Susanne Werbinsky: Eine Teamplayerin, die Führungsqualitäten einfordert und auf die Jugend setzt

Ver­steht sich als Teamerin, die auch als Bür­ger­mei­sterin den direkten Kon­takt zu den Men­schen in dieser Gemeinde suchen würde: Susanne Wer­binsky an ihrem Arbeits­platz in der HSC-Geschäfts­stelle. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Die Kom­mu­nal­wahl findet am 13. Sep­tember statt. Gewählt wird an diesem Termin nicht nur ein neuer Gemein­derat, son­dern auch eine neue Bür­ger­mei­sterin oder ein neuer Bür­ger­mei­ster für die Gemeinde Holzwickede. Der Emscher­blog hat mit allen vier Bewer­bern Inter­views geführt, die an dieser Stelle ver­öf­fent­licht werden. Den Anfang machte die amtie­rende Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel. Die Bei­träge mit Peter Wehlack (SOD) und Frank Laus­mann (CDU) stehen noch aus. Lesen Sie heute zunächst das Inter­view mit Susanne Wer­binsky (Bündnis 90/​Die Grünen).

Zur Person: Susanne Wer­binsky (58 Jahre) ist ver­hei­ratet und Mutter von zwei erwach­senen Töch­tern. Susanne Wer­binsky ist aktuell die stell­ver­tre­tende Frak­ti­ons­vor­sit­zende der Grünen im Holzwickeder Gemein­derat. Die gelernte Arzt­hel­ferin und Gesund­heits­trai­nerin leitet haupt­be­ruf­lich die Gesund­heits­sport­ab­tei­lung des HSC. Außerdem ist sie die stell­ver­tre­tende Vor­sit­zende des Gesamt­ver­eins.

Emscher­blog: Frau Wer­binsky, warum wollen Sie eigent­lich Bür­ger­mei­sterin von Holzwickede werden? Wir haben doch schon eine Frau an der Spitze im Rat­haus.

Wer­binsky: Es geht ja nicht um meine Person als Frau, son­dern grund­sätz­lich um eine Ver­än­de­rung. Ich denke, die Lei­tung einer Ver­wal­tung muss auch mal klare Worte spre­chen oder auf den Tisch hauen. Ich höre immer wieder, dass es in der Ver­wal­tung nicht richtig läuft…

Emscher­blog:  …was meinen Sie denn da kon­kret?

Wer­binsky: Da möchte ich jetzt nicht ins Detail gehen, aber es ist nun mal Fakt, dass ich oft darauf ange­spro­chen werde und auch Leute sich beschweren. Wir haben ja allein hier in Holzwickede im HSC rund 750 Mit­glieder und da höre ich schon das eine oder andere. Nur ein Bei­spiel: Es wird schon seit Jahren immer wieder von unseren Mit­glie­dern und auch Übungs­lei­te­rinnen darauf hin­ge­wiesen, dass die Hei­zungen in den Vor­räumen und Toi­letten der Sport­hallen im Sommer auf Hoch­touren laufen, auch jetzt gerade wieder. Ich weiß nicht, wie oft wir darauf schon hin­ge­wiesen haben, aber es ändert sich nichts. Ent­weder man will es nicht oder man kann es nicht. Ich weiß nicht, woran es liegt. Oder der Müll in der

An der Haupt­straße wird bei­nahe wöchent­lich der Rasen gemäht, wo das Gras auch gerne mal etwas höher stehen dürfte. Im Emscher­park sieht es dagegen teil­weise aus wie Sau.“

