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Auszeichnung der Initiative "Willkommen in Holzwickede", von li.: Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Ulla Voswinkel, Jochen Hake (Vorsitzender Beirat Stiftung Gutes Tun), Ursula Hagedorn, Maged Jirkeen, Roswitha Göbel-Wiemers und Klaus Moßmeier (Aufsichtsratsvorsitzender Sparkasse). (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Stiftung „Gutes Tun“ vergibt neuen Bürgerpreis an Initiative „Willkommen in Holzwickede“ und Kim Friehs

Auszeichnung der Initiative "Willkommen in Holzwickede", von li.: Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Ulla Voswinkel, Jochen Hake (Vorsitzender Beirat Stiftung Gutes Tun), Ursula Hagedorn, Maged Jirkeen, Roswitha Göbel-Wiemers und Klaus Moßmeier (Aufsichtsratsvorsitzender Sparkasse). (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Auszeichnung der Initiative „Willkommen in Holzwickede“, von li.: Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Ulla Voswinkel, Jochen Hake (Vorsitzender Beirat Stiftung Gutes Tun), Ursula Hagedorn, Maged Jirkeen, Roswitha Göbel-Wiemers und Klaus Moßmeier (Aufsichtsratsvorsitzender Sparkasse). (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Die Stiftung „Gutes Tun“ hatte am, Sonntagvormittag (19. Juni) zum Stifterforum in den Emscherquellhof eingeladen. Erstmals wurde in diesem Rahmen auch der neue Bürgerpreis der Stiftung vergeben — und zwar zweigeteilt: Erste Preisträger des mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Bürgerpreises sind die Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Holzwickede“ (3.000 Euro) sowie Kim Friehs (2.000 Euro).

Einen Bürgerpreis, der von unabhängiger Stelle aufgrund von Vorschlägen vergeben wird, die jeder einreichen kann und soll, hat es bislang in Holzwickede noch nicht gegeben. Die Stiftung Gutes Tun hat diesen Preis geschaffen, um damit das ehrenamtliche Engagement im gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich zu ehren und zu fördern (Emscherblog berichtete).

„Unsere Gesellschaft ist verstärkt auf solches persönliches Engagement angewiesen: Denn nicht wenige Angebote können durch Behörden, Institutionen und Politik und deren Entscheidungen nicht vorgehalten werden“, wie Jochen Hake, der Vorsitzende des Beirates der Stiftung, dazu erläuterte. „Wir möchten mit dem Holzwickeder Bürgerpreis in zweijährigem Rhythmus gute Beispiele von Bürgerengagement auszeichnen und als vorbildlich präsentieren.“

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury, die sich aus Bürgermeisterin Ulrike Drossel, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Unna-Kamen, Klaus Moßmeier, und Mitgliedern des Beirates sowie den Holzwickeder Kuratoriumsvertretern zusammensetzt.

Der Preis kann an Einzelpersonen, Vereine, Organisationen und Gruppen vergeben werden, die ein Projekt oder eine langjährige Arbeit im Bereich des Ehrenamtes repräsentieren. Der mit der Auszeichnung verbundene Geldpreis soll dabei ausschließlich der Einrichtung oder dem Projekt zufließen, das von den Preisträgern repräsentiert wird. „Es handelt sich also nicht um eine persönliche Zuwendung an den oder die namentlich Geehrten“, betont Jochen Hake.

Kleine Anfänge mit beachtlichem Ergebnis

„Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.“ Dieses Zitat des französischen Schriftstellers André Gide stellte Jochen Hake seiner Laudatio für die Initiative „Willkommen in Holzwickede“. Nach dieser Maxime hätten auch diejenigen gehandelt, die im Jahr 2014 über alle Konfessionen hinweg damit begonnen hätten, Menschen in Notsituationen etwas zu geben und sie damit glücklich zu machen. „Vielleicht nur im Kleinen, aber wiederkehrend und in der Summe führt dies zu einem beachtlichen Ergebnis.“

Die beiden Protagonistinnen der ersten Stunde, Roswitha Göbel-Wiemers und Ulla Voswinkel, bemerkten damals vor acht Jahren den häufigeren Besuch von dunkelhäutigen Gläubigen in der katholischen und evangelischen Kirche und tauschten sich dazu aus. Sie besuchten die Durchgangsunterkünfte an der Massener Straße, die damals – anders als heute – in einem katastrophalen Zustand waren. „Die angetroffenen Flüchtlinge waren mehr als dankbar für die Hilfe und Zuneigung, die ihnen plötzlich entgegengebracht wurde“, berichtet Jochen Hake. Tatkräftig organisierten die beiden Frauen alsbald größere Zusammenkünfte im Alois-Gemmeke-Haus, stellten den Neuankömmlingen Angebote in der Gemeinde vor, die sie nicht kannten und von denen sie nichts wussten: die Holzwickeder Tafel, das Sozialkaufhaus, Rat und Tat, die Schulmaterialkammer.

„Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.“

– André Gide (französischer Schriftsteller)

Was das für diese Flüchtlinge bedeutete, mag man daran ermessen, was einer der Geflüchteten der Initiative damals schrieb: „Ich bin seit mehreren Jahren hier und werde zum ersten Mal als Mensch wahrgenommen.“

Mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen im Jahr 2015 stiegen auch die Aufgaben für die Initiative „Willkommen in Holzwickede“, wie sie sich inzwischen nannte: Sprachkurse wurden organisiert, Beistand bei Behördengängen und Rechtsberatungen geleistet, Konfliktberatung und psychologische Betreuung durchgeführt, Sport- und Freizeitangebote organisiert, Bildung und Sprache gefördert und vieles mehr – alles ehrenamtlich.

Unermesslicher Einsatz — und ebensolche Hilfe

Zu den Mitwirkenden der ersten Stunde, die auch heute noch dabei sind, zählen neben Ulla Hagedorn und Roswitha Göbel-Wiemers, Ulla Voswinkel und Brigitte Krusch-Schlüter auch Uschi Bergmann, Eva Holtze, Friedhelm Nusch, Friedhelm Klemp, Susanne Bracke, Bernd Schröter, Regine Kamradt-Leder, Susanne Lemken, Felicitas Brandt und Isabell Voswinkel.

Heute stellt sich die Arbeit der Initiative etwas anders dar, obwohl sie in den Grundzügen gleich geblieben ist: Durch den schrecklichen Angriffskrieg Putins in der Ukraine kommen wieder mehr Flüchtlinge in die Gemeinde, überwiegend aus der Ukraine. Sie bringen zumeist andere persönliche Voraussetzungen mit als die Geflüchteten aus Syrien oder anderen Kriegsgebieten. Die Initiative bietet Sprechstunden an, begleitet bei Besuchen des Ausländeramtes, der Arbeitsverwaltung und gibt Hilfestellung im Alltagsleben.

„Der persönliche und zeitliche – manchmal auch der eigene finanzielle – Einsatz Ihrer Mitglieder ist unermesslich, jetzt wie in der Vergangenheit. Unermesslich sind aber auch die Hilfe und die Momente der Beruhigung und des Glücks, die Sie – ich darf es einmal so formulieren — Ihren Patenkindern, die zu uns geflohen sind und die so tragische persönliche Schicksale erleiden mussten, zuteilwerden lassen“, so Jochen Hake.

Im Namen der Jury überreichten Klaus Moßmeier und Jochen Hake den ersten Bürgerpreis, verbunden mit einer Preissumme von 3.000 Euro, an die Initiative „Willkommen in Holzwickede“, die durch Ulla Hagedorn, Roswitha Göbel-Wiemers und  Maged Jirkeen vertreten wurde.

Ebenfalls mit dem neuen Bürgerpreis der Stiftung ausgezeichnet, von li.: Jochen Hake und Klaus Moßmeier mit Kim Friehs undf seinem Laudator Uli Bär. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Ebenfalls mit dem neuen Bürgerpreis der Stiftung ausgezeichnet, von li.: Jochen Hake und Klaus Moßmeier mit Kim Friehs und seinem Laudator Uli Bär. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Ein Vorbild und Motivator für junge Generation

Der zweite Preisträger des neuen Bürgerpreises heißt Kim Friehs, der bei der Veranstaltung heute auch für den musikalischen Rahmen zuständig war und den Stifterinnen und Stiftern, so sie ihn noch gar nicht kannten, ein paar Kostproben seines Talentes offenbarte. „Völlig überrascht“, so Kim Friehs, nahm er die mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen.

Uli Bär erinnerte in seiner Laudatio dan as große Engagement Kim Friehs im kulturellen Bereich, insbesondere für die junge Generation: Sei es, dass er beim Weltkindertag mit Kindern im Emscherquellhof musiziert, im Clara-Schumann-Gymnasium die ersten Aufführung von Musicals inszenierte oder mit dem Schulchor in der WDR-Reihe „Der beste Chor im Westen“ erfolgreich war. So führte sein engagierter Einsatz für die Musical AG am Holzwickeder Gymnasium auch dazu, dass sich der Theater- und Musicalverein „Vorhang auf! Holzwickede“ gründete. Als dessen musikalischer Leiter zeichnet er bereits für zwei erfolgreiche Musical-Aufführungen („Natürlich blond“ und „Rock of Ages“) verantwortlich. Als Solist konnte er auch bei dem Vox-Format „Voice of Germany“ Erfolge feiern.

