Regionales Ausbildungsmanagement: Passgenaue Beratung als Modell für NRW

Unter der Regie der Werkstatt Unna konnten über 100 Jugendliche passgenaue vermittelt werden: Eine Auszubildende räumt, angeleitet von einer Verkäuferin, ein Regal im Supermarkt ein. (Symbolfoto: Fotolia)
Unter der Regie der Werk­statt Unna konnten über 100 Jugend­liche pass­ge­naue ver­mit­telt werden: Eine Aus­zu­bil­dende räumt, ange­leitet von einer Ver­käu­ferin, ein Regal im Super­markt ein. (Sym­bol­foto: Fotolia)

Aus­bil­dungs­fä­hige Jugend­liche finden keine Lehr­stelle, Aus­bil­dungs­be­triebe können ihre Nach­wuchs­stellen nicht besetzen, weil sie nicht den pas­senden Bewerber finden. Diese schon typi­sche Situa­tion der Vor­jahre könnte sich im Zuge der Corona-Pan­demie bis zum Herbst erheb­lich zuspitzen, wenn Betriebe in wirt­schaft­li­chen Not­si­tua­tionen ihre Aus­bil­dungs­plätze nicht besetzen können. Das „Regio­nale Aus­bil­dungs­ma­nage­ment“ im Kreis Unna hatte es sich erfolg­reich zum Haupt­an­liegen gemacht, Betriebe und Jugend­liche pass­genau zusam­men­zu­bringen. Das Modell­pro­jekt wird jetzt im Lande Schule machen: Die Impulse werden bei der lau­fenden Neu­ge­stal­tung des Über­gangs­sy­stems von Schule zu Beruf ein­fließen.

Dies sicherten Ste­phanie Pudenz, Refe­rats­lei­terin im Mini­ste­ri­umfür Schu­leund Bil­dung, sowie Dr. Jens Stuhl­dreier, Refe­rats­leiter im NRW-Arbeits­mi­ni­ste­rium, zu. Auf Ein­la­dung von Landrat Makiolla tagte Sep­tember eine hoch­ka­rä­tige Exper­ten­runde am 9. Sep­tember im Kreis­haus.

Mehr als 1.000 Jugendliche und 550 Betriebe beraten

Auf Einladung von Landrat Michael Makiolla tagte eine hochkarätige Expertenrunde zum Thema Ausbildungsmanagement im Kreishaus. (Foto: mobilotat.de)
Auf Ein­la­dung von Landrat Michael Makiolla tagte eine hoch­ka­rä­tige Exper­ten­runde zum Regio­nalen Aus­bil­dungs­ma­nage­ment im Kreis­haus. (Foto: mobilotat.de)

Von 2017 bis 2019 wurden im Rahmen des Modell­ver­su­ches „Regio­nales Aus­bil­dungs­ma­nage­ment“ (RAM) unter der Regie der Werk­statt im Kreis Unna im Kreis Unna/​Hamm über 1.000 Jugend­liche und mehr als 550 Betriebe erreicht und intensiv beraten. Am Ende fanden nach pass­ge­nauer Ver­mitt­lung 100 junge Men­schen den Weg zum Berufs­ab­schluss. Ent­wickelt und getragen wurde der inno­va­tive Ansatz von den Geschäfts­füh­rungen und Lei­tungen aller rele­vanten Arbeits­markt­ak­teure, von der Bun­des­agentur für Arbeit und den beiden Job­cen­tern im Kreis Unna und Hamm, über die IHK zu Dort­mund, die Hand­werks­kammer und die Kreis­hand­wer­ker­schaft Hellweg, den DGB bis hin zum Kreis Unna. Zen­trale Ziel­gruppe waren aus­bil­dungs­fä­hige Jugend­liche ohne Berufs­ab­schluss an den Berufs­kol­legs der Region. Die prak­ti­sche Umset­zung erfolgte durch die Werk­statt im Kreis Unna, die auch die För­de­rung beim Arbeits­mi­ni­ste­rium NRW und dem euro­päi­schen Sozi­al­fond ein­lobte.

Frühe und individuelle Berufsortientierung wichtig

Die Aus­wer­tung der betei­ligten Partner Ende 2019 fiel überaus positiv aus, und man ver­ab­re­dete sich darauf, gemeinsam mit den beiden zustän­digen Mini­ste­rien (Arbeit und Schule) Bilanz zu ziehen. Die hoch­ka­rä­tige Runde war sich einig: Das Aus­bil­dungs­ma­nage­ment war erfolg­reich, auch als Bau­stein in der erfolg­rei­chen Hal­bie­rung der Jugend­ar­beits­lo­sig­keit im Kreis. Gelernt haben alle Betei­ligten: Der Schwer­punkt müsse bei einer früh­zei­tigen und indi­vi­du­ellen Berufs­ori­en­tie­rung aus­bil­dungs­fä­higer Jugend­li­cher liegen. Wenn pass­ge­naue und moti­vierte Bewerber*nnen gefunden wären, seien auch die nötigen Lehr­stellen ver­fügbar und zu besetzen. Berufs­ori­en­tie­rung allein in den all­ge­mein­bil­denden Schulen reiche nicht aus, gerade auch in den Berufs­kol­legs müsse eine wei­tere Poten­zi­al­be­ra­tung und früh­zei­tige Ori­en­tie­rung erfolgen, damit Schü­le­rinnen und Schüler hier keine sinn­losen „War­te­schleifen“ drehen und am Ende doch am höheren Schul­ab­schluss schei­tern, emp­fahl auch Dr. Heike Stie­pel­mann, Schul­lei­terin des Fried­rich-List-Berufs­kolleg Hamm.

Es wird eine Dau­er­auf­gabe bleiben, Jugend­liche gerade aus den Berufs­kol­legs und ver­füg­bare Stellen in der Region syste­ma­tisch zusam­men­zu­bringen.“

Her­bert Dör­mann (Werstatt Unna)

Landrat Michael Makiolla hofft: „Es wäre gut und wün­schens­wert, wenn das Land erfolg­reiche Ele­mente des regio­nalen Aus­bil­dungs­ma­nage­ments, wie etwa die ziel­ge­rich­tete Bera­tung von Berufs­schü­lern, in sein Regel­sy­stem ein­ar­beiten würde. Dies könnte sowohl grund­sätz­lich beim Kampf gegen den Fach­kräf­te­mangel helfen als auch in der momen­tanen Corona-Krise eine wich­tige Unter­stüt­zung bieten“. Für Werk­statt-Geschäfts­führer Her­bert Dör­mann spre­chen die aktu­ellen Aus­bil­dungs­zahlen für sich. Von den 3.680 Lehr­stel­len­be­wer­bern im Bereich der Arbeits­agentur Hamm waren im August noch immer 700 unver­sorgt. Auf der anderen Seite blieben bisher noch 634 der 3.113 Aus­bil­dungs­stellen unbe­setzt: „Es wird eine Dau­er­auf­gabe bleiben, Jugend­liche gerade aus den Berufs­kol­legs und ver­füg­bare Stellen in der Region syste­ma­tisch zusam­men­zu­bringen“, sagt Dör­mann. Der Landrat und der Werk­statt-Geschäfts­führer werden die Ergeb­nisse des Modell­pro­jektes und die daraus abge­lei­teten For­de­rungen und Emp­feh­lungen jetzt noch einmal beiden Fach­mi­ni­stern schrift­lich mit­teilen. Dass die Briefe dort auf offene Ohren treffen, sicherten deren Ver­treter bei der Fach­ta­gung im Kreis­haus zu.

Ausbildungsmanagement, Werkstatt Unna

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