-Susanne Wer­binsky

Gemeinde… Da sam­meln schon ver­ein­zelt Bürger den Müll auf, weil sie es nicht mehr mit ansehen können. Auch als Antenne Unna unlängst das Thema auf­griff, war ganz klar der Tenor von allen Bür­gern, die sich da mel­deten: Die Gemeinde Holzwickede ist zu schmud­delig. Was ich auch an vielen Stellen sehe. Da weiß ich nicht, ob die Prio­ri­täten richtig gesetzt sind. An der Haupt­straße wird bei­nahe wöchent­lich der Rasen gemäht, wo das Gras auch gerne mal etwas höher stehen dürfte. Im Emscher­park sieht es dagegen teil­weise aus wie Sau. Aber natür­lich ist nicht alles schlecht, was die jet­zigen Bür­ger­mei­sterin macht. Sie macht grund­sätz­lich ja auch vieles richtig. Dafür bewun­dere ich Ulrike Drossel auch, dass Sie es so gut geschafft hat. Es war ja mit Sicher­heit nicht so ein­fach für Sie im neuen Amt und das würde auch für mich nicht leicht, weil man sich in eine ganz neue Materie ein­ar­beiten muss. Aber ich kann sagen durch meine Arbeit hier beim HSC, dass es sehr wichtig ist, als echtes Team zu arbeiten. Doch man muss seine Mit­ar­beiter auch ein­schätzen können und führen. Ich übe ja hier auch Ver­wal­tungs­tä­tig­keiten aus und habe über 50 Mit­ar­beiter, also nur allein die Trainer gerechnet.

Emscher­blog: Sie sehen also schon eine Not­wen­dig­keit etwas in der Ver­wal­tung zu ändern?

Wer­binsky: Natür­lich, ich per­sön­lich und auch meine Partei Die Grünen sehen viele Mög­lich­keiten, etwas zu ver­bes­sern. Sei es auch nur in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung. Ein Bei­spiel: Ich habe mona­te­lang nichts mehr von den Ener­gie­netzen gehört. So etwas ärgert mich ein­fach. Da hätte man viel­leicht schon viel aktiver sein können. Mög­li­cher­weise ist ja sogar etwas pas­siert. Dar­über könnte man die Bürger aber besser infor­mieren und erklären, was wann pas­siert.

Emscher­blog: Die Grünen sind bun­des­weit im Auf­wind, wenn man den Umfragen glauben darf. Bei der vorigen Wahl haben Die Grünen auf eine eigene Kan­di­datur für das Bür­ger­mei­steramt ver­zichtet. Glauben Sie, dass sich das aktu­elle Umfra­ge­hoch bei der Wahl im Sep­tember auf lokaler Ebene wider­spie­gelt und Sie als Kan­di­datin der Grünen eine echte Chance haben, die nächste Bür­ger­mei­sterin von Holzwickede zu werden?

Wer­binsky: Auf jeden Fall. Ich habe vor allem auch große Lust, dieses Amt aus­zu­üben und will diese Wahl unbe­dingt gewinnen. Was den Ver­zicht auf eine eigene Kan­di­datur bei der vorigen Wahl angeht: Manchmal passt es ein­fach nicht in einer Gruppe, einer Partei, so dass man aus voller Über­zeugen sagen kann: Ich will… Das war vor der letzten Wahl so. Dass es Dis­kre­panzen gab, wäre zu viel gesagt. Aber eine Gruppe ent­wickelt sich ja auch. Ich bin mir aber nicht sicher, ob der bun­des­weite Trend der Grünen uns hier in Holzwickede unbe­dingt hilft, weil wir hier doch andere Themen und Pro­jekte haben. Obwohl es da natür­lich auch große Über­ein­stim­mungen gibt. Den Bau von Pho­to­vol­ta­ik­an­lagen bei Neu­bauten haben wir bei­spiels­weise auch in Holzwickede schon immer gefor­dert. Beim neuen Rat- und Bür­ger­haus wird es ja gemacht. Aber beim Schul­zen­trum haben wir riesig dafür kämpfen müssen.

Emscher­blog: Was würden Sie denn als Ihre Stärken bezeichnen, die Sie ins Amt mit­bringen?

