Freut sich auf die Fertigstellung des neuen Rat- und Bürgerhauses und hofft, dann noch Amtsinhaberin zu sein: Ulrike Drossel. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Ulrike Drossel hat Spaß am Spitzenamt gefunden und hofft auf zweite Amtszeit

Freut sich auf die Fer­tig­stel­lung des neuen Rat- und Bür­ger­hauses und hofft, dann noch Amts­in­ha­berin zu sein: Ulrike Drossel. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Die Kom­mu­nal­wahl findet am 13. Sep­tember statt. Gewählt wird an diesem Termin nicht nur ein neuer Gemein­derat, son­dern auch eine neue Bür­ger­mei­sterin oder ein neuer Bür­ger­mei­ster für die Gemeinde Holzwickede. Der Emscher­blog hat mit allen vier Bewer­bern Inter­views geführt, die in den näch­sten Tagen an dieser Stelle ver­öf­fent­licht werden. Den Anfang macht, Ladies first, die amtie­rende Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel. Als näch­ster Bei­trag wird das Inter­view mit Susanne Wer­binsky (Die Grünen) folgen. Lesen Sie heute: Ulrike Drossel.

Zur Person: Ulrike Drossel (64 Jahre) ist ver­hei­ratet und seit 1994 in der Lokal­po­litik aktiv im Unab­hän­gigen Holzwickeder Bür­ger­block. Bevor sie zur haupt­amt­li­chen Bür­ger­mei­sterin gewählt wurde, war Ulrike Drossel Rats­mit­glied und Frak­ti­ons­vor­sit­zende des Bür­ger­blocks. Mit ihrem Mann führt sie eine Medi­en­agentur in Hengsen.

Emscher­blog: Frau Drossel, als Sie vor fünf Jahren ins Amt der Bür­ger­mei­sterin gewählt wurden, waren Sie selbst wohl am mei­sten über­rascht. Schließ­lich hatten Sie kei­nerlei Ver­wal­tungs­er­fah­rung und gehören auch der nur dritt­stärk­sten Partei in Holzwickede, dem Unab­hän­gigen Bür­ger­block, an, die auch nur lokal ver­treten ist. Was war Ihr größtes Pro­blem, als sie damals Ihr Amt antraten?

Drossel: Ja, meine Wahl war schon eine wirk­liche Sen­sa­tion, obwohl ich bereits im Wahl­kampf gemerkt hatte, dass die Men­schen Ver­än­de­rung wollen. Man braucht eine Weile im Amt, bis man Sicher­heit gewonnen hat, weil man sich ja in Sach­themen ein­ar­beiten muss. Ich hatte ja anfangs sehr viel Gegen­wind und Kritik. Auch durch Ihre Bericht­erstat­tung, die ja nicht immer positiv war. Doch der Rück­halt in der Bevöl­ke­rung war immer da. Das war von Anfang an so und hat sich bis heute wie ein dicker roter Faden durch­ge­zogen. Das gibt mir tat­säch­lich die Kraft und die Sicher­heit, die Dinge so weiter zu tun wie bisher.

Doch der Rück­halt in der Bevöl­ke­rung war immer da. Das war von Anfang an so und hat sich bis heute wie ein dicker roter Faden durch­ge­zogen.“

Ulrike Drossel

Mein größtes Pro­blem war anfangs tat­säch­lich, mich in die Themen ein­zu­ar­beiten und in die Rolle zu finden. Und ich musste mit zwei großen Ver­lu­sten umgehen, ich meine den plötz­li­chen Tod von Jens Schmiedgen, dem Leiter der Tech­ni­schen Dienste, und auch den Tod des dama­ligen Bei­geord­neten Uwe Det­lefsen. Diese Ver­luste haben in der Ver­wal­tung zu einem großen Ver­lust an Erfah­rung geführt, der jetzt voll­ständig geschlossen ist. Trotzdem ist im Rat­haus nichts uner­le­digt lie­gen­ge­blieben und nach außen hin hat nie­mand gemerkt, wie groß die Lücke wirk­lich war, die beide hin­ter­lassen haben. Das waren die Her­aus­for­de­rungen meines ersten Jahres. Aber diese Situa­tion hat unser Team im Rat­haus auch zusam­men­ge­schweißt. Es ist ein gegen­sei­tiges enges Ver­trauen gewachsen, wel­ches uns über die Jahre begleitet. 

