Verurteilter Raser in Berufung erfolgreich: 27-Jähriger bekommt Führerschen zurück

Vor dem Amts­ge­richt Unna war der 27-Jäh­rige im August wegen Gefähr­dung des Stra­ßen­ver­kehr und fahr­läs­siger Kör­per­ver­let­zung zu einer Geld­strafe von 2.500 Euro und einem Jahr Füh­rer­schein­entzug ver­ur­teilt worden. Vor allem der Entzug der Fahr­erlaubnis schmerzte den 27-jäh­rigen Holzwickeder, wes­halb er in die Beru­fung ging. Vor der 45. Kammer des Land­ge­richts Dort­mund fand heute (18. Dezember) die Beru­fungs­ver­hand­lung statt.

Der Unfall, für den der 27-Jäh­rige nach Ansicht des Amts­ge­richts ver­ant­wort­lich ist, war fol­gen­schwer: Am 19. Juli 2019 war er mor­gens um 6.17 Uhr auf der Werler Straße in Unna am Steuer seines VW Sci­rocco mit deut­lich über­höhter Geschwin­dig­keit in den Pkw einer 54 Jahre alten Auto­fah­rerin gerast, die aus einer Sei­ten­straße in Höhe der Gast­stätte Onkel Albrecht (Land­haus Hellweg) auf die alte B1 ein­biegen wollte. Der Ange­klagte befand sich zwar auf einer vor­fahrt­be­rech­tigten Straße. Weil er aber deut­lich schneller als die erlaubten Tempo 70 gewesen sei, habe er sich grob ver­kehrs­widrig ver­halten. Die Geschä­digte habe ihn nicht recht­zeitig erkennen können, begrün­dete der Unnaer Richter sein Urteil.

Unfall in Höhe Onkel Albrecht

Zu dieser Erkenntnis gelangt war er gelangt, nachdem ein Zeuge aus­ge­sagt hatte, dass er kurz vor dem Unfall von dem 27-Jäh­rigen mit deut­lich über­höhter Geschwin­dig­keit über­holt worden sei. Der Zeuge will vor­schrifts­mä­ßige 70 km/​h gefahren sein, der über­ho­lende Ange­klagte aber „etwa 120 km/​h“, schätzte der Zeuge. Die bei dem Unfall erheb­lich ver­letzte Geschä­digte sagte aus, dass sie vor dem Ein­biegen auf die Werler Straße nach rechts und links gesehen habe, aber „nach rechts auf der sehr langen Geraden bis zum näch­sten Hügel nie­mand zu sehen“ gewesen sei. Urplötz­lich sei der Sci­rocco dann da gewesen.

Auf­grund dieser Zeu­gen­aus­sagen, aber auch des Scha­dens­bildes sah der Amts­richter den Tat­vor­wurf der Ver­kehrs­ge­fähr­dung und fahr­läs­sigen Kör­per­ver­let­zung als erwiesen an. Der Ange­klagte habe sich zwar auf einer vor­fahrt­be­rech­tigten Straße befunden, aber den­noch den Unfall ver­ur­sacht, weil er ent­gegen seinen Beteue­rungen viel zu schnell gefahren sei.

Die Kammer des Land­ge­richts sah das heute etwas anders: Es sei zumin­dest pro­ble­ma­tisch eine Min­dest­ge­schwin­dig­keit fest­zu­stellen, allein auf­grund von Zeu­gen­aus­sagen und ohne Gut­achten eines Sach­ver­stän­digen. Ob der 27-Jäh­rige für die Unfall­geg­nerin sichtbar gewesen ist oder nicht, sei aber letzt­lich nur zu klären, wenn man weiß, wie schnell er gefahren sei.

Einstellung gegen 1.500 Euro Geldstrafe

Ein Sach­ver­stän­diger könnte dies klären. Aller­dings nicht zeitnah, so dass dem 27-Jäh­rigen, dessen Haupt­ziel es ja ist, seine Fahr­erlaubnis mög­lichst schnell vor Ablauf der acht Monate zurück zu bekommen, nicht geholfen wäre. Da der Ange­klagte seine Fahr­erlaubnis schon seit vier Monaten ent­behrt und er zudem kei­nerlei Vor­strafen hat und auch als Ver­kehrs­sünder bisher nur einmal vor vier Jahren auf­ge­fallen war, stellte die Kammer das Ver­fahren gegen den 27-Jäh­rigen nach § 153a gegen ein.

Vor­aus­set­zung dafür ist, dass der Ange­klagte 1.500 Euro, zahlbar in sechs Raten, an „Die Brücke Dort­mund“ e.V. zahlt, einen Verein der Straf­fäl­li­gen­hilfe lei­stet.

Seinen Füh­rer­schein bekam der 27-Jäh­rige vom Richter noch im Gerichts­saal wieder aus­ge­hän­digt. 


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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