Stellten heute die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 vor, v.l.: Peter Schwab (Abteilungsleiter Polizei), Landrat Michael Makiolla und Matthias Strickmann (Leiter Direktion Kriminalität). (Foto: P. Gräber Emscherblog)

Polizeistatistik: Kriminalität im Kreis Unna erneut deutlich rückläufig

Stellten heute die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 vor, v.l.: Peter Schwab (Abteilungsleiter Polizei), Landrat Michael Makiolla und Matthias Strickmann (Leiter Direktion Kriminalität). (Foto: P. Gräber Emscherblog)
Stellten heute die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 vor, v.l.: Peter Schwab (Abteilungsleiter Polizei), Landrat Michael Makiolla und Christoph Strickmann (Leiter Direktion Kriminalität). (Foto: P. Gräber Emscherblog)

Die landesweit positive Bilanz zur Gesamtkriminalität, die NRW-Innenminister Herbert Reul verkündete, fällt im Kreis Unna noch einmal deutlich erfreulicher aus. Darauf wies Landrat Michael Makiolla heute (2. Februar) bei der Bekanntgabe der Kriminalstatistik für den Kreis Unna (ohne Lünen) hin. „Die niedrigste Gesamtkriminalität seit 1990, die wir voriges Jahr vermelden konnten, ist dieses Jahr noch einmal unterschritten worden“, so Makiolla. Der bei 20.714 angezeigten Taten liegende Mittelwert der vergangenen zehn Jahre wurde in 2019 um mehr als 17 Prozent unterschritten.  Die Straßenkriminalität ist um fast 300 Fälle zurückgegangen, auch die Wohnungseinbrüche sind im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr noch einmal um über zehn Prozent zurückgegangen. „Insgesamt liegen wir mit 432 Straftaten weniger unter dem Vorjahresniveau.“

 Trotz dieser beruhigenden Entwicklung wird die Kreispolizei ihre konsequente Ausrichtung mit den Schwerpunkten auf Wohnungseinbrüche sowie Straßen- und Jugendkriminalität beibehalten, kündigte der Landrat an.

Wie Kriminaloberrat Christoph Strickmann, seit Januar neuer Leiter der Direktion Kriminalität, anschließend für die einzelnen Kommunen aufgeschlüsselt darlegte, wurden in Holzwickede im Vorjahr von der Polizei 772 Straftaten in Holzwickede erfasst (2018: 771). Damit ist Holzwickede neben Selm und Kamen eine der drei Kommune kreisweit, in die Zahl der Straftaten leicht gestiegen ist (0,13%).  Allerdings handelt es sich real nur um eine einzige Straftat mehr. In Unna (-11,16%), Bönen (-12,.01%) oder auch Bergkamen (-10,65%) hat es dagegen deutlich weniger Straftaten gegeben als im Jahr davor.

Der Großteil der Kriminalität sind Straftaten im Vermögensbereich (z.B. Diebstahl 36,89%, Vermögens-, Fälschungsdelikte 16,23%). Straftaten gegen das Leben (0,06%) oder Sexualstrafen (1,17%) gab es nur sehr wenige. Dennoch sind gerade diese wenigen, aber spektakulären Taten besonders öffentlichkeitswirksam.

772 Straftaten in Holzwickede im Vorjahr

Die Gemeinde Holzwickede liegt in allen erfassten Bereichen mit weitem Abstand im unteren Bereich der Statistiken. Wobei die objektive Sicherheitslage nicht zwingend das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger in Holzwickede (oder auch anderswo) widerspiegelt.

Hier seien die Polizei ebenso wie auch die Medien gefragt, die ebenfalls mit diesem Phänomen zu kämpfen hat, betont Peter Schwab, Abteilungsleiter der Kreispolizei. „Es gibt diese Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung und einer überaus erfolgreichen Entwicklung bei der Bekämpfung Kriminalität. Hier sind wir noch nicht soweit, die Bevölkerung mitnehmen zu können“, räumt der Leiter der Polizei durchaus selbstkritisch ein. Damit sich die Schere zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiver Sicherheitslage schließt, können Polizei wie Medien nur immer wieder informieren. Die Polizei will ihre Öffentlichkeitsarbeit weiter intensivieren, aber auch, etwa über die Bezirksbeamten, mehr Präsenz zeigen.  