Emscher­blog: Was würden Sie denn als Ihre größte Stärke und Ihre größte Schwäche bezeichnen – im Amt oder viel­leicht auch per­sön­lich?

Drossel: Meine größte Stärke ist sicher, dass ich gut mit Men­schen umgehen kann. Wenn ich merke, dass etwas nicht gut läuft oder es kommt Sand ins Getriebe, egal bei wem und in wel­cher Situa­tion, ob bei Kol­legen oder bei Ehren­amt­li­chen oder anderen Part­nern, spreche ich die Dinge an und wir erar­beiten gemeinsam Lösungen.

Emscher­blog: Mit dem Bürger auf dem Markt haben Sie sicher keine Pro­bleme. Aber mein Ein­druck ist, dass Sie bei poli­ti­schen Geg­nern schon eher Pro­bleme haben, auf sie zu zu gehen. Ihnen ist ja schon häu­figer vor­ge­worfen worden, bei­spiels­weise im Streit um die Stand­ort­suche für die Kita, dass Sie poli­ti­sche Kon­flikte zu wenig mode­rieren können.

Drossel: Nein, nein. Wir haben da ganz viele Gespräche geführt. Ich war nach meiner Wahl in allen Frak­tionen und habe die gute Zusam­men­ar­beit ange­boten. Was die Stand­ort­suche für die Kita angeht, haben wir in den Ferien vier Gespräche mit allen Frak­tionen geführt, aller­dings nicht­öf­fent­liche. Auf Men­schen zuzu­gehen ist sicher eine meiner Stärken. Ich habe aber noch wei­tere. Inner­halb der Ver­wal­tung ist es wichtig, dass ich mich an Abspra­chen halte. Die Kol­le­ginnen und Kol­legen wissen, dass ich hinter ihnen stehe. Es hat eine Weile gebraucht, bis dieses Ver­trauen auf­ge­baut war. Loya­lität gegen­über den Par­teien ist eine wei­tere große Stärke von mir. Alles, was an Anträgen her­ein­kommt, wird hier im Hause und von mir auch abge­ar­beitet.

Emscher­blog: Aber ist das nicht ihre Pflicht und eine Selbst­ver­ständ­lich­keit?

Drossel: Schon, aber ich meine: Die Anträge werden loyal bear­beitet. Ich habe z.B. Ver­treter der SPD vor Ver­öf­fent­li­chung der Sit­zungs­un­ter­lagen zum Antrag des Mozart­parks ein­ge­laden, um die ein­zelnen ableh­nenden Stel­lung­nahmen zu bespre­chen. Nichts sollte unver­sucht bleiben, um für Anwohner eine Ent­la­stung zu finden. Leider waren die von SPD erar­bei­teten Vor­schläge nicht umsetzbar. Dieser Umgang war in der Ver­gan­gen­heit nicht immer so, dafür gibt es Bei­spiele. Zu meinen Stärken gehört sicher auch, Pro­jekte zu ent­wickeln und Stra­te­gien zur Umset­zung aus­zu­ar­beiten. Ich bin ja wirk­lich viel unter­wegs in der Gemeinde, zum Ein­kaufen, mit meinen Enke­linnen und werde dann oft ange­spro­chen. Aber ich bin noch nicht ein ein­ziges Mal belei­digt oder beschimpft worden. Das sehe ich als Aner­ken­nung für meine Arbeit. Offen­sicht­lich kann ich so viel nicht ver­kehrt gemacht haben. 