Kultur, Kreativität und die Musik sind gerade in Zeiten der Pandemie wichtig, erinnerte Uli Bär in seiner Laudatio. Kim Friehs sei jemand, der Kinder und Jugendliche auch durch sein Vorbild dazu motiviert und sie dabei unterstützt, sich auf diesem Gebiet auszuprobieren und sich zu engagieren. In ihm ehrt die Stiftung Gutes Tun ganz bewusst einen Vertreter der jungen Generation, der sich ehrenamtlich und bürgerschaftlich engagieren.

Stiftung „Gutes Tun“ in Holzwickede erfolgreich

Freude über über die Spende der Stiftung Gutes Tun, vorne: Schulleiter Klaus Helmig und die Vorsitzende des Fördervereins der Hauptschule, Angelika Hartjenstein sowie dahinter die beiden Vertreter der Stiftung Gutes Tun, Ludwig Oesingmann (li.) und Jochen Hake (re.) (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Eines der von der Stiuftung „Gutes Tun“ unterstützten Projekte war das Trixit Sportevent an der Josef-Reding-Schule: Schulleiter Klaus Helmig und die Vorsitzende des Fördervereins der Hauptschule, Angelika Hartjenstein (vorn) sowie dahinter die beiden Vertreter der Stiftung Gutes Tun, Ludwig Oesingmann (li.) und Jochen Hake (re.) (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Vor der Preisverleihung hatte Klaus Moßmeier dargelegt, wie erfolgreich die Stiftung Gutes Tun der Sparkasse schon innerhalb kürzester Zeit in Holzwickede agiert.  So hat die Stiftung in Holzwickede inzwischen nicht nur mehr Stifter (91) als Fröndenberg oder Kamen, sondern auch mehr Stiftungsfonds (vier) mit dem meisten Kapital (140.000 Euro).

Aktuell stehen noch 42.800 Euro an auszuschüttenden Spenden zur Verfügung.  

Dabei hat die Stiftung im Jahr 2021 folgende Projekte in Holzwickede unterstützt: 88 Tasten für Holzwickede (2.400 Euro), Osteraktion für die Tafel (2.000 Euro), Sportevent Trixit Josef-Reding-Schule (1.600 Euro), 2. Weltkindertag auf dem Emscherquellhof (1.000 Euro),  Aufwertung Umfeld ehem. Küsterhaus (2.000 Euro), Aktion Weihnachtsgeld aus dem Hermann und Rita Schwarz-Fond (2.000 Euro).

Kunst für das Rathaus

Von der Stiftung "Gutes Tun" für das Foyer im neuen Rathaus angeschafft: die Skulptur Holzblüter von Gordon Brown. (Foto: Stiftung Gutes Tun)
Von der Stiftung „Gutes Tun“ für das Foyer im neuen Rathaus angeschafft: die Skulptur Holzblüter von Gordon Brown. (Foto: Stiftung Gutes Tun)

Außerdem förderte die Stiftung die Anschaffung der Skulptur Holzblütenpaar des Künstlers Gordon Brown für das neue Rathaus. Das aus Lärche entwickelte Holzblüterpaar – also zweiteilig – in einer Höhe von 2,65 bzw. 2,68 Meter passe zur Emscherquellgemeinde, erläuterte Jochen Hake die Überlegungen innerhalb des Beirates, die zu dieser Entscheidung geführt haben:

So findet sich der Bezug zum Material Holz bereits im Ortsnamen wieder. Zum Künstler gebe es lokale und grenzüberschreitende Bezüge. Gordon Brown, sei 1958 in Iserlohn, also nahe bei, geboren. Sein Vater war Kandier, die Mutter Deutsche. Nach der Ausbildung zum Tischler und Holzbildhauer studierte er Objektdesign an der FH und Uni in Dortmund und Bielefeld. Danach nahm er, neben diversen deutschen Ausstellungsorten,  an diversen nationalen und internationalen Ausstellungen teil, u.a. in Rotterdam und Wales. Er ist Träger des Emil-Löhnberg-Kunstpreises der Stadt Hamm und der Kulturstiftung der Sparkasse. Im Jahr 2020 verstarb der Künstler leider zu früh.

Der Künstler Gordon Brown habe bei seiner Arbeit stets Wert auf die Bezüge zum Regionalen, zur Natur gelegt und bei der Auswahl der Materialien und auch familiär eine gewisse Internationalität gehabt, die über Grenzen hinweg dachte und handelte. „Auch letzteres passt zu Holzwickede als ,Gemeinde mit Courage – Gemeinde ohne Rassismus‘ und als ,Gemeinde Europas‘“, zeigt sich Jochen Hake überzeugt. Aufgestellt werden soll Gordon Browns Holzblüterpaar im architektonisch ansprechend gestalteten Foyer des neuen Rat- und Bürgerhauses.

Mit angeregten Gesprächen bei einem kleinen Imbiss klang das Stifterforum nach der Preisverleihung im Emscherquellhof aus.


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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