Bundesverdienstkreuz für einen überzeugten und engagierten Europäer

Gruppenfoto nach der Ordensverleihung, v.l.: Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Susanne Schneider (FDP-MdL), Ute und Jochen Hake, Landrat Michael Makiolla. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Grup­pen­fo­to nach der Ordens­ver­lei­hung, v.l.: Bür­ger­mei­ste­rin Ulri­ke Dros­sel, Susan­ne Schnei­der (FDP-MdL), Ute und Jochen Hake, Land­rat Micha­el Makiol­la. (Foto: P. Grä­ber — Emscherblog.de)

Dass er ein über­zeug­ter und enga­gier­ter Euro­pä­er ist, hat Jochen Hake in der Ver­gan­gen­heit immer wie­der unter Beweis gestellt. Schon seit 1977 setzt sich der heu­te 60-Jäh­ri­ge Anwalt und Kom­mu­nal­po­li­ti­ker inten­siv für den Aus­tausch sei­ner Hei­mat­ge­mein­de mit der fran­zö­si­schen Part­ner­ge­mein­de Lou­viers ein. 1979 grün­det er den Freun­des­kreis Holzwicke­de-Lou­viers mit, des­sen lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der er aktu­ell ist. Heu­te wur­de der über­zeug­te Euro­pä­er Jochen Hake mit dem höch­sten Orden, den die Bun­des­re­pu­blik zu ver­ge­ben hat, aus­ge­zeich­net: dem Bun­des­ver­dienst­kreuz.

Als Land­rat nimmt Micha­el Makiol­la seit 2004 etwa sie­ben bis acht Ordens­ver­lei­hun­gen im Jahr stell­ver­tre­tend für die Bun­des­prä­si­den­ten vor – bei rund 400.000 Ein­woh­nern im Kreis Unna. Doch Micha­el Makiol­la konn­te sich nicht erin­nern, schon ein­mal eine so gut besuch­te Ordens­ver­lei­hung wie heu­te im kreis­ei­ge­nen Haus Opher­dicke erlebt zu haben. „Das zeigt mir, wie beson­ders die­ser Tag heu­te ist“, so Micha­el Makiol­la.

Unter den zahl­rei­chen Gästen im voll besetz­ten Spie­gel­saal befan­den sich neben der eige­nen Fami­lie auch der Gene­ral­kon­sul Frank­reichs, Vin­cent Mul­ler, aus Düs­sel­dorf, die bei­den Spit­zen der Ver­ei­nig­ten Deutsch-Fran­zö­si­schen Gesell­schaf­ten für Euro­pa, Dr. Mar­ga­re­te Meh­dorn und Gere­on Fritz, die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Comité de Jume­la­ge, Ninet­te Blan­lu­et, der Vor­sit­zen­de des Deutsch-Fran­zö­si­schen Aus­schus­ses im Rat der Gemein­den Euro­pas, Rein­hard Som­mer, die FDP-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Susan­ne Schnei­der, der lang­jäh­ri­ge frü­he­re FDP-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Jörg van Essen sowie Holzwicke­des Alt-Bür­ger­mei­ste­rin Mar­gret Mader.

Engagement für Völkerverständigung

Der entscheidende Moment: Landrat Michael Makiolla heftet Jochen Hake, flankiert von seiner Frau Ute (l.) und Bürgermeisterin Ulrike Drossel, die höchste deutsche Auszeichnung ans Revers -. das Bundesverdienstkreuz. (Foto: P. Gräber Emscherblog.de)

Der ent­schei­den­de Moment: Land­rat Micha­el Makiol­la hef­tet Jochen Hake, flan­kiert von sei­ner Frau Ute (l.) und Bür­ger­mei­ste­rin Ulri­ke Dros­sel, die höch­ste deut­sche Aus­zeich­nung ans Revers — das Bun­des­ver­dienst­kreuz. (Foto: P. Grä­ber Emscherblog.de)

Wir alle tun gut dar­an“, mahn­te der Land­rat in sei­ner Lau­da­ti­on, „uns heu­te wie­der inten­si­ver mit dem Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung aus­ein­an­der­zu­set­zen.“ Gera­de des­halb sei es so wich­tig, dass es enga­gier­te Men­schen wie Jochen Hake gebe, der sich ehren­amt­lich „durch sein jah­re­lan­ges Enga­ge­ment vor allem im kul­tu­rel­len Bereich auf dem Gebiet der Völ­ker­ver­stän­di­gung aus­zeich­nungs­wür­di­ge Ver­dien­ste erwor­ben“ habe.