Emscher­blog: Kommen wir jetzt mal zum zweiten Teil meiner Frage…

Drossel: Tja, was sind meine Schwä­chen? Ich kann schlecht Nein sagen. Das ist eine große Schwäche in diesem Amt. Ich bin ja von Haus aus Dienst­lei­sterin, bei der Spar­klasse in Dort­mund und auch in meinem Unter­nehmen, was ich 35 Jahre zusammen mit meinem Mann geführt habe. Dieser Gedanke und die Moti­va­tion, den Men­schen ihre Wün­sche zu erfüllen, ist fest in mir ver­wur­zelt. Aber das funk­tio­niert nicht immer in meinem aktu­ellen Amt. Da gibt es viele Begehr­lich­keiten. Da fällt es mir oft sehr schwer zu sagen: ‚Tut mir leid, das geht nicht, weil…‘

Emscher­blog: Was war die bisher größte per­sön­liche Ent­täu­schung in ihrer Amts­zeit?

Drossel: Das war ein­deutig, als der Beschluss für den Standort der Kita auf dem Fest­platz nach zwei Jahren wieder zurück­ge­holt wurde. Die Kita hätte auf den Fest­platz gepasst. Der Standort war abge­stimmt, das Gebäude und die Frei­flä­chen hätten auf das Gelände gepasst und wir hätten dort weiter sein können, als wir heute sind.

Emscher­blog: Wäre der Fest­platz, abge­sehen von den geo­me­tri­schen Aspekten, tat­säch­lich ihr per­sön­li­cher Wunsch­standort für die Kita gewesen? 

Drossel: Ich hielt den Standort am Aachener Weg für sehr gut geeignet. Auf der Fläche, für die jetzt auch das Forum für Sport und Gesund­heit geplant ist. Dieser Standort an der Peri­pherie der Gemein­de­mitte wäre für mich gut gewesen. Die Fläche an der Rausinger Halle wäre für mich auch eine Option gewesen, aber der Standort hat nicht funk­tio­niert, weil wir keine zusätz­li­chen Flä­chen kaufen konnten. Zen­trumsnah kann durchaus auch in einem Radius von 300 bis 500 Metern ent­fernt sein.

Emscher­blog: Sie haben gerade als eine Ihrer Stärken bezeichnet, Pro­jekte ent­wickeln und umsetzen zu können. Als Sie ins Amt kamen, gab es ja schon eine poli­ti­sche Agenda, wo sehr viel von dem, was an Pro­jekten in ihrer Amts­zeit pas­sierte, vor­ge­geben war, etwa das neue Rat- und Bür­ger­haus oder auch die ISEK-Pro­jekte. Wenn man diese Pro­jekte einmal außer Acht lässt, gibt es auch ori­gi­näre Drossel-Pro­jekte, d.h. Pro­jekte, die es ohne Sie über­haupt nicht gäbe?

Drossel: Oh ja, es hätte den Street­food-Markt in dieser Form nicht gegeben, den Emscher­food auf gar keinen Fall. Es gäbe keine Wild­blu­men­beete und auch keine Blu­men­am­peln. Unsere Beete wurden im Rahmen der Mög­lich­keiten neu­ge­staltet. Auch das Kli­ma­schutz­kon­zept hätte es in der finalen Fas­sung nicht gegeben. Was ich wei­terhin durch­ge­setzt habe, ist unser Fuhr­park mit fünf E‑Fahrzeugen. Ich habe den ersten Ehren­amtstag gestaltet und das Schul­pro­jekt „Gemein­de­po­litik und Poli­tik­un­ter­richt tau­schen sich aus“ initi­iert.

