Emscherkunst: Manchmal muss sich große Kunst gegen kleine Kaninchen behaupten

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Gärtnerin Rita Breker-Krämer ist auch leidenschaftliche Imkerin und kümmert sich um die Bienen in Henrik Håkanssons Natur-Kunstwerk „The Insect Societies“. Die Vision für eine ökologische Zukunft im neuen Emschertal summt und brummt bereits: Tatsächlich sind auch schon wilde Arten im „Bienenhaus“ eingezogen, Hummeln sowieso. (Fotos: Simone Melenk)

Manchmal muss sich große Kunst auch gegen kleine Kaninchen behaupten. Immer wieder haben sie Henrik Håkanssons Wildblumen weggemümmelt. Der schwedische Künstler sah seine Idee von zwei großen Insektenhäusern am Emscherquellhof schon scheitern. „Aber jetzt wird’s was!“ Imkerin Rita Breker-Kremer ist begeistert von der bunten Wiese, die sie mitgemixt und -gesät hat.

Es funktioniert: Honigsammler, Hummeln und die ersehnten Wildbienen (!) stürzen sich auf Beinwell, Baldrian und Blutweiderich, fliegen auf Malve, Minze oder Margarite. Alles summt. Die Emscherkunst brummt.

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Modell des „Black Cirqle square“, den Massimo Bartolini in die Landschaft am Hochwasserrückhaltebecken Dortmund/Stadtgrenze Castrop „fallen“ ließ. (Foto: Emschergenossenschaft)

Es gibt aktuell mindestens drei zwingende Gründe, auf Tour zu gehen und den Natur- und Kunstraum entlang der Emscher zu erkunden: Erstens ist wieder Sommer und letzte Ferienwoche. Außerdem sind zig Tausende in 75 Tagen schon unterwegs gewesen oder in die Pedale getreten: Sie sollten also endlich mitreden!

Drittens gibt es noch ein neues Kunstwerk. Schwarzes Rund in weißem Rahmen: Für den italienischen Künstler Massimo Bartolini war Kasimir Malewitsch‘ schwarzer Kreis die Vorlage für sein „Black Cirqle square“, den Bartolini in die Landschaft am Hochwasserrückhaltebecken Dortmund/Stadtgrenze Castrop „fallen“ ließ.

Fahrspaß, Freiluftvergnügen und Kunstgenuss auf 50 Kilometern: von Holzwickede nach Herne oder umgekehrt, immer am Fluss entlang, der 100 Jahre lang Kloake war. Heute bietet der frühere Stinker Natur und Erholung, das Festival Emscherkunst das Abenteuer, seine Heimat neu zu erleben. Sie haben Ihre Lieblingsorte natürlich längst gefunden. Hier sind unsere…

Top Five

Das Venedig-Selfie

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Auch die Kulturtouristen Claudia und Thomas Arendt aus Herdecke können nicht anders: Ein Selfie aus Venedig, das in diesem Sommer auch in Dortmund liegt. (Foto: Simone Melenk)

…la dolce vita, Gina Lollobrigida und ein Gelato am Dortmunder Phoenix See. Am venezianischen Kiosk gibt es herrlich bunten Touristen-Tand, Gondel-Kitsch und Glitzerkappen. Stöbern Sie, gucken Sie aber genau hin: Denn im Sommerwind und Kartenständer drehen sich auch tolle Venedig-Fotos von Künstlern. Ausverkauft waren im „Chiosco“ übrigens schon mal die Hochwasserstiefel – original Gummi-Überzieher aus der Adria-geprüften Lagunenstadt, garantiert wasserdicht, 7 Euro.

