Kanalbaustelle Stehfenstraße entpuppt sich als finanzielles schwarzes Loch

Die Stehfenstraße wird ab November voll gesperrt. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Satte Kosten­stei­ge­rung von rd. 270 000 Euro auf schließ­lich über 750 000 Euro: die Kanal­bau­stelle Steh­fen­straße im Herbst vorigen Jahres. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Hat die Gemein­de­ver­wal­tung einige hun­dert­tau­send Euro bei der Kanal­sa­nie­rung in der Steh­fen­straße ver­schwendet? Der Ver­dacht steht im Raum und konnte auch im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss am Diens­tag­abend nicht aus­ge­räumt werden.

Wir erin­nern uns: Die Kanal­bau­stelle an der Steh­fen­straße nervte nicht nur Holzwickedes Auto­fahrer viele Woche lang, son­dern kostete die Bürger auch eine Stange Geld mehr als erwartet. Rd. 270 000 Euro sollte die Kanal­sa­nie­rung anfangs kosten. Am Ende waren es über 750 000 Euro. Wesent­li­cher Kosten­treiber: Trotz eines genauen Kanal­ka­ta­sters und meh­rerer Befah­rungen mit einer Video­ka­mera durch eine Fach­firma lag der schad­hafte Kanal in acht Meter Tiefe nicht dort, wo ihn die Ver­ant­wort­li­chen ver­mu­teten. Folge: Die Bau­stelle musste ver­legt werden. Allein eine Vier­tel­mil­lion Euro Mehr­ko­sten sind durch diese Panne ent­standen.

Nach Abschluss der Bau­maß­nahme the­ma­ti­sierten die Holzwickeder Grünen die hor­rende End­ab­rech­nung, die offen­sicht­lich aus einer Reihe von Fehl­ein­schät­zungen und Pannen resul­tierte. Über ihren sach­kun­digen Bürger Rolf Reh­ling, ein renom­mierter Tief­bau­fach­mann und Diplom-Inge­nieur, legten sie der Ver­wal­tung einen Katalog mit über 20 Fragen vor, die die Aspekte Zustän­dig­keiten, Pla­nung und Kosten betreffen.

Verwaltung tut sich schwer mit Antworten

So wollten die Grünen nicht nur wissen, ob bestimmte kosten­gün­sti­gere tech­ni­sche Ver­fahren geprüft worden seien. Auch fragten sie nach, ob der Kanal über­haupt der Gemeinde und nicht viel­mehr der Bahn gehöre, da er auf ehe­ma­ligen Bahn­ge­lände liegt. Schließ­lich wollten sie auch wissen, ob die Ver­wal­tung mög­liche Regress­an­sprüche oder Kosten­be­tei­li­gungen geprüft habe.

Mit der Beant­wor­tung der Fragen tut sich die Ver­wal­tung aller­dings sehr schwer. Nachdem bereits im vorigen Fach­aus­schuss keine befrie­digen Ant­worten zu erhalten waren, sah es in der Sit­zung diese Woche nicht anders aus. Der Leiter der Tech­ni­schen Dienste, Uwe Nett­len­busch, räumte ein, dass die Beant­wor­tung des Fra­gen­ka­ta­logs „nicht ganz ein­fach“ sei, auch weil „der sei­ner­zeit zustän­dige Mit­ar­beiter nicht mehr da“ ist.

Unser Kanal­ka­ta­ster hat den Kanal dort aus­ge­wiesen, wo er ursprüng­lich sein sollte, aber letzt­lich nicht lag“, so Nett­len­busch. Die Fehl­ein­schät­zung habe aber auch nicht durch die Befah­rung mit der Video­ka­mera ver­mieden werden können, so Nett­len­busch weiter. „Auch der Geo-Orter konnte keine ein­deu­tigen Ergeb­nisse zeigen, wie uns ein Gut­achter bestä­tigt hat.“ Letzt­lich sei dazu „eine Kamera mit einem sehr starken Sender nötig gewesen“, mit der ein Experte in einem dritten Anlauf end­lich die rich­tige Lage des Kanals orten konnte. „Es gab auch ein Kata­ster und ein Geo-Radar, aber letzt­lich führte diese Kamera zum Erfolg.“

Keiner verantwortlich für hohen Schaden

Hier ist so viel faul. Das stinkt zum Himmel.“

Dipl.-Ing. Rolf Reh­ling (Die Grünen)

Das über­zeugt mich in kein­ster Weise“, so Rolf Reh­ling in der Sit­zung am Diens­tag­abend. „Dass ein Mit­ar­beiter nicht mehr da ist, hat ja nichts mit dem Loch vor einem Jahr in der Erde zu tun. Hier ist so viel faul, das stinkt zum Himmel“, schimpfte Reh­ling, der keine seiner über 20 Fragen durch die Ver­wal­tung beant­wortet sieht.

Selbst banalste Fragen nach den Vor­der­sätzen sind falsch beant­wortet worden“, so der Tief­bau­fach­mann fru­striert. „Aber es macht wohl keinen Sinn, jetzt weiter auf einem alten Esel her­um­zu­reiten. Hier ist sehr viel Geld ver­schwendet worden. Doch um das zu beweisen, müsste man die Bau­stelle wieder öffnen.“

Auch der zweite aner­kannte Fach­mann im Aus­schuss, der Vor­sit­zende Wil­fried Brink­mann (Bür­ger­block), bedau­erte: „Hier hat jemand etwas falsch gemacht und es müsste doch her­aus­zu­finden sein, wer für diese Fehler zur Ver­ant­wor­tung zu ziehen ist.“ Doch genau das wird wohl nicht mehr pas­sieren. 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.