Loya­lität gegen­über den Par­teien ist eine wei­tere große Stärke von mir.“

Ulrike Drossel

Ein ganz tolles Pro­jekt, um jungen Men­schen die Hürde zu Ver­wal­tung und Politik zu nehmen. Bis wir durch Corona aus­ge­he­belt wurden, habe ich mich zweimal im Jahr mit den Schü­le­rinnen und Schü­lern des Clara-Schu­mann-Gym­na­siums getroffen, später wollten Schü­le­rinnen und Schüler der Josef-Reding-Schule bei dem Pro­jekt eben­falls mit­ma­chen. Dar­über habe ich mich riesig gefreut, weil es für mich ein ganz, ganz wich­tiges Pro­jekt ist, um mit jungen Men­schen ins Gespräch zu kommen und ihnen zu zeigen: Ihr könnt mit uns als Ver­wal­tung spre­chen und Eure Pro­bleme vor­tragen, auch wenn etwas nicht läuft, wie Ihr es Euch vor­stellt. Ich habe ver­sucht, die Mauern und Hürden zu Politik her­unter zu bre­chen und diesen jungen Leute zu zeigen: Auch hier könnt Ihr etwas bewegen, meldet Euch, setzt Euch ein. Die Hürden in Holzwickede sind ja sehr niedrig.

Emscher­blog: Gibt es etwas, was Sie zum Ende Ihrer Amts­zeit noch gerne erle­digt hätten?

Ich hätte gerne schon den Radweg zum Emscher­radweg, diesen Abzweig von der Schä­fer­kamp­straße hinter der Unter­füh­rung in die Gemein­de­mitte, in trockenen Tüchern gehabt. Ich habe eng und gut mit dem Vor­stands­vor­sit­zenden der Emscher­ge­nos­sen­schaft Dr. Uli Paetzel, zusam­men­ge­ar­beitet. Wir haben uns beide für die Öff­nung des Emscher­quell­hofes ein­ge­setzt. Beschlossen ist der Radweg schon. Manchmal laufen Dinge nicht so schnell, wie ich mir wün­sche, dies trifft beson­ders auf Käufe von Grund­stücken zu. Ich kann mir auf meine per­sön­liche Fahne schreiben, die Per­sonen zu dem ersten Gespräch für die Grund­stück­kaufe des Rad­weges an der Lands­kroner Straße an einen Tisch gebracht zu haben. Durch dieses Gespräch, zu dem ich den Kreis Unna und den Eigen­tümer ein­ge­laden habe, ist der Stein ins Rollen gekommen. Die Ver­käufe der benö­tigten Flä­chen sind mitt­ler­weile abge­wickelt. Der Kreis wird För­der­mittel bean­tragen, die vor­aus­sicht­lich näch­stes Jahr bewil­ligt werden, so dass wir Ende 2021, spä­te­stens 2022 das Pro­jekt rea­li­sieren können.

Emscher­blog: Dum­mer­weise kann der Rad­we­gebau nicht zeit­gleich mit den lau­fenden Groß­bau­stelle zur Fahr­bahn­sa­nie­rung an der Lands­kroner Straße durch­ge­führt werden, so dass erneut eine Bau­stelle droht.

Drossel: Der Kreis hat immer betont, dass es sich um zwei ver­schie­dene Pro­jekte han­delt. Der Radweg wird durch För­der­mittel finan­ziert, der Ausbau der Lands­kroner Straße erfolgt aus dem Haus­halt des Kreises Unna.

Emscher­blog: Um einmal von den Pro­jekten weg­zu­kommen – reden wir mal über die Gemein­de­ver­wal­tung, obwohl das ja eigent­lich auch ein Groß­pro­jekt ist. Es hat viele Umbrüche gegeben, teil­weise auch unfrei­wil­lige durch Todes­fälle, in Summe hat es aber noch nie so viele Mit­ar­beiter im Rat­haus gegeben wie unter Ihrer Füh­rung. Dabei gehörte früher Ihre Frak­tion, der Bür­ger­block, stets zu den schärf­sten Kri­ti­kern, wenn es darum ging, den Stel­len­plan aus­zu­weiten ohne grund­le­gendes Per­so­nal­kon­zept. Wie sieht die Ver­wal­tungs­chefin ihre Ver­wal­tung auf­ge­stellt?