Wer­binsky: Eine meine Stärken ist auf jeden Fall, dass ich anpacken will und kann. Ich denke schon, dass ich auch Füh­rungs­qua­li­täten habe. Denn nicht umsonst hält man so viele Übungs­leiter, aktuell sind es genau 53, über so viele Jahre zusammen. Das ist heute wich­tiger denn je, die Füh­rungs­qua­li­täten richtig zu setzen, auch in Unter­nehmen. Es geht nicht, ein­fach etwas anzu­weisen und keinen Hin­ter­grund zu bieten. Die vielen Gespräche, die ich dazu hier habe, sind aber not­wendig, auch wenn unsere Übungs­leiter alle frei ver­ant­wort­lich sind. Doch es muss jemand da sein, der sie steuert. In allen Ver­einen fehlen die Übungs­leiter. Das liegt daran, dass sie dort nicht genü­gend geführt, gelobt, bedient und bezahlt werden. Mein Ver­ständnis von Füh­rung ist, dass man viel­leicht auch mal schaut, wo jemand besser auf­ge­hoben ist und wo seine Stärken sind.

Emscher­blog: Den­noch fehlt Ihnen die Erfah­rung in einer Kom­mu­nal­ver­wal­tung. Sehen Sie das als pro­ble­ma­tisch an?

Wer­binsky: Ich habe ja hier Ver­wal­tungs­er­fah­rung als Lei­terin der Gesund­heits­sport­ab­tei­lung des HSC mit rund 800 Mit­glie­dern und stell­ver­tre­tende Vor­sit­zende des HSC mit fast 2.000 Mit­glie­dern. Im Übrigen bin ich auch für die Finanzen meiner Abtei­lung zuständig und muss jedes Jahr einen aus­ge­gli­chenen Haus­halt vor­legen. Klar, das ist keine Kom­mu­nal­ver­wal­tung, trotzdem denke ich, dass ich das eine oder andere anspre­chen kann, was ich so gehört habe. Aber ich will ja auch gar nicht die Chefin her­aus­hängen lassen. Wichtig ist, mit den Men­schen zu kom­mu­ni­zieren. Ich bin auf jeden Fall ganz nah bei den Bür­gern und das werde ich auch wei­terhin sein. Das ist ein­fach ganz wichtig für einen sol­chen Ort wie Holzwickede und das sollen die Men­schen auch erwarten von mir.

Emscher­blog: Jetzt haben wir über Ihre Stärken gespro­chen. Was würden Sie als Ihre Schwä­chen bezeichnen?

Wer­binsky: Ich bin, ehr­lich gesagt, kreativ-chao­tisch. Mein Pres­se­spre­cher sagt auch ständig: Sei nicht immer so ehr­lich. Wobei ich chao­tisch jetzt nicht im Sinne von unor­ga­ni­siert, son­dern kreativ meine. Ich habe manchmal zu viele Ideen gleich­zeitig im Kopf, die ich gerne umsetzen möchte. Manchmal bin ich auch ein­fach zu emo­tional. Dann schlägt schon mal meine Stimme um, wenn ich richtig betroffen bin. Das ist nicht immer gut in diesem Geschäft. Ande­rer­seits möchte ich aber auch keine typi­sche Poli­ti­kerin sein, die uner­reichbar erscheint. Ich will immer da sein für die Men­schen.

Emscher­blog: Sie sind die Kan­di­datin der bis­lang viert­stärk­sten poli­ti­schen Kraft in Holzwickede. Ist es ein Nach­teil für die Arbeit einer Bür­ger­mei­sterin, wenn sie einer eher klei­neren Oppo­si­ti­ons­partei ange­hört? 

Wer­binsky: Grund­sätz­lich ist es ja nicht so, dass eine Bür­ger­mei­sterin alles allein bestimmen kann. Es bestimmt viel­mehr der Rat mit den gewählten Rats­mit­glie­dern, also letzt­end­lich die Bürger. Ich sehe die Funk­tion der Bür­ger­mei­sterin aller­dings auch nicht so, dass sie ihre per­sön­li­chen poli­ti­sche Denk­weise nicht umsetzen darf. Zum Bei­spiel würde ich bei den Klau­sur­ta­gungen den Frak­tionen immer auch eigene Vor­schläge prä­sen­tieren. Die Gespräche laufen in diesem Rahmen ja doch etwas anders ab als in den poli­ti­schen Gre­mien und man kann mög­li­cher­weise leichter Zustim­mung für den einen oder anderen Vor­schlag erhalten.

