Streit mit wütenden Ehemann seiner Ex-Freundin endet auf Anklagebank

Ein Streit mit dem Ehe­mann sei­ner Ex-Freun­din ende­te für den 26-jäh­ri­gen B. mit einer Ankla­ge wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung vor dem Amts­ge­richt Unna. Die Ankla­ge warf dem Holzwicke­der vor, am 8. April mor­gens um 2 Uhr im Land­weg sei­nem Kon­tra­hen­ten meh­re­re Faust­schlä­ge ver­passt zu haben, so dass die­ser zu Boden ging. Anschlie­ßend soll B. dem am Boden Lie­gen­den auch noch gegen den Kopf getre­ten haben. Laut ärzt­li­chen Attest trug das Opfer ein Schä­del-Hirn-Trau­ma davon.   

Der bru­ta­le Schlä­ger, der er nach dem ersten Ein­druck sein könn­te, ist B. aber offen­bar nicht. Auf der Ankla­ge­bank zeig­te sich der bis­lang unbe­schol­te­ne ver­hei­ra­te­te Vater von zwei Kin­dern reu­mü­tig und zu einer umfas­sen­den Ent­schul­di­gung bei sei­nem Opfer bereit. Unge­wöhn­lich: Auf die Vor­hal­tung der Ankla­ge­ver­tre­te­rin äußer­te sich zunächst nur sein Ver­tei­di­ger. Die­ser wies dar­auf hin, dass die erste Aggres­si­on nicht von B. aus­ge­gan­gen sei. Viel­mehr habe es sich um ein „reak­ti­ves Gesche­hen“ gehan­delt. Mit ande­ren Wor­ten:  B. habe in einer Not­wehr-Situa­ti­on „spon­tan reagiert“, da er zuvor von dem Geschä­dig­ten einen hef­ti­gen Faust­schlag ins Gesicht bekom­men.

Überraschende Offenbarung bringt Freund aus der Fassung

Wie es dazu kam, stell­te sich heu­te vor Gericht so dar: Der Ange­klag­te und sein Kon­tra­hent ken­nen sich schon seit 1993 und sind mehr oder weni­ger Nach­barn gewe­sen. Am Abend vor dem Streit hat­te B. sei­nem Freund offen­bart, dass er vor etwa 15 Jah­ren mal mit des­sen heu­ti­ger Ehe­frau liiert gewe­sen sei. Die­se für ihn über­ra­schen­de Offen­ba­rung brach­te den Freund der­art aus der Fas­sung, dass die­ser nach Hau­se in sei­ne Woh­nung in der Reu­ter­stra­ße stürm­te und sei­ne Frau zur Rede stell­te. Es ent­wickel­te sich ein Streit unter den Ehe­leu­ten, in des­sen Ver­lauf die Frau B. anrief und wis­sen woll­te, was die­ser ihrem Mann erzählt habe. Wäh­rend die­ses Gesprächs hör­te B. den toben­den Ehe­mann im Hin­ter­grund und eil­te der Frau zur Hil­fe. Es dau­er­te kei­ne fünf Minu­ten, da tauch­te B. in der Woh­nung des Freun­des auf, „um den Streut zu schlich­ten“, wie er behaup­tet.

Statt­des­sen eska­lier­te der Streit jedoch wei­ter, als er die Frau auf­for­der­te, ihre Kin­der zu wecken und mit zu ihm zu kom­men. Der wüten­de Ehe­mann drosch B. sei­ne Faust ins Gesicht, der mein­te „gegen einen Later­ne gelau­fen“ zu sein. Wenig spä­ter gin­gen B. und der Ehe­mann nach drau­ßen vor die Tür. Nicht um sich zu prü­geln, wie bei­de heu­te ver­si­cher­ten. Viel­mehr hoff­ten bei­den, dass sich die Situa­ti­on ohne die Frau und an der fri­schen Mor­gen­luft beru­hi­gen könn­te.

Die 500 Meter von der Woh­nung in der Reu­ter­stra­ße bis zum Land­weg klapp­te das auch. Doch dann eska­lier­te der Streit wie­der und der Ehe­mann griff B. an. Der ver­pass­te ihm meh­re­re Faust­schlä­ge, der Ehe­mann ging kurz zu Boden und klam­mer­te sich an B., der sich auch mit eini­gen Trit­ten zu befrei­en ver­such­te, wie er heu­te aus­sag­te. „Ich woll­te ihn aber eher beru­hi­gen als ver­prü­geln“, ver­si­chert B.  Der blu­ten­de Ehe­mann troll­te sich nach Haus, wo sei­ne Ehe­frau schließ­lich den RTW alar­mier­te. Nach einem Tag zur Beob­ach­tung wur­de der Ehe­mann aus der Kli­nik ent­las­sen — ohne erheb­li­che Ver­let­zun­gen.

Einstellung gegen Zahlung von 500 Euro Schmerzensgeld

Das atte­stier­te Schä­del-Hirn-Trau­ma bedeu­te ledig­lich, dass es eine „Ein­wir­kung am Kopf gege­ben hat“, wie es heu­te im Gericht­saal hieß, „die noch unter­halb einer Gehirn­er­schüt­te­rung“ zu bewer­ten sei. Auch der Ange­klag­te B. hat­te bei der Aus­ein­an­der­set­zung ledig­lich eine klei­ne Platz­wun­de an der Augen­braue und Schürf­wun­den davon­ge­tra­gen, wie ein Attest zeigt. Straf­an­zei­ge erstat­te­te der Ehe­mann, der den Sach­ver­halt im Zeu­gen­stand im Wesent­li­chen so bestä­tig­te, kei­ne.

Den­noch beson­ders hei­kel für den Ange­klag­ten: Er hat gera­de eine Voll­zeit­an­stel­lung im Boden­ver­kehrs­dienst des Dort­mun­der Flug­ha­fens ange­tre­ten. Mit einer Vor­stra­fe wür­de er sei­nen Arbeits­platz sofort wie­der ver­lie­ren, wie sein Ver­tei­di­ger erklärt: „Die­ser Arbeit­ge­ber nimmt es damit sehr genau und über­prüft die Mit­ar­bei­ter auch jedes Jahr erneut, was ja auch nur rich­tig ist.“

Wegen des dro­hen­den Ver­lu­stes der Arbeits­stel­le und weil bei­de Kon­tra­hen­ten erklär­ter­ma­ßen Reue zei­gen und das Kriegs­beil begra­ben haben, bean­trag­te der Ver­tei­di­ger die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens. Zumal die Kör­per­ver­let­zun­gen kei­ne schwer­wie­gen­den Fol­gen hat­ten. Auch die Ankla­ge­ver­tre­te­rin hat­te kei­ne Ein­wän­de. Dar­auf­hin stell­te Rich­ter Jörg Hücht­mann das Ver­fah­ren vor­läu­fig unter der Vor­aus­set­zung ein, dass der Ange­klag­te B. dem geschä­dig­ten Ehe­mann ein Schmer­zens­geld in Höhe von 500 Euro zahlt.

Print Friendly, PDF & Email
visage

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.