Drossel: Die Auf­gaben von Ver­wal­tungen werden immer umfang­rei­cher, dazu ist Per­sonal erfor­der­lich. Es wurden Mit­ar­beiter ein­ge­stellt auf­grund poli­ti­scher Beschlüsse, ich denke hier z.B. an den Bereich Biblio­thek oder den Bereich Kultur. Der Stel­len­plan wurde dadurch erwei­tert. Unsere Auf­gaben, z.B. Vor­be­rei­tung des Kli­ma­schutz­kon­zeptes, Kon­zepte wie z.B. das Stra­ßen­ent­wick­lungs­kon­zept, Schul­ent­wick­lungs­kon­zept, Medi­en­ent­wick­lungs­plan müssen durch Kol­le­ginnen und Kol­legen gut vor­be­reitet werden. Ich habe viele Fach­leute im Team, viele enga­gierte Kol­le­ginnen und Kol­legen in der Füh­rungs­ebene. Ohne dieses gute Mit­ein­ander und ohne diesen Team­ge­danken könnten wir die vielen Auf­gaben nicht umsetzen. Der lange Aus­fall und Tod des Käm­me­rers Chri­stian Grimm etwa, diese Aus­fälle müssen kom­pen­siert werden, dies geht nur im guten Mit­ein­ander.

Emscher­blog: Welche Pläne haben Sie denn noch für die Ver­wal­tung?

Drossel: Wir werden Ende näch­sten Jahres in unser neues Rat- und Bür­ger­haus ein­ziehen. Allein durch die räum­liche Situa­tion schaffen wir viele Annehm­lich­keiten für unsere Bür­ge­rinnen und Bürger, denn alle Ange­le­gen­heiten sind unter einem Dach zu erle­digen, und zwar bar­rie­re­frei. Es gibt eine Bras­serie, eine öffent­liche Toi­lette, den großen Rats- und Bür­ger­saal, der auch für Ver­an­stal­tungen genutzt werden kann. Im Bür­ger­büro im Foyer des neuen Rat- und Bür­ger­hauses gibt es Räume für Gespräche mit Dis­kre­ti­ons­be­darf. Durch Info-Moni­tore wird sich der Ser­vice für die Bür­ge­rinnen und Bürger erheb­lich ver­bes­sern.

Emscher­blog: Unter­stellt, Sie würden noch einmal gewählt, was wäre die drin­gendste Auf­gabe für Sie in der näch­sten Wahl­pe­riode?

Drossel: Die Kon­ti­nuität der Vor­haben. Ganz hohe Prio­rität haben zum Bei­spiel wei­tere Ver­hand­lungen für den Durch­stich des Bahn­hofes, der den Norden an die Gemein­de­mitte anbindet und mit Schaf­fung von zusätz­li­chem Park­raum ver­bunden ist. Das Kli­ma­schutz­kon­zept steht sicher ganz oben, dies muss kon­se­quent umge­setzt werden. Einiges wurde in der Ver­gan­gen­heit bereits umge­stellt wie der Aus­tausch von LED-Leucht­kör­pern in vielen Gebäuden. Der große ener­ge­ti­sche Durch­bruch wird das neue Rat- und Bür­ger­haus sein.

Falls ich nicht wie­der­ge­wählt werde, ziehe ich mich ganz aus der Politik zurück.“

Ulrike Drossel

Die beiden abge­ris­senen alten Gebäude waren schlecht für unsere Kli­ma­schutz­bi­lanz, auch die noch vor­han­denen Gebäude sind ener­ge­tisch völlig über­holt, wir müssen weiter an der kon­se­quenten Umset­zung arbeiten. Ebenso ist die Nach­nut­zung der Allee 4 als Medienzentrum/​Bücherei zu über­planen. Oder die Pro­jekte für die Schulen, die sich aus dem Medi­en­ent­wick­lungs­plan ergeben. Auch die OGS’en werden wir wei­ter­ent­wickeln.

Emscher­blog: Eine sehr große Her­aus­for­de­rung, die durch die Corona-Krise mit sin­kenden Ein­nahmen und enorm gestie­genen Aus­gaben sicher nicht leichter geworden ist…

Drossel: … das ist richtig. Wir unter­scheiden zwi­schen kon­sum­tiven und inve­stiven Mit­teln. Neu­bauten sind inve­stiv. Einer­seits haben wir in unser Bilanz hier ein Gut­haben, ande­rer­seits müssen diese Pro­jekte getilgt und abge­schrieben werden.

