Ziel schon erreicht: Jugendarbeitslosigkeit in Holzwickede halbiert

Die Absichtserklärung wurde von Landrat Michael Makiolla, Harald Küst von der Arbeitsagentur Hamm und Vertretern von Institutionen und Kommunen unterschrieben. (Foto: C. Rauert – Kreis Unna)
Landrat Michael Makiolla (vorne li.), Harald Küst (hinten Mitte, Arbeitsagentur Hamm), Uwe Ringelsiep (hinten li., Jobcenter Kreis Unna) und kommunale Vertreter im Mai 2015 bei der Unterzeichnung der Vereinbarung, die Jugendarbeitslosigkeit im Kreis Unna bis 2020 halbieren zu wollen. (Foto: C. Rauert – Kreis Unna)

Mit einer guten Nachricht überraschte Uwe Ringelsiep, der Geschäftsführer des Jobcenters Unna, die Mitglieder des Ausschusses für Jugend, Familie Senioren und Gleichstellung in ihrer Sitzung gestern (14.11.) im Rathaus: Das vor zwei Jahren selbstgesteckte Ziel, die Jugendarbeitslosigkeit im Kreis Unna bis zum Jahr 2020 zu halbieren, ist in der Emschergemeinde bereits jetzt erreicht.  

Zu Beginn des Programms waren in Holzwickede 35 Jugendliche arbeitslos, aktuell sind es „nur“ noch 17 (Jahresdurchschnittswerte). Auch wenn die Zahlen in Holzwickede vergleichsweise klein sind – Holzwickede ist erst die zweite Kommune überhaupt, die es geschafft hat, die Jugendarbeitslosigkeit zu halbieren.

Allerdings warnte Uwe Ringelsiep auch: „Trotz dieses guten Ergebnisses dürfen wir uns nicht zurücklehnen. Viele Zuwanderer sind noch gar nicht im System angekommen bei uns.“ Etwa ein Drittel aller Zuwanderer seien unter 25 Jahren, so Ringelsiep weiter. „Darum, wird das Ergebnis, was wir jetzt erreicht haben, sicher nicht so günstig bleiben. Wir müssen unseren Einsatz noch einmal deutlich erhöhen.“

Trotz dieses guten Ergebnisses dürfen wir uns nicht zurücklehnen. Viele Zuwanderer sind noch gar nicht im System angekommen bei uns.“

Uwe Ringelsiep, Geschäftsführer des Jobcenters Unna

2017 soll noch eine weitere Integrationsoffensive gestartet werden. „Doch wir können froh sein, wenn wir das gute Ergebnis halten können“, schätzt Uwe Ringelsiep. „Allerdings stehen wir nicht unter Zeitdruck. Unser Ziel bleibt es, die Jugendarbeitslosigkeit bis 2020 zu halbieren.“  Sein Appell: „Wir müssen alles tun, um dieses Ziel trotz der Zuwanderer zu erreichen.“

Das wichtigste Ziel bleibe, Jugendliche in eine Berufsausbildung zu bringen. Anders als vor Ort in Holzwickede gebe es da in der Region (mit Dortmund, Kreis Unna, Hamm) noch ein erhebliches Missverhältnis. Auf sechs Ausbildungsplätze kommen da zehn Jugendliche. „Im Jobcenter müssen wir uns auch um die Schulversager, also Jugendliche ohne Schulabschluss, kümmern“, erinnert Uwe Ringelsiep. „Etwa die Hälfte unserer Kunden hat keinen Schulabschluss.“

Durchschnittseinkommen in Holzwickede von 22.500 Euro

Anders als in manch anderen Kommunen macht es dem Geschäftsführer des Jobcenters und seinen Kollegen aber nach eigener Aussage „richtig Spaß, in Holzwickede zuständig zu sein“. Warum Holzwickede eine Insel der Glückseligkeit zu sein scheint ist – dafür gibt es natürlich Gründe. Der Chef des Jobcenters erläuterte das mit einigen interessanten Zahlen.

So hat Holzwickede aktuell wieder einen Sprung in der Einkommensstatistik des Landes auf Platz 39 (von 396 Kommunen) gemacht und liegt damit auch im Kreis Unna ganz weit vorne. Konkret verfügt jeder Holzwickeder über ein Durchschnittseinkommen von 25.500 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Die Nachbarstadt Dortmund liegt auf Rang 388 der Statistik. Jeder Dortmunder verfügt nur über einen Durchschnittsverdienst von 16.900 Euro. Landesweit liegt das Durchschnittseinkommen in NRW bei 21.200 Euro – und auch das wird von den Holzwickedern übertroffen.

Jobcenter zahlt durchschnittlich 930 Euro im Monat

In Holzwickede werden 1.255 Personen (Männer, Frauen, Kinder) vom Jobcenter betreut, was ebenfalls ein vergleichsweise sehr günstiger Wert ist, wie Uwe Ringelsiep betont.  „Nicht alle dieser Personen, die wir betreuen, sind arbeitslos. Es sind sogar auch Selbstständige darunter, die nicht von ihren eigenen Einkünften leben können.“

Durchschnittlich 1.255 Euro zahlt das Jobcenter an diese betreuten Personen – insgesamt rund 570.000 Euro jeden Monat. Dabei wird jede Bedarfsgemeinschaft (alle Personen in einem Haushalt) durchschnittlich mit 930 Euro im Monat vom Jobcenter unterstützt (kommunale und Bundesmittel). Mit Blick auf die Kreisumlage, die von den Kommunen aufgebracht werden muss, ist auch diese Zahl interessant: 90 bis 91 Mio. Euro gibt das Jobcenter jedes Jahr allein für die Unterbringung (einschl. Heizung, Strom usw.) für die Bedarfsgemeinschaften aus, die im Kreis Unna unterstützt werden. Nächstes Jahr, kündigt Uwe Ringelsiep schon an, „wird es sicher noch teurer.“

AfJFSG


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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