Emscher­blog: Sind Sie jemand der eher Inter­essen aus­gleicht oder pola­ri­siert?

Wer­binsky: Nein, nein, ich bin kein pola­ri­sie­render Mensch. Das will ich auch nicht sein. Ich bin schon jemand, der Men­schen eher zusam­men­führt. Das heißt, ich höre mir an, worum es geht und wäge dann meine Ent­schei­dung ab, was ich als Bür­ger­mei­sterin sowieso tun müsste. Ich bin aber ganz weit davon ent­fernt, etwas zu ver­treten, von dem ich nicht über­zeugt bin. Wenn ich nicht hinter einer Ent­schei­dung stehen kann, würde ich sie auch nicht ver­treten. Das gilt selbst­ver­ständ­lich für meine eigene Partei. Als Bür­ger­mei­sterin wäre ich ja für alle Holzwickeder da, nicht nur für die Wähler der Grünen. Das heißt natür­lich auch, dass ich kom­pro­miss­be­reit sein muss gegen­über anderen Frak­tionen.

Emscher­blog: Unter­stellt, Sie würden zur Bür­ger­mei­sterin gewählt: Welche Maß­nahmen hätten für Sie Prio­rität in diesem Amt? 

Wer­binsky: Ich glaube, als erstes würde ich mit allen Gruppen in der Gemeinde spre­chen wollen. Ganz kon­kret würde ich die Jugend gerne mehr mit­spre­chen lassen. Das fehlt mir bisher so ein wenig. Klar, es gibt den Orts­ju­gend­ring als Ver­tre­tung. Aber ich glaube immer noch, dass unsere Jugend nicht in jeder Hin­sicht voll akzep­tiert wird. Ich würde die Jugend­li­chen auf jeden Fall mehr in Ent­schei­dungs­pro­zesse ein­be­ziehen. Sie könnten noch viel mehr bewirken als bisher. Ich sehen das ja auch schon bei den jungen Leuten, mit denen ich hier zu tun habe. Von denen kommen so tolle Impulse und wich­tige Ideen in das Team. Meine junge

Ich würde die Jugend­li­chen auf jeden Fall mehr in Ent­schei­dungs­pro­zesse ein­be­ziehen.

- Susanne Wer­binsky

Kol­legin Anna zum Bei­spiel, eine 19-jäh­rige Poli­tik­stu­dentin, hat es sogar geschafft, mich zu Insta­gram zu bringen. (lacht) Was ich meine: Die jungen Leute geben Impulse, auch mal Neues zu ver­su­chen oder anders an eine Sache her­an­zu­gehen. So etwas ist wichtig und das sollten wir unbe­dingt auf­nehmen. Aber auch den Senio­ren­beirat finde ich klasse. Auch wenn man nicht immer alles gut findet, aber die Mit­glieder machen wenig­stens etwas. Das finde ich wichtig und würde den Senio­ren­beirat des­halb auch immer unter­stützen. Mit Rat und Tat, Wir für Holzwickede oder die Flücht­lings­in­itia­tive – diese vielen ver­schie­denen ehren­amt­li­chen Gruppen sind eine Stärke von Holzwickede. Das sind wert­volle Initia­tiven, die zum Wohl­ergehen der Men­schen hier in der Gemeinde bei­tragen. Ich würde auch wieder einen Neu­bür­gertag ein­führen. Weil ich möchte, dass jeder, der sich ent­scheidet, hier in der Gemeinde sess­haft zu werden, von Anfang an inte­griert wird.

Emscher­blog: Müssen sich die Holzwickeder, wenn es eine Bür­ger­mei­sterin der Grünen geben sollte, dar­über hinaus auch auf solche Dinge wie Park­ge­bühren, keinen Stra­ßenbau, Pro­test gegen den Flug­hafen Dort­mund oder eine Wild­blu­men­wiese statt Park­plätzen auf dem Markt­platz vor dem neuen Rat­haus ein­stellen?