Emscher­blog: Heißt das, not­falls auch wieder ein Haus­halts­de­fizit in Kauf nehmen?

Drossel: Mög­li­cher­weise zu einem spä­teren Zeit­punkt, zur­zeit haben wir noch aus­rei­chende Rück­lagen. Es bleibt abzu­warten, inwie­weit uns der Bund und das Land bei den Aus­fällen der Gewer­be­steuer unter­stützen. Aber des­wegen wird es in Holzwickede keinen Still­stand geben. Unsere Schulen werden wei­ter­ent­wickelt. Wei­tere Räum­lich­keiten des CSG sind durch die Schule gemein­samen Ler­nens erfor­der­lich. Das CSG bekommt einen dritten Raum für das nächste Schul­jahr, der für diese indi­vi­du­elle Unter­richts­form fer­tig­ge­stellt wird. Das Gym­na­sium wird lang­fri­stig vier­zügig werden, darauf müssen wir uns vor­be­reiten, das CSG wird auf 9 Schul­jahre zurück­ge­führt, dafür werden wei­tere Klas­sen­räume gebraucht. Das sind die große Her­aus­for­de­rungen.

Emscher­blog: Trotzdem wollen Sie noch einmal Bür­ger­mei­sterin werden. Warum wollen Sie sich das antun?

Drossel: Weil mir die Auf­gabe Freude macht. Ich mag es, kleine Pro­jekte umzu­setzen wie die Blu­men­am­peln, küm­mere mich um kleine Anliegen wie Bänke und ver­liere trotzdem die großen Dinge nicht aus dem Auge. Die Viel­fäl­tig­keit der Auf­gaben in diesem Amt bereitet mir große Freude – und eben die gute Zusam­men­ar­beit mit dem Team im Rat­haus und der Politik. Ich habe eine Min­der­hei­ten­re­gie­rung in den letzten fünf Jahren geführt und wir haben für Holzwickede sehr gute Beschlüsse gefasst und umge­setzt.

Emscher­blog: Ihnen ist ja anfangs als Manko aus­ge­legt worden, dass Sie als Mit­glied einer lokalen Partei keine Kon­takte oder Ver­net­zung außer­halb Holzwickedes haben. Hat sich das als Nach­teil aus­ge­wirkt?

Drossel: Nein, über­haupt nicht. Ich habe in der Zeit der Flücht­lings­krise das Amt ange­treten und sofort gute Kon­takt zu Land­tags- und Bun­des­tags­ab­ge­ord­neten auf­ge­baut. Der Aufbau von Netz­werken, ob Ver­eine, Kir­chen, Ver­bände, Initia­tiven oder mit andere Kom­munen ging relativ schnell, besser als ich das selbst erwartet hatte. Alle haben den Blick für Holzwickede, Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit spielt eine unter­ge­ord­nete Rolle. Als Bür­ger­mei­sterin bin ich mei­stens in einer loyalen Posi­tion.

Emscher­blog: Abschlie­ßend noch eine letzte Frage. Unter­stellt, Sie werden nicht wie­der­ge­wählt. Wer wäre dar­über ent­täuschter: Sie oder Ihr Mann?

Drossel (denkt lange nach): Das weiß ich nicht. Ich gehe ja davon aus, dass ich wie­der­ge­wählt werde. Falls ich nicht wie­der­ge­wählt werde, ziehe ich mich ganz aus der Politik zurück. Ein Wechsel aus dem Amt zurück in die poli­ti­sche Par­tei­ar­beit ist für mich nicht vor­stellbar.

Emscher­blog: Das ist aber noch keine Ant­wort auf die Frage.

Drossel: Also diese Frage… habe ich mir über­haupt nicht gestellt, weil ich davon aus­gehe, dass ich wieder das Ver­trauen der Holzwickeder Bür­ge­rinnen und Bürger bekomme.

Emscher­blog: Ich inter­pre­tiere das jetzt mal so, dass Sie selbst nicht sicher sind, wer ent­täuschter wäre?