„Diese Unsicherheit der Menschen ist allerdings auch nicht neu und war auch früher schon so“, betont Landrat Michael Makiolla. „Neu ist nur, dass uns die Menschen weniger glauben, wenn wir ihnen die Fakten nennen.“  

„Mit Sorge“ beobachtet Schwab in diesem Kontext die einschlägigen Internetplattformen, „wo völlig ungefilterte und ungeprüfte Behauptungen“ von Nutzern kolportiert werden.  Auch diese Plattformen will die Polizei intensiver beobachten und bei Fake-News auch eingreifen und diese klarstellen.

Auch Gewaltkriminalität rückläufig

Der Anteil der Straßenkriminalität ist auf insgesamt 4.756 Fälle kreisweit gesunken in 2019 (Vorjahr: 5.021), wobei die Straßenkriminalität gerade einmal vier Prozent aller Straftaten in Holzwickede ausmacht. In konkreten Zahlen gab es in Holzwickede 195 Fällen, 39 Fälle (-16,67%) weniger als im Vorjahr. „Das Risiko ein Opfer von Straßenkriminalität zu werden ist also deutlich gesunken“, stellt Christoph Strickmann für den ganzen Kreis (außer Lünen) fest.  

Ähnlich verhält es sich mit der Gewaltkriminalität. Hier sank die Zahl der Straftaten kreisweit auf 609 Fälle (Vorjahr: 651). In Holzwickede gab es 25 Fälle wie im Vorjahr, wobei die Gewaltkriminalität vier Prozent aller Straftaten in der Gemeinde ausmacht.

„Das Risiko ein Opfer von Straßenkriminalität zu werden ist also deutlich gesunken“

Christoph Strickmann

Kreisweit verzeichnet die Polizei 200 Sexualstraftaten – sechs mehr als im Vorjahr. Gründe dafür sieht die Polizei in einem veränderten Anzeigeverhalten, erhöhter Sensibilität der Bevölkerung und einer Strafrechtsänderung. So ist die sexuelle Belästigung ein eigener Straftatbestand mit der Änderung geworden. „Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig, teilweise fehlt es auch völlig an Unrechtsbewusstsein“, weiß Christoph Strickmann und nennt als Beispiel die Verbreitung von pornografischen Schriften an Schulen. „Das ist ein neuer Klassiker: Wenn etwa ein 13-jährige per WhatsApp einem ebenfalls 13-jährigen Klassenkameraden ein pornografisches Foto schickt, ist das strafbar und gilt als sexueller Missbrauch. Das wissen die meisten gar nicht.“  

Die Raubkriminalität ist kreisweit auf 153 Fälle gesunken (-4). In der Emschergemeinde hat sich die Zahl der Straftaten in diesem Bereich auf fünf Fälle halbiert gegenüber dem Vorjahr (-50%) Der kreisweit rückläufige Trend wurde im Januar nun einmal kurz unterbrochen, als es in Kamen eine Raubserie gab.

18 Wohnungseinbrüche am Ort im Jahr 2019

Polizei
Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist weiter rückläufig. Kreisweit gab es 342 Fälle im Vorjahr. (Symbolfoto: Polizei)

Die Diebstahlskriminalität ist sank kreisweit auf 6.294 Fälle (Vorjahr: 6.870) Bemerkenswert, wenn auch nicht ungewöhnlich: Die Aufklärungsquote der Polizei liegt hier bei 22,72%. Bei den Wohnungseinbrüchen werden sogar nur 8,456% aller Fälle aufgeklärt. Deutlich erfreulicher ist die weiter gesunkene Zahl der Wohnungseinbrüche im Kreis Unna auf „nur“ noch 432 Fälle (Vorjahr: 484) Mit einem Anteil von vier Prozent an diesen Delikten hat es nirgendwo im Kreis Unna weniger Wohnungseinbrüche gegeben als in Holzwickede: In totalen Zahlen gab es dennoch mit 18 Wohnungseinbrüchen zwei mehr als im Vorjahr in Holzwickede.

Deutlich rückläufig, wie im gesamten Diebstahlsbereich, sind auch die Zahlen der Taschendiebstähle: 303 (Vorjahr: 337) sowie der Diebstähle an/aus und von Kfz: 1.022 (Vorjahr: 1.116).  Letztere sind in Holzwickede auf 46 Fälle gesunken, das sind zehn Fälle weniger als im Vorjahr (-17,86%)

Dagegen ist die Zahl der Fahrraddiebstähle ganz gegen den Trend kreisweit auf 1.075 Fälle gestiegen (Vorjahr: 1.014).  

