Vorsatz für Unfallflucht auf A1 nicht haltbar: Freispruch

Wegen uner­laubten Ent­fer­nens vom Unfallort musste sich heute (6.1.) der 59-jäh­rige Jürgen H. ver­ant­worten, der am 5. März vorigen Jahres in einen Ver­kehrs­un­fall auf der Auto­bahn 1 in Höhe Holzwickede ver­wickelt war.

Gegen 9 Uhr mor­gens war der Ange­klagte mit seinem Pkw Volvo auf der A1 in Fahrt­rich­tung Bremen unter­wegs, als er in Höhe Holzwickede einen Lkw über­holte und dabei einen VW Golf über­sehen haben soll. Bei dem Aus­weich­ma­növer verlor der Golf-Fahrer die Kon­trolle über sein Fahr­zeug und prallte zunächst nach links gegen die Leit­planken, bevor sein Fahr­zeug schließ­lich zum Stehen bringen konnte. Der Volvo-Fahrer setzte seine Fahrt dagegen unbe­irrt fort, so die Anklage.

Nur Zeuge oder Unfallbeteiligter?

Gegen den Vor­wurf der Fah­rer­flucht wehrte sich der 59-Jäh­rige auf der Ankla­ge­bank. Er schil­derte den Vor­fall ganz anders: Er habe den Lkw auf der rechten Fahr­spur über­holen wollen und sei des­halb nach links in die mitt­lere Fahr­spur gewech­selt, nachdem er kein wei­teres Fahr­zeug bemerkt hatte. Plötz­lich sei der VW Golf von hinten auf der ganz linken Fahr­spur auf­ge­taucht. Zunächst habe der Golf ihn noch ganz normal über­holt. Nach etwa 50 Meter habe der Fahrer dann das Steuer ver­rissen und sei gegen die Leit­planken geschleu­dert. Er selbst habe noch aus­wei­chen können. Mit einigem Abstand habe er dann seinen Volvo auf dem Rand­streifen ange­halten und über­legt, was zu tun sei. Dar­aufhin sei er zur näch­sten Rast­stätte auf seinem Weg in Rich­tung Soest gefahren, habe dort ange­halten und die Polizei ange­rufen. Der Polizei gegen­über habe er sich als Zeuge des Unfalls gemeldet und seine Per­so­nal­daten hin­ter­lassen. Sich selbst will der Ange­klagte immer nur als Zeuge des Unfalls, nicht als direkt Betei­ligten gesehen haben.

Ein dritter Zeuge schil­derte den Unfall­her­gang etwas anders als die beiden Betei­ligten. Danach wollten der Volvo-Fahrer von der rechten und der Golf-Fahrer von der linken Fahr­spur gleich­zeitig in die mitt­lere Fahr­spur wech­seln. Durch das abrupte Aus­weich­ma­növer habe der Golf-Fahrer die Kon­trolle über seinen Pkw ver­loren.

Diese von dem Zeugen geschil­derte Situa­tion sei typisch und komme im Stra­ßen­ver­kehr leider häufig vor, zeigte sich Rich­terin Mal­cherek über­zeugt. Ein vor­sätz­li­ches Ent­fernen vom Unfallort des Ange­klagten konnte die Rich­terin dagegen nicht erkennen. Aus diesem Grund lau­tete ihr Urteil für den 59-Jäh­rigen: Frei­spruch.

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