Zur Emscherquelle

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Kunstscouts Melanie Richter (73) und Marcel Teuber (25): Die ehemalige Bürovorsteherin aus Bochum und der Dortmunder Student haben den Emscherquellhof erst in diesem Jahr, erst mit der Emscherkunst entdeckt: „Das ist wie Urlaub hier.“ Foto: Simone Melenk)

…und einen magischen Ort entdecken. Manchmal, so will es die Sage, taucht ihr schönes Gesicht über dem Teich auf. Die Emscherfee Emrizza verhindert dadurch eine Katastrophe. Abseits des Spuks ist der Emscherquellhof in Holzwickede ein stattliches, aufwendig restauriertes Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert mit großem Landschaftsgarten – mit Schilf-Labyrinthen, Obstwiesen, wilden Wiesen und jetzt auch kunstvollen Bienenhäusern. „Hier ist Urlaub“, sagt Kunstscout Melanie Richter (73).

Rauf aufs Rad

…Bike schlägt Benzinkutsche. Die 50 Flusskilometer sitzt der geübte Radler quasi auf einer Backe ab und erlebt die Emscher mit Haut und (wehenden) Haaren, endlich wieder ohne Nasenklammer. An allen Besucherzentren stehen auch Leihräder – mit und ohne Strom. Sich für die Tour Zeit lassen und zwei Tage in die Pedale treten, bedeutet deutlich mehr Genuss und mehr Gelegenheiten für Begegnungen und gute Gespräche. Dann aber unbedingt…

Im Kunstwerk übernachten

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Übernachten in Zelten des chinesischen Künstlers Ai Weiwei – unter Walnüssen, Äpfeln, Pflaumen und Birnen: Kunstscout Marcel Teuber ist gerne auch Campingplatz-Chef. (Foto: Simone Melenk)

Am großen Wasserkreuz von Emscher und Rhein-Herne-Kanal heißt es „Warten auf den Fluss“. Die Holzskulptur der niederländischen Künstlergruppe Observatorium ist schwer angesagt. Nur noch wenige Tage sind Zimmer frei. In den Zelten des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, aufgeschlagen am Quellhof, ist dagegen noch reichlich Platz. Hier rollen Camper auf einer Obstwiese im Kunst-Iglu ihren Schlafsack aus, zelten unter Walnussbäumen, Äpfeln oder Pflaumen. Gratis auch die Sternschnuppen.

Das Flusstal-Panorama

Standort des Betriebsgebäudes HRB Mengede: 44581 Castorp-Rauxel, Anschluss an Damaschkestraße auf Höhe Nr. 68a, Koordinaten: 51.583952 / 7.354027; Blick auf das Hochwasserrückhaltebecken Richtung Süden; Kraftwerk Gustav Knepper im Hintergrund

Blick auf  das Hochwasserrückhaltebecken Richtung Süden und Kraftwerk Knepper. (Foto: Emschergenossenschaft)

Ein Stopp am Areal Hochwasserrückhaltebecken in Mengede/Stadtgrenze Castrop-Rauxel ist ein Muss. Viel Kunst, aber allein für den Panoramablick in einen neuen Naturraum lohnt der Weg. Vom Turm des Betriebsgebäudes aus blickt man in ein riesiges Biotop, in dem jetzt schon viele Vogelarten rasten und brüten. Bonbon für Architekturtouristen: Das technische Bauwerk erhielt 2015 den Westfälischen Preis für Baukultur (Büro B.A.S. Kopperschmidt + Moczala).

INFO:
Emscherkunst 2016: noch bis 18. September, dienstags  – sonntags 10 – 18 Uhr, Eintritt frei.
Vier Besucherzentren: 1. Emscherquellhof (Quellenstraße 2, Holzwickede), 2. Dortmunder U (Leonie-Reygers-Terrasse, Dortmund) 3. Kokerei Hansa (Emscherallee 11, Dortmund), 4. Museum Strom und Leben (Uferstraße 2–4, Recklinghausen)

Kunst- und Radkarte: Zur Emscherkunst ist eine Kunst- und Radkarte erschienen, als praktisches Spiralheft mit Einzelkarten und Navigation im Ausstellunsgparcours plus Informationen zu den Kunstwerken. Das Heft gibt es in den Besucherzentren und im Buchhandel (9 €).

Übernachtung reservieren: www.emscherkunst.de

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