die Gemeinde mit Möglichkeiten zum Gespräch und zur Begegnung werden, in dem man sich gerne auch länger aufhält.

Dau soll es auch zeitgemäße Angebote wie Onleihe (Ausleihmöglichkeit über das Internet) und freies WLAN geben.

Die Bücherei soll auch Kooperationsverträge mit allen Holzwickeder Schulen und Kindertagesstätten mit dem Ziel schließen, dass alle Kinder in Holzwickede die Bibliothek kennen und sich in ihr zurechtfinden.

Schwerpunkt Angebote zur Freizeitgestaltung

Außerdem sollen in der Bücherei regelmäßig Veranstaltungen wie Lesungen, Kindertheater stattfinden. Dazu soll ein Veranstaltungskonzept entwickelt werden, das auf die Zielgruppe Familien zugeschnitten ist.

Schließlich soll Fachpersonal in der Gemeindebücherei beschäftigt werden, das Lesern kompetent in allen Fragen rund um Medien in allen Formen und deren Nutzung zur Seite stehen und bei der Suche nach Informationen helfen kann.

Konkret umgesetzt ist allerdings noch nichts von alledem, wie die Verwaltung einräumen musste.

Bücherei-Leiterin Kristina Truß (stehend) in der Sitzung des Fachausschusses im Mai vorigen Jahres: Der Ausschuss lehnte die Zusammenarbeit mit dem zib ab. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Nach fast einem Jahr erschien das der SPD-Fraktion nach fast einem Jahr Vorlauf „inhaltlich etwas etwas dürftig“, wie ihr Sprecher Björn Ambrosius kritisierte. „Wir hätten uns inhaltlich etwas mehr erwartet.“

Für die Verwaltung bestätigte Matthias Aufermann, dass der Antrag auf Aufnahme in den Onleihe-Verbund (OPAC) gestellt, aber noch nicht abschließend darüber entschieden ist. „Ohne Onleihe geht allerdings gar nichts.“ Der Bücherei fehlt allerdings immer noch eine Arbeitskraft. Die offene Stelle ist noch immer nicht besetzt, soll aber nächste Woche ausgeschrieben werden.

Für den Bürgerblock brachte Michael Laux noch einmal den Gedanken eines Bürgervereins als Träger der Bücherei ein. Das Problem: Offenbar hält sich das Interesse der Bürger, sich für die Bibliothek zu engagieren in Grenzen.

Der Kommentar

Alles, was in dem Maßnahmen- und Zielkatalog beschrieben ist, den die Büchereileiterin in der Fachausschuss-Sitzung gestern vortrug, hätte die Gemeinde längst haben können – und noch viel mehr.

Wenn, ja wenn man sich im vergangenen Jahr dazu hätte durchringen können, mit der Stadt Unna und dem zib eine Kooperation einzugehen. Die Weichen waren gestellt, die Fraktionen hätten nur noch Ja sagen müssen.

Stattdessen entschied sich eine knappe Mehrheit von Bürgerblock, FDP und Grünen dafür, mit den unzulänglichen eigenen personellen und finanziellen Mitteln weiter zu wursteln bisher.

Lieber die Bücherei auf dem Altar der Unabhängigkeit opfern, als eine Zusammenarbeit mit anderen, die längst bewiesen haben, dass sie es besser können.  

Möglich war das nur, weil die CDU als einzige Partei die Bücherei ganz schließen will und sich deshalb einer konstruktiven Lösung verweigerte. Was dabei herauskommen wird, ist von Anfang an absehbar gewesen:  Die Gemeindebücherei wird zwar selbstständig, aber auf Dauer ein Problemfall bleiben, wenn sie nicht über kurz oder lang sogar ganz geschlossen werden muss.

Tragischerweise werden das dann ausgerechnet jene zu verantworten haben, die am lautesten geschrieen haben, dass sie die Bücherei retten wollten. (Peter Gräber)

Print Friendly, PDF & Email
visage

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.