Verurteilte Betrügerin erringt Pyrrhussieg in Berufung

Im April vorigen Jahres war die 25-jäh­rige Holzwicke­derin vor dem Amts­ge­richt in Kamen wegen Betruges in Tat­ein­heit mit Urkun­den­fäl­schung in zwei Fällen zu einer Geld­strafe von 110 Tages­sätzen a‘ 18 Euro ver­ur­teilt worden. Gegen dieses Urteil legte die Holzwickeder Beru­fung ein.

Der eigent­liche Sach­ver­halt blieb heute vor dem Land­ge­richt in Dort­mund weit­ge­hend unstrittig: Ende 2012 hatte die Holzwicke­derin, die von Hartz IV lebt, bei der Spar­kasse Berg­kamen-Bönen zweimal Über­wei­sungs­auf­träge mit dem Namen ihres dama­ligen Freundes unter­schrieben, der in Haft saß. Die Über­wei­sungen von 450 Euro an einen Bekannten und wei­tere 200 Euro an eine Freundin, ließ die Holzwicke­derin sich anschlie­ßend von den beiden Emp­fän­gern aus­zahlen.

Falsche Unterschrift trotz Kontovollmacht

Dass sie die Unter­schriften des Freundes gefälscht und die 650 Euro anschlie­ßend ver­ju­belt hat, leug­nete die 25-Jäh­rige nicht. Aller­dings legte sie in der Beru­fungs­ver­hand­lung heute eine Kon­to­voll­macht ihres dama­ligen Freundes vor, mit der sie über sein Konto ver­fügen durfte, wäh­rend er hinter Gitter saß. Als sie die von ihrem Freund blanko unter­schrieben Über­wei­sungs­träger in der gemein­samen Woh­nung nicht an der von ihm ange­ge­benen Stelle finden konnte, habe sie neue Über­wei­sungs­auf­träge genommen und mit seinem Namen unter­schrieben. „Das war ein Fehler. Ich hätte die Über­wei­sungen ja auch mit meinem Namen unter­schreiben können“, meinte die Holzwicke­derin. „Da habe ich nicht genug nach­ge­dacht.“

Als der Vor­sit­zende Richter Nor­t­hoff wissen wollte, bis zu wel­cher Höhe ihr dama­liger Freund ihr erlaubt habe, Geld von seinem Konto abzu­heben, ant­wor­tete die Holzwicke­derin: „Grund­sätz­lich hatte er nichts dagegen. Aber ich habe es wohl etwas über­trieben.“ Offenbar. Denn nach seiner Ent­las­sung trennte er sich von ihr.

Berufung auf Höhe der Tagessätze beschränkt

Bei diesem Sach­ver­halt hätte der Tat­be­stand der Urkun­den­fäl­schung im Prinzip ent­fallen können. In der vom Amts­ge­richt Kamen ver­hängten Strafe ist aller­dings auch eine Teil­strafe in Höhe von 1.000 Euro ent­halten. Zur Ver­ein­fa­chung des Ver­fah­rens einigten sich alle betei­ligten Par­teien auf Vor­schlag von Richter Nor­t­hoff darauf, die Beru­fung auf die Höhe der Tages­sätze zu beschränken. Der eigent­lich Straf­tat­be­stand bleibt dagegen bestehen.

Dar­aufhin änderte das Gericht das erste Urteil ab und ermä­ßigte die 110 Tages­sätze á 10 Euro, da die Holzwicke­derin als Hartz-IV-Emp­fän­gerin nur über ein gerin­geres Ein­kommen ver­fügt und zudem noch wei­tere Geld­strafen abstot­tern muss. Für die Holzwicke­derin ist der Aus­gang ihrer Beru­fung womög­lich ein Pyr­rhus­sieg, bei dem sie am Ende noch drauf­zahlen muss: Denn die Kosten des Beru­fungs­ver­fah­rens hat sie eben­falls zu tragen.

Betrug, Urkundenfälschung


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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