Wer­binsky: Auf die Wild­blu­men­wiese ganz sicher… das ist ja Trend hoch drei und absolut not­wendig. Das wissen ja hof­fent­lich inzwi­schen alle. Ich bin auch ganz klar gegen die Ost­um­ge­hung. Das ist ja auch das Thema, wes­halb ich sei­ner­zeit zu den Grünen gekommen bin…

Emscher­blog: Die Ost­um­ge­hung müssten Sie aber als Bür­ger­mei­sterin mit­ver­treten…

Wer­binsky: Ja, das ist richtig. Ich werde wohl wei­terhin gegen die Ost­um­ge­hung sein, aber könnte als Bür­ger­mei­sterin natür­lich nicht auf die Ent­schei­dung gegen den Bau ein­wirken. Denn es ist richtig, dass ich als Bür­ger­mei­sterin gar nicht an so vielen Stell­schrauben drehen kann, weil ich gar nicht die Hand­habe dazu habe. Das letzte Wort hat immer der Gemein­derat. Ich kann also nur hoffen, dass sich der Bau noch etwas hin­zieht, weil die Gerichte noch über die Klage der Anwohner ent­scheiden müssen.

Emscher­blog: Dann mal ganz kon­kret gefragt: Wie stellen Sie sich die Ent­wick­lung der Gemeinde vor, ver­kehrs­po­li­tisch oder hin­sicht­lich neuer Gewerbe- und Wohn­ge­biete?

Wer­binsky: Gewer­be­an­sied­lungen sind natür­lich sehr wichtig, aber man kann sie auch nur begrenzt steuern. Mit dem Rausinger Feld haben ja auch wir Grünen schon zum Aus­druck gebracht, dass wir durchaus auch für die Aus­wei­sung neuer Gewer­be­flä­chen sind.

Emscher­blog: Gilt das auch für neue Wohn­ge­biete?

Wer­binsky: Da muss man genau schauen. Grund­sätz­lich bin ich bei Wohn­ge­bieten zunächst dafür, Bau­lücken zu schließen oder alten Wohn­be­stand zu sanieren. Große neue Wohn­bau­ge­biete lehne ich ab. Ich kann mir im Moment auch gar nicht vor­stellen, wo wir ein großes Neu­bau­ge­biet noch aus­weisen könnten, außer viel­leicht west­lich der Haupt­straße. Aber das würden wir Grünen auf gar keinen Fall unter­stützen. Es ist doch auch so, dass neue Bau­ge­biete gar nicht so attraktiv für alle sind. Das höre ich jetzt auch von meinen beiden erwach­senen Töch­tern. Die wollen doch über­haupt nicht in ein neues Bau­ge­biet wie Caro­line oder Wohn­park Emscher­quelle ziehen, son­dern lieber in einen schönen Altbau. Solche neuen Wohn­ge­biete sind vielen Men­schen ein­fach zu steril und uni­form. Den Wohn­park Emscher­quelle haben wir als Grüne abge­lehnt, weil die ver­kehr­liche Anbin­dung ein­fach unzu­rei­chend ist. Das sagen mir übri­gens nicht nur die unmit­tel­baren Anwohner, son­dern auch ganz viele der Bürger, die gerade die Lands­kroner Straße nicht mehr nutzen können.

Emscher­blog: Ist das nicht ein Wider­spruch? Neue Wohn- und Gewer­be­ge­biete brau­chen auch neue Straßen. Genau die wollen die Grünen nach eigener Aus­sage aber mög­lichst nicht mehr bauen.

Wer­binsky: Ich sage ja nicht, dass wir grund­sätz­lich keine neuen Straßen mehr bauen dürfen. Es geht ja nur um Bundes- oder Lan­des­straßen wie die Ost­um­ge­hung (L677n). Die geht für mich gar nicht, weil da ein­fach nur Fläche ver­sie­gelt wird, ohne dass wir in Holzwickede etwas davon haben. Aber ich könnte es mir tat­säch­lich vor­stellen, dass wir viel­leicht im Westen über die Schä­fer­kamp­straße mit der Bahn eine Lösung finden, ent­weder unter der Bahn durch oder mit einer Brücke dar­über. Das müsste einmal näher unter­sucht werden. Warum sollte das dann nicht erschlossen werden?