Drossel: Ich wäre ja die­je­nige, die die näch­sten fünf Jahre für die Gemeinde Holzwickede arbeitet… Also… ich weiß es wirk­lich nicht.

Emscher­blog: Vielen Dank, Frau Drossel, für das Gespräch.

Kommunalwahl, Ulrike Drossel


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (5)

  • Petra Rommerskirchen

    Sehr geehrte Frau Drossel,

    Sie berichten von Ihrer großen Stärke; mit dieser von Ihnen selbst dar­ge­stellten Stärke warben Sie für sich vor der Wahl zur Bür­ger­mei­sterin.

    Leider habe ich selbst mich und meine Familie von Ihnen im Stich gelassen gefühlt. Sie gingen bisher allen Klä­rungen und Pro­blem­lö­sungen aus dem Wege.

    Unsere Familie fühlt sich von Ihnen im Stich gelassen. Wir fühlen uns von ihrer Ver­wal­tung gemobbt und bedroht und haben daher unser Haus in Holzwickede ver­kauft.

    Wir hoffen für die Holzwickeder auf einen Bür­ger­mei­ster, mit Cou­rage, der unsere Demo­kratie schützt und nicht vor Pro­blemen davon­läuft.

    Ihnen Frau Drossel wün­sche ich mehr Mut, auch zur Demo­kratie, um Schief­lagen zu ana­ly­sieren und zu besei­tigen.

    Dabei hoffe ich auf den näch­sten Bür­ger­mei­ster als Ver­treter des Gemein­de­rates, das er hier die ver­fas­sungs­mä­ßige Gewal­ten­tei­lung und Kon­troll­mittel wieder in Kraft setzt.

    Petra Rom­mers­kir­chen mit Familie

  • Nein, ich würde mich nicht ärgern. Bin stolz auf das gelei­stete. Wenn jetzt der Wähler dies noch hono­rieren würde, wäre es das Sah­ne­häub­chen. Per­sön­lich würde ich auch den anderen Kan­di­daten gra­tu­lieren. (Kleine Spitze).

  • In Kri­sen­zeiten hat der Regie­rende immer einen Kri­sen­bonus was zB. die Ham­burger Flut­ka­ta­strophe und Helmut Schmidt bewiesen haben. Ein span­nender Wahl­kampf führt hof­fent­lich dazu, daß viele Holzwicke­derinnen und Holzwickeder wählen, was in einer Demo­kratie immer positiv ist und zeigt in wie weit mün­dige Bürger poli­tisch inter­es­siert sind. Schade, daß es dieses Jahr kri­sen­be­dingt keine Podi­ums­dis­kus­sionen geben wird.

  • Ob ich Frau Drossel wieder wählen würde ? Am Ende gibt es immer eine Abrech­nung. Und die sagt ob es gut war oder eher nicht. Das ist immer der Nach­teil eines Amtie­renden. Die anderen Kan­di­daten können ver­spre­chen, der jet­zige Bürgermeister/​in muß dagegen Fakten bringen. Das was ich gelesen habe klingt zwar nicht schlecht, hätten andere aber auch geschafft. Mir fehlt der Kra­cher, der mir sagt es war gut Frau Drossel gewählt zu haben. Wo ist der Fuß­ab­druck an den sich die Holzwickeder auch in 10 Jahren noch erin­nern und sagen das hat unsere Gemeinde wirk­lich her­vor­ge­hoben ? Wahl­pla­kate mit dem Slogen Wir schaffen das, machen mir eher eine Gän­se­haut ! Kommt da etwa noch das dicke Ende ?

    • Nun, um die Nach­hal­tig­keit fest­stellen zu können, bedarf es viel­leicht noch ein wenig mehr Zeit. Die Umstände waren und sind sicher­lich auch widrig.
      Und ob 5 Jahre rei­chen, 26 Jahre „roter“ Vor­herr­schaft wett­zu­ma­chen, halte ich nicht für aus­rei­chend bei einem Ver­wal­tungs­tanker.
      Aber bald wissen wir mehr.

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