Wir alle tun gut dar­an uns heu­te wie­der inten­si­ver mit dem Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung aus­ein­an­der­zu­set­zen.“

Micha­el Makioll­la, Land­rat

Wie enga­giert und erfolg­reich Jochen Hake dabei wirkt, zeigt sich auch, dass der von ihm mit wei­te­ren zwölf Gleich­ge­sinn­ten gegrün­de­te und heu­te geführ­te Freun­des­kreis aktu­ell 346 Mit­glie­der hat. „Das ist sehr beacht­lich“, staun­te Micha­el Makiol­la, weil es zwei Pro­zent der Holzwicke­der Bevöl­ke­rung ent­spricht. Viel wich­ti­ger, auch für den Geehr­ten selbst, ist jedoch, dass die­se ein­ge­tra­ge­nen Mit­glie­der die deutsch-fran­zö­si­sche Bewe­gung auch aktiv mit Leben erfül­len. Das geschieht etwa in Gesprächs­krei­sen, bei Film­aben­den, in Koch­grup­pen oder im Chor, wäh­rend zwei­ma­li­ger Fran­zö­si­scher Kul­tur­ta­ge, bei regel­mä­ßi­gen Kul­tur­rei­sen nach Frank­reich, Gour­met-Aben­den, im fran­zö­si­schen Sing­kreis, bei Boule-Wett­be­wer­ben, „Din­ner en blanc“ und vie­len Gele­gen­hei­ten mehr.

Der Holzwicke­der Part­ner­schafts­ver­ein genießt in deut­schen wie fran­zö­si­schen Fach­krei­sen hohes Anse­hen“, stellt der Land­rat fest „und darf sich mit dem Bei­na­men ‚Deutsch-Fran­zö­si­sche Gesell­schaft Holzwicke­de‘ schmücken.“

Über sein Enga­ge­ment für das Fran­co-Alle­mand hin­aus ist Jochen Hake seit 1977 Mit­glied der FDP, für die er von 1979 bis 19901 und erneut seit 2007 als Rats­mit­glied und Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der in der Gemein­de aktiv ist.

Bewegende Worte der Laudatoren

Nach Ordens­ver­lei­hung durch den Land­ra­tes mach­te dann Zurah Ros­han-Appel sehr per­sön­lich deut­lich, dass sich Jochen Hakes Enga­ge­ment für Völ­ker­ver­stän­di­gung, Frie­den und Freund­schaft längst nicht nur auf sei­ne fran­zö­si­schen Nach­barn beschränkt: Die Deutsch-Afgha­nin hat Jochen Hake als Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin am Holzwicke­der Gym­na­si­um im Herbst 2002 anläss­lich einer Schü­ler­fahrt nach Frank­reich ken­nen­ge­lernt. Sie dank­te Jochen Hake mit bewe­gen­den Wor­ten für sei­ne per­sön­li­che Freund­schaft, die sich seit­dem ent­wickelt hat. Nach­dem sie aus dem Kriegs­ge­biet ihrer Hei­mat nach Deutsch­land kam, sei­en er und auch sei­ne Frau Ute immer für sie da gewe­sen – in Zei­ten der Trau­er eben­so wie der Freu­de. „Du hast die­se Aus­zeich­nung auch für Dei­ne Mensch­lich­keit hoch­ver­dient.“

Ninet­te Blan­lu­et vom Comité Jume­la­ge, die aus Lou­viers zur Fei­er­stun­de nach Holzwicke­de gekom­men war, und Moni­ka Rom­beck, als Freun­din der erste Stun­de beim Freun­des­kreis, sowie Gere­on Fritz wür­dig­ten in ihren Reden die Ver­dien­ste des Ordens­trä­gers und erin­ner­ten an gemein­sa­me per­sön­li­che Erleb­nis­se.