Emscher­blog: Also keine Ost‑, son­dern eine West­um­ge­hung?

Wer­binsky: Nein, keine Umge­hungs­straße, son­dern ein­fach nur der Ausbau einer bereits vor­han­denen Straße, ähn­lich wie bei der Mon­tan­hy­drau­lik­straße. Deren Ausbau befür­worten wir Grünen ja auch. Das ist ein guter Schritt zur inner­ört­li­chen Ver­kehrs­ent­la­stung und könnte schon die Lösung für die Ver­kehrs­pro­bleme auf der Haupt- und Nord­straße sein.

Emscher­blog: Das sehen die Ver­kehrs­planer aller­dings anders…

Wer­binsky: Mag sein, aber die haben auch nicht immer recht, weil sie viel­leicht den Ort nicht richtig kennen. Auf der Sölder Straße haben die Gut­achter ja auch gesagt: Anhand der Zahlen gibt es kein Pro­blem auf der Sölder Straße.

Emscher­blog: Was ist denn Ihrer Ansicht nach dort das Pro­blem?

Wer­binsky: Dort gibt es jetzt schon zuviel Quell- und Ziel­ver­kehr und künftig durch den Wohn­park sowieso. Das haben die Ver­kehrs­planer angeb­lich anhand der Zahlen wider­legt. Aber die Anwohner wider­spre­chen da. Weil die Lands­kroner Straße zur­zeit nicht befahren werden kann, merken das gerade noch sehr viel mehr Holzwickeder. Ich sehe ja selbst jeden Morgen, wie viele Autos in die Sölder Straße abbiegen, um in Rich­tung Dort­mund zu fahren. Grund­sätz­lich bin ich eher dafür, vor­han­dene Straßen so aus­zu­bauen, dass der Ver­kehr ordent­lich abfließen kann, anstatt neue Straßen zu bauen. Aber geht ja nicht nur um den Auto- oder Indi­vi­du­al­ver­kehr. Man könnte ja viel­leicht auch ein paar Sharing-Fahr­zeuge bereit­stellen, die dann von meh­reren Per­sonen genutzt werden. Wir müssen unsere Ver­kehrs­po­litik viel­leicht auch mal ganz anders angehen: Ich war vor ein paar Tagen in einem kleinen Ört­chen an der

Grund­sätz­lich bin ich eher dafür, vor­han­dene Straßen so aus­zu­bauen, dass der Ver­kehr ordent­lich abfließen kann, anstatt neue Straßen zu bauen.“

-Susanne Wer­binsky

hol­län­di­schen Grenze. Da gibt es gleich­be­rech­tigen Ver­kehr, das heißt Rad­fahrer, Fuß­gänger und auch Pkw bewegen sich alle gleich­be­rech­tigt in einem Stra­ßen­raum. Da müssen Auto­fahrer sich zurück­nehmen. Das würde ich am lieb­sten auch in Holzwickede ein­führen, denn Holzwickede ist eigent­lich kein Durch­gangsort, wie ich finde. Die Gemeinde soll sich im Kern ent­wickeln können, doch das kann sie nicht, wenn sie wei­terhin Durch­gangsort ist. Ich würde lieber im Kern Auf­ent­halts­qua­lität schaffen, auch auf der Haupt­straße. Bei unseren Rad­wegen, die wir jetzt haben, muss man doch jeden Tag Angst haben, dass man umge­fahren wird.

Emscher­blog: Aller­dings ist die Haupt­straße eine Land­straße, für die die Gemeinde Holzwickede nicht zuständig ist.

Wer­binsky: Da ist leider richtig. Aber kann man da nicht auch mal Gespräche führen über Ver­än­de­rungen? Was heute ist, muss ja nicht für alle Zukunft gelten. Viel­leicht ändert sich daran noch etwas. Man muss auch Visionen haben.

