Beihilfe zum Drogenhandel: Holzwickeder muss sechs Monate hinter Gitter

In der Holzwicke­der Dro­gen­sze­ne ist der 39-Jäh­ri­ge wohl nur eine Rand­fi­gur. Trotz­dem wur­de der geschie­de­ne Vater von zwei Kin­dern heu­te vor dem Amts­ge­richt Unna wegen Bei­hil­fe zu gewerbs­mä­ßi­gen Han­del mit uner­laub­ten Betäu­bungs­mit­teln und des Besit­zes von 1,3 Gramm Mari­hua­na für den Eigen­be­darf zu sechs Mona­ten Haft ohne Bewäh­rung ver­ur­teilt.

Dabei hat­te der Ange­klag­te noch Glück im Unglück: Sein Pech war,  dass er in der Zeit vom 9. bis 12. Febru­ar 2015 mit eini­gen alten Bekann­ten aus Holzwicke­de ver­kehr­te, die mit Mari­hua­na und Amphet­ami­nen deal­ten und des­halb auch schon in geson­der­ten Ver­fah­ren abge­ur­teilt wor­den sind.  Sein Glück, wenn man so will, war, dass zwei die­ser Bekann­ten ihn heu­te im Zeu­gen­stand ent­la­ste­ten:  Er habe mit ihren Dro­gen­ge­schäf­ten nichts zu tun gehabt.

Für den ange­klag­ten Holzwicke­der hät­te das Ver­fah­ren sonst noch schlim­mer enden kön­nen. Die Ankla­ge warf ihm vor, am 9. Febru­ar 2015 in der Woh­nung eines Freun­des, bei dem er nach der Tren­nung von sei­ner Frau vor­über­ge­hend wohn­te, ein Tele­fon­ge­spräch auf dem Han­dy eines wei­te­ren Bekann­ten ent­ge­gen­ge­nom­men zu haben.  Eigent­lich eine bana­le Situa­ti­on, wie sie heu­te vor Gericht geschil­dert wur­de: Der Bekann­te woll­te zur Toi­let­te, als des­sen Han­dy klin­gel­te. „Dar­auf­hin hat er mich gebe­ten, dass Gespräch für ihn anzu­neh­men“, berich­te­te der Ange­klag­te. Der Anru­fer habe ihn  dann gebe­ten, dem Han­dy­be­sit­zer aus­zu­rich­ten: „Sage ihm nur, ich will 15/15. Dann weiß er schon Bescheid.“ Bescheid wuss­te offen­bar auch der Ange­klag­te: „Gemeint waren 15 Gramm Mari­hua­na und 15 Gramm Amphet­ami­ne“, räum­te der 39-Jäh­ri­ge auf Nach­fra­ge von Rich­te­rin Sarah Mal­che­rek ein.

Nach Rückkehr aus Holland mit Amphetaminen erwischt

Tags dar­auf fuhr der Ange­klag­te dann mit besag­tem Bekann­ten und des­sen Freun­din in einem gelie­he­nen Lkw nach Alk­maar in den Nie­der­lan­den, um beim Umzug eines  wei­te­ren Bekann­ten nach Sach­sen-Anhalt zu hel­fen. Ein rei­ner Freund­schafts­dienst, den er aus Dank­bar­keit über­nom­men habe, weil nach der Tren­nung von sei­ner Frau für ein paar Tage bei sei­nem Kum­pel woh­nen durf­te, so der Ange­klag­te heu­te.  Außer­dem sei er der ein­zi­ge aus der Cli­que gewe­sen, der einen Lkw-Füh­rer­schein hat­te.

Vor der Abfahrt nach Hol­land for­der­te der Ange­klag­te sei­nen Kum­pel noch auf, eine 38,1 Gramm schwe­re Mari­hua­na-Plat­te in Holzwicke­de zurück­zu­las­sen, weil er mit den Dro­gen nicht die Gren­zen pas­sie­ren woll­te. Gesagt, getan. Das Mari­hua­na blieb im Zim­mer des Ange­klag­ten in der Woh­nung sei­nes Freun­des zurück.

Nach­dem der Umzug  erle­digt war, setz­te der Ange­klag­te sei­nen Kum­pel und des­sen Freun­din auf ihren eige­nen Wunsch kurz in Holzwicke­de ab, bevor er den gelie­he­nen Lkw nach Söl­de zurück­brach­te. Dort woll­ten sich alle Drei dann wie­der tref­fen.

Was der Ange­klag­te offen­bar nicht wuss­te: Sei­ne bei­den Umzugs­hel­fer wur­den, nach­dem er abge­setzt hat­te, von Dro­gen­fahn­dern in Holzwicke­de mit mit 260 Gramm Amphet­ami­nen erwischt. Die hat­ten sie aller­dings gera­de erst in Holzwicke­de gekauft und nicht, wie die Ankla­ge zunächst ver­mu­te­te, frisch aus Hol­land mit­ge­bracht. Das jeden­falls sag­ten der Ange­klag­te und auch sei­ne bei­den Umzugs­hel­fer heu­te als Zeu­gen aus.

Bei Wohnungsdurchsuchung weitere Drogen gefunden

Bei der anschlie­ßen­den Woh­nungs­durch­su­chung ent­deck­ten die Dro­gen­fahn­der dann prompt auch noch die zurück­ge­las­se­ne 38,1 Gramm schwe­re Plat­te Mari­hua­na sowie 1,3 Gramm Mari­hua­na für den Eigen­be­darf im Zim­mer des Ange­klag­ten.

Da dem Ange­klag­ten nicht nach­ge­wie­sen wer­den konn­te, dass er die Dro­gen aus Hol­land ein­ge­führt oder gewerbs­mä­ßig mit Dro­gen gehan­delt hat, wur­de der 39-Jäh­ri­ge in die­sem Punkt frei­ge­spro­chen und nur noch wegen Bei­hil­fe zum gewerbs­mä­ßi­gen Dro­gen­han­del ver­ur­teilt. Die Staats­an­wäl­tin for­der­te eine Gesamt­stra­fe von sechs Mona­ten ohne Bewäh­rung. Der Ver­tei­di­ger räum­te die Bei­hil­fe sei­nes Man­dan­ten ein, plä­dier­te aber für eine Bewäh­rungs­stra­fe.

Rich­te­rin Sarah Mal­che­rek sah es als erwie­sen an, dass der Ange­klag­te über die Dro­gen­ge­schäf­te sei­ner Bekann­ten Bescheid gewusst hat: Er wuss­te genau, was mit dem Code 15/15 gemeint war und wuss­te auch von der Plat­te Mari­hua­na, die weit mehr als für den Eigen­be­darf war. Eine Bewäh­rungs­stra­fe kam für die Rich­te­rin nicht mehr in Betracht. Sie schick­te den 39-Jäh­ri­gen ein hal­bes Jahr hin­ter Git­ter. Der Ange­klag­te sei zwar gestän­dig und nicht ein­schlä­gig vor­be­straft,  begrün­de­te sie das. Gegen den Holzwicke­der spre­che jedoch sei­ne schlech­te sozia­le Pro­gno­se:  Zwei Vor­stra­fen gebe es sehr wohl. Der 39-Jäh­ri­ge habe zur Tat­zeit sogar noch unter lau­fen­der Bewäh­rung gestan­den, deren Auf­la­gen er zudem nicht erfüllt hat­te. Schließ­lich sei er auch noch Unter­halts­zah­lun­gen nach wie vor schul­dig geblie­ben.

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visage

Dipl.-Journalist

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