Du hast die­se Aus­zeich­nung auch für Dei­ne Mensch­lich­keit hoch­ver­dient.“

Zurah Ros­han-Appel, in ihrer Lau­da­tio für Jochen Hake

Jochen Hake selbst dank­te vor allem sei­ner eige­nen Fami­lie, allen vor­an sei­ner Mut­ter Lisa, sei­ner Frau Ute und sei­nem Sohn Felix. Die Lie­be habe ihn schon 1978 mit sei­ner Frau Ute zusam­men­ge­bracht. „Es geschah in Lou­viers“, gestand Jochen Hake. „Die gemein­sa­me Lie­be zu Frank­reich und unse­re Zunei­gung zu unse­ren fran­zö­si­schen Freun­den konn­ten wir uns bis heu­te bewah­ren.“  Noch weit dar­über hin­aus gehe aber das enge Zusam­men­wir­ken für das Fran­co-Alle­mand. „Es ist für uns bei­de längst eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit gewor­den“. Man kön­ne das Bun­des­ver­dienst­kreuz ja nicht tei­len, erklär­te Jochen Hake mit Blick auf sei­ne Frau Ute: „Aber hin­ter jedem star­ken Mann steht auch eine star­ke Frau.“ Eine beson­de­re Freu­de und Ansporn sei ihm, so Jochen Hake wei­ter, dass auch ihr gemein­sa­mer Sohn Felix „eine noch noch stär­ke­re, jugend­lich gepräg­te Begei­ste­rung für Euro­pa“ hege.

Appell für demokratisches und geeintes Europa

Vor der Ordensverleihung trug sich der Generalkonsul der Republik Frankreich, Vincent Muller, ins Goldene Buch de Gemeinde ein (v.l., stehend): Beigeordneter Bernd Kasischke, Jochen Hake, Bürgermeisterin Ulrike Drossel und Kämmerer Rudi Grümme. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Vor der Ordens­ver­lei­hung trug sich der Gene­ral­kon­sul der Repu­blik Frank­reich, Vin­cent Mul­ler, ins Gol­de­ne Buch der Gemein­de ein (v.l., ste­hend): Bei­ge­ord­ne­ter Bernd Kasisch­ke, Jochen Hake, Bür­ger­mei­ste­rin Ulri­ke Dros­sel und Käm­me­rer Rudi Grüm­me. (Foto: P. Grä­ber — Emscherblog.de)

In sei­ner wei­te­ren Rede erin­ner­te Hake dar­an, wie er im zar­ten Alter von 15 Jah­ren gemein­sam mit zwei Schul­freun­den zum ersten Mal nach Paris rei­ste. „Damals, in der ersten Hälf­te der 70er Jah­re, waren dort durch­aus deut­sche Anti­pa­thi­en noch zu spü­ren.“ Doch Berüh­rungs­äng­ste hat­te er nicht und als 20-Jäh­ri­ger stol­per­te er im Som­mer ´77 auf einer Nor­man­die-Tour unver­mit­telt in das Büro des dama­li­gen Amts­vor­gän­gers von Clau­de Blan­lu­et. „Und dann nahm alles sei­nen Lauf.“

Beson­ders wich­tig sei ihm stets gewe­sen, fuhr Jochen Hake fort, „dass die deutsch-fran­zö­si­sche Bewe­gung von mög­lichst vie­len Bür­gern getra­gen wer­den muss und die fran­zö­si­sche Spra­che kei­ne Hemm­schwel­le sein soll­te.“

Gera­de in die­ser Zeit eines um sich grei­fen­den Ras­sis­mus und rech­ten Popu­lis­mus müs­sen wir zu unse­ren huma­ni­sti­schen Wer­ten ste­hen und die­se nach außen aktiv ver­tre­ten. Unse­re Demo­kra­tie dür­fen wir uns nicht unter­gra­ben las­sen.“

Jochen Hake

Brücken über Gren­zen zu bau­en, die­se zu über­win­den und mit Geduld und Aus­dau­er für Offen­heit und Ver­ständ­nis gegen­über den Ande­ren und dem Ande­ren zu wer­ben, war mir seit vier Jahr­zehn­ten ein ehr­li­ches Anlie­gen“, ver­si­chert Jochen Hake abschlie­ßend. Ver­bun­den mit einem Appell: „Gera­de in die­ser Zeit eines um sich grei­fen­den Ras­sis­mus und rech­ten Popu­lis­mus müs­sen wir zu unse­ren huma­ni­sti­schen Wer­ten ste­hen und die­se nach außen aktiv ver­tre­ten. Unse­re Demo­kra­tie dür­fen wir uns nicht unter­gra­ben las­sen.“

Der­zeit habe der fran­zö­si­sche Mini­ster­prä­si­dent Emma­nu­el Macron die Nase in Sachen Euro­pa vorn. „Lasst uns gemein­sam wei­ter für ein eini­ge­res Euro­pa ein­tre­ten. Das schul­den wir den Gene­ra­tio­nen vor und nach uns. Das schul­den wir Deutsch­land und Frank­reich.“

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visage

Dipl.-Journalist

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