Emscher­blog: Da wir gerade bei Visionen sind: Wie ist denn Ihre Vision zur künf­tigen Finanz­po­litik der Gemeinde. Sehen Sie da über­haupt noch Spiel­räume für Inve­sti­tionen?

Wer­binsky: Ich bin gegen einen rigo­rosen Spar­kurs, der keine Inve­sti­tionen mehr vor­sieht. Ich glaube auch, trotz Corona, dass dies bei uns noch mög­lich ist, weil es nicht so brennt. Was mich aber wirk­lich jedes Mal erschreckt, ist die Höhe der dif­fe­ren­zierte Kreis­um­lage. Das ist ja eine Stell­schraube, die wir selbst in der Hand haben und an der wir noch etwas drehen können. Indem wir zum Bei­spiel ver­su­chen, Kinder sozial besser auf­zu­fangen. Damit es erst gar nicht pas­siert, dass sie aus den Fami­lien genommen werden oder dass Jugend­liche in einem Jugend­haus wohnen müssen. Des­halb müssen auch die Sozi­al­ar­beiter oder Ange­bote wie die Bera­tungs­stelle für junge Mütter am Ort erhalten bleiben oder aus­ge­baut werden. Damit diese Sozi­al­fälle, vor­nehm­lich in der Jugend­ar­beit, erst gar nicht pas­sieren, und die dif­fe­ren­zierte Kreis­um­lage immer weiter steigt. Klar, das ist mit Sicher­heit sehr schwierig umzu­setzen und man muss dafür auch Geld in die Hand nehmen.

Emscher­blog: Ver­stehe ich das richtig, dass Sie dafür plä­dieren, die Jugend­ar­beit vom Kreis zurück­zu­holen? Es gab ja schon mal Über­le­gungen, dass die drei Kom­munen Holzwickede, Frön­den­berg und Bönen ihre Jugend- und Fami­li­en­po­litik in eigener Regie orga­ni­sieren könnten.

Wer­binsky: Ich bin da wirk­lich unschlüssig, ob wir nicht als Gemeinde wieder selbst mehr Jugend­ar­beit über­nehmen sollten. Da habe ich zu wenig Zahlen. Dann hätten wir viel­leicht mehr Mög­lich­keiten etwas umzu­setzen und es wäre am Ende sogar preis­werter. So ein Jugend­zen­trum wie den Treff­punkt Villa könnten wir sicher auch mit eigenen Gruppen am Ort orga­ni­sieren. Da braucht man nicht unbe­dingt ein rie­siges Kreis-Jugendamt. Ich würde mir manchmal auch mehr Sozi­al­ar­beit auf den Straßen und Plätzen wün­schen, etwa im Emscher­park. Das ist ein Thema, was ich gerne anpacken würde. Manchmal gibt es auch För­der­mittel für solche Ansätze. Vor ein paar Tagen war ich zum Bei­spiel an der Ska­ter­an­lage am Treff­punkt Villa und habe dort mit Jugend­li­chen gespro­chen. Die hingen da nur herum und waren nicht so richtig begei­stert von der Anlage. Es lag überall wahn­sinnig viel Müll herum. Ich sage nicht, dass die Gemeinde darauf nicht achtet, den Müll pro­du­zieren die Jugend­li­chen schließ­lich selbst. Aber viel­leicht sollte man ein­fach mal sagen: „Passt auf, das ist doch hier euer Ding. Hier habt ihr 1.000 Euro und macht etwas daraus.“ Wenn die Jugend­li­chen etwas aus eigener Initia­tive machen, werden sie es in der Regel auch hin­terher besser hüten, ist meine Erfah­rung. Unsere Pla­kat­wände in der Unter­füh­rung, die mit Hilfe von Schü­lern erstellt wurden, sind zum Bei­spiel noch nie ver­un­staltet worden.

Emscher­blog: Kommen wir einmal zu einem anderen Thema zurück. Wie sehen Sie die Gemein­de­ver­wal­tung auf­ge­stellt?