Die Betrugskriminalität ist ebenfalls rückläufig: 2.094 Fällen im Jahr 2019 stehen 2.311 Fälle im Vergleichsjahr 2018 gegenüber. Sorge bereitet der Polizei jedoch der Betrug zum Nachteil älterer Menschen, von denen es einen Fall in Holzwickede gab. Kreisweit hat es hier 39 Fälle und damit 22 mehr als im Vorjahr (17) gegeben.  Mit 207.600 Euro ist der Gesamtschaden jedoch enorm. Außerdem zeigt der deutliche Anstieg von 1.319 Fällen gegenüber 589 Fällen im Jahr davor die tatsächliche Entwicklung. Denn in dieser Zahl sind auch die Versuche dokumentiert, mit denen die Täter versuchten, Senioren z.B. mit dem „Enkeltrick“ abzuzocken. Die Polizei setzt hier vor allem auf Aufklärung und Information. „Gerade hier sind wir aber auch auf ein hohes Maß der Mitarbeit durch die Bevölkerung angewiesen“, betont Christoph Strickmann. Auch die Geldinstitute und Ärzte seien inzwischen sensibilisiert für die Problematik.

Die Zahl der Rauschgiftdelikte sank kreisweit auf 759 Fälle (Vorjahr: 966). Auffällig, so Strickmann, ist ein Trend zum Selbstanbau. Die Polizei findet immer mehr private Plantagen. Das spiegelt sich auch in der Sicherstellungsbilanz (Vorjahreszahlen in Klammern) des Vorjahres:

  • Marihuana 27.999 Gramm (24.075 Gramm)
  • Haschisch 467 Gramm (183 Gramm)
  • Amphetamine 6.521 Gramm (1.754 Gramm)
  • Kokain 47 Gramm (870 Gramm)
  • Heroin 32 Gramm (5 Gramm)
  •   Ecstasy 1.231 Stück (749 Gramm)
  • Bargeld 27.566 Euro (31.021 Euro)

Hoher Anteil jugendlicher Straftäter

Bei der Altersstruktur der Tatverdächtigen fällt auf, dass Anteil der jugendlichen Straftäter unter 21 Jahren mit (23,25%) gemessen am Bevölkerungsanteil dieser Altersgruppe (19,22%) deutlich überproportional höher ist. Diese Überrepräsentanz jugendlicher Straftäter, sei allerdings nicht ungewöhnlich so die Polizei. Insgesamt waren Kinder, Jugendliche und Heranwachsende voriges Jahr in 2.087 Fällen an Straftaten im Kreis beteiligt – das sind weniger Straftaten als im Vergleichsjahr 2018 (2.894). Ebenfalls erfreulich: Mit 221 Fällen gibt es auch einen leichten Rückgang dieser Altersgruppe an Gewaltstraftaten (Vorjahr: 241).

Der Blick auf die Polizeistatistik der Tatverdächtigen, aufgeschlüsselt nach Nationalitäten, zeigt: Der Ausländeranteil der Tatverdächtigen (25 Prozent) ist gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil (9%) tatsächlich überproportional hoch. Konkret kamen aus der Türkei 3,6%, Rumänien 3,3%, Syrien 2,4%, Polen 3,4%, Serbien 1,4%, Kosovo 1%, sonstige 11,1% der Straftäter.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass nur 6,01% der ausländischen Straftäter Asylbewerber oder mit Duldung hier lebende Ausländer sind. Noch deutlicher relativiert sich diese Zahl beim Blick auf die Altersstruktur und Art der Kriminalität ausländischer Straftäter. Denn zum einen handelt es sich bei den Straftätern mit ausländischer Nationalität überwiegend um jugendliche Täter, folglich bei den begangenen Straftaten um typische Jugenddelikte oder solche, die nur von Ausländern begangen werden können wie etwa unerlaubte Einreisen oder Verstöße gegen das Asylgesetz. Sexualdelikte wurden im vergangenen Jahr beispielsweise kein einziges Mal angezeigt, so Christoph Strickmann.

Kriminalität


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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