Wer­binsky: Ich möchte da jetzt keine gene­relle Kritik äußern. Des­halb nur ein Bei­spiel: Digi­ta­li­sie­rung ist ja gerade ein großes Thema, das auch bei der Gemeinde umge­setzt wird. Die For­mu­lare für die Wahl, die wir als Kan­di­daten aus­füllen müssen, das ist eine ziem­liche Büro­kratie. Allein für die Bür­ger­mei­ster­wahl sind es drei For­mu­lare mit teils fünf Unter­blät­tern. Für jeden Kan­di­daten sind es dann nochmal fünf Blätter, aller­dings auch mit Erklä­rungen. Diese For­mu­lare kann man Com­puter aus­füllen, die sehen auch schön aus – aber bei einem dieser For­mu­lare funk­tio­niert das eben nicht. Also habe ich im Rat­haus ange­rufen und es hieß: Ja, dieses For­mular kann man leider nicht am Com­puter bear­beiten. Ich denke, dass man die Büro­kratie sicher noch mehr digi­ta­li­sieren und ein­fa­cher machen kann, etwa auch bei den Anträgen für den Per­so­nal­aus­weis. Aber da sind wir ja auch schon dabei, so dass man künftig viel­leicht mehr Dinge im Internet erle­digen kann. Eine Sache, worauf ich aber gerade erst erneut ange­spro­chen wurde: Die Inter­net­seite der Gemeinde ist drin­gend zu über­ar­beiten. Da frage ich mich wirk­lich, warum sieht das nie­mand in der Ver­wal­tung? Für mich ist die Gemein­de­seite auch nicht okay, weder inhalt­lich noch optisch. Ich selbst habe zum Bei­spiel eine Ver­an­stal­tungs­reihe ankün­digen wollen, die sich über meh­rere Ter­mine erstreckt. Nach Rück­sprache mit der Ver­wal­tung stellte sich dann heraus, dass jeder ein­zelne der Ter­mine von mir geson­dert ein­ge­geben werden muss in den Ver­an­stal­tungs­ka­lender. So etwa ließe sich sicher­lich wie überall auto­ma­ti­sieren. Bei aller Digi­ta­li­sie­rung darf aber auch der per­sön­liche Kon­takt zum Bürger nicht fehlen. Des­halb ist das Bür­ger­büro auch wichtig. Denn es gibt viele Bürger, vor allem unter den Senioren, die lieber per­sön­li­chen Kon­takt haben, um ihre Ange­le­gen­heiten zu erle­digen.

Emscher­blog: Noch eine Frage zum Abschluss: Wenn Sie zur Bür­ger­mei­sterin gewählt werden sollten, muss die Beleg­schaft im Rat­haus dann fürchten, dass die ehe­ma­lige Gesund­heits­sport­ma­na­gerin des HSC auch Früh­sport im Rat­haus ein­führt?

Wer­binsky (lacht): Auf jeden Fall würde ich BGM (Betrieb­li­ches Gesund­heits-Manage­ment) ein­führen. Erstens wird das super geför­dert. Zwei­tens kann es die Mit­ar­beiter moti­vieren und zusam­men­bringen. Das weiß ich, weil wir Betriebs­sport-Maß­nahmen schon oft für den Kreis Unna oder andere Firmen durch­ge­führt haben. Ich könnte mir auf jeden Fall vor­stellen, auch einen Tag der Gesund­heit ein­zu­führen oder Ruhe­räume zur Ent­span­nung im neuen Rat­haus ein­zu­richten.

Emscher­blog: Vielen Dank für das Gespräch. 

Susanne Wwerbinsky


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Kommentar

  • Wenn ich mich recht erin­nere haben bei der letzten BM Wahl Bündnis90/​Die Grünen und auch andere Par­teien Frau Drossel unter­stützt. Jetzt mit Frau Wer­binsky einen eigenen BM Kan­di­daten? Kann es sein, daß Frau Drossel die Anfor­de­rungen und die Erwar­tungen der dama­ligen Unter­stützer nicht erfüllt hat?

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