Paradox: Gefahrenstelle auf Schulweg beseitig – der gilt danach als unsicher

Bei der Ausfahrt aus dem unteren Stennert sind Radfahrer von links auf dem Rad- und Gehweg nur sehr spät erkennbar.  Deshalb müssen Fahrradfahrer in diesem Bereich nun die Straße nutzen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Bei der Aus­fahrt aus dem unteren Sten­nert sind Rad­fahrer von links auf dem Rad- und Gehweg nur sehr spät erkennbar. Des­halb müssen Fahr­rad­fahrer in diesem Bereich nun die Straße nutzen. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Es ist paradox: Weil die Gemeinde Holzwickede einen unsi­cheren Schulweg durch Besei­ti­gung einer Gefah­ren­stelle sicherer gemacht hat, gilt der Schulweg nun als unsi­cher und es fallen seit über einem Jahr erhöhte Schü­ler­be­för­de­rungs­ko­sten an.

Es geht um die Ein­mün­dung unterer Auf dem Sten­nert in die Holzwickeder Straße, die aktuell wegen der Bau­ar­beiten an der Auto­bahn­brücke für den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr gesperrt ist. Von Opher­dicke kom­mend müssen sich Fuß­gänger und Rad­fahrer den Gehweg auf der rechten Seite teilen. Vor mehr als einem Jahr mel­dete sich ein Anwohner: Er könne nicht garan­tieren, dass nicht eines schlechten Mor­gens ein radelnder Schüler über seine Motor­haube fliegt. Denn bei der Aus­fahrt aus dem unteren Sten­nert auf die Holzwickeder Straße könne er von links kom­mende Rad­fahrer viel zu spät wahr­nehmen.

Eine brand­ge­fähr­liche Situa­tion, denn die Holzwickeder Straße ist an dieser Stelle stark abschüssig und Rad­fahrer können bei der Que­rung im Ein­mün­dungs­be­reich ein ziem­lich hohes Tempo haben.

Anwohner weist auf Gefahr hin

Michael Arnold, zuständig beim Stra­ßen­ver­kehrs­be­hörde des Kreises Unna, und Frank Schwal­bach von der Gemeinde, über­prüften den Hin­weis bei einem Orts­termin. „Der Anlieger hatte recht“, bestä­tigt Michael Arnold. „Rad­fahrer kann man tat­säch­lich erst sehr spät wahr­nehmen, wenn man schon auf dem Radweg steht und womög­lich dann schon jemand auf der Motor­haube liegt.“ Die beiden Fach­leute spielten die Situa­tion sogar mit ver­schie­denen Fahr­zeug­typen durch. Doch das Ergebnis war immer dasselbe:„Der Radweg ist erst sehr spät ein­zu­sehen und daran kann man auch nichts durch das Frei­schneiden einer Hecke etwas ändern“, so Michael Arnold. Das Pro­blem war bis zum Hin­weis des Bür­gers noch gar nicht auf­ge­fallen.

Was tun? Igno­riert werden konnte die Situa­tion nicht, denn die Straße wird von vielen Schü­lern aus den süd­li­chen Orts­teilen genutzt, die das Schul­zen­trum oder den Bahnhof in der Gemein­de­mitte errei­chen wollen. „Im Grund ist es nur Glück gewesen, dass noch nichts pas­siert war“, meint Arnold. Der Ver­kehrs­ex­perte des Kreises ord­nete des­halb an: Vor der Ein­mün­dung des unteren Sten­nert wird der Radweg vom Gehweg getrennt und Rad­fahrer müssen ein paar Meter auf der Straße an der Ein­mün­dung vor­bei­fahren. Ein paar Meter hinter der Ein­mün­dung werden dann der Rad- und Gehweg wieder zusam­men­ge­führt. „Auf diese Weise haben wir den Rad­ver­kehr etwas weiter weg von der Ein­mün­dung geführt und Auto­fahrer können Fahr­rad­fahrer nun früh­zeitig erkennen“, erklärt Arnold dazu. Es sei die „einzig mög­liche Ent­schei­dung“ gewesen.

Kreis und Gemeinde reagieren

Aus Sicht des Stra­ßen­ver­kehrs­amtes ist das eine ein­fache und sichere Lösung. Denn eine unsi­chere Lösung hätte die Stra­ßen­ver­kehrs­be­hörde kaum ange­ordnet. „Rad­fahrer können durchaus auf der Straße fahren, zumal die Holzwickeder Straße weithin ein­sehbar ist“, betont Arnold.

Gerne hätte der Kreis auch noch einen Schutz­streifen für den Rad­ver­kehr im ver­schwenkten Bereich abmar­kieren lassen. Doch außer­halb geschlos­sener Ort­schaften ist es nicht zulässig, dass Rad­wege wie in inner­städ­ti­schen Berei­chen auf der Fahr­bahn abmar­kiert werden. „Momentan laufen da einige Test­phasen“, weiß Michael Arnold. Er ver­spricht: „Wir beob­achten das und sobald die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung geän­dert wird, werden wir einen Schutz­streifen auf der Holzwickeder Straße abmar­kieren.“

Weil ihr Kind aber nun nicht mehr durch­gängig auf dem Radweg fahren können, pro­te­stierten Eltern gegen diese Lösung – und die zustän­dige Schul­ver­wal­tung über­nimmt seitdem die Schü­ler­be­för­de­rung­ko­sten für den mut­maß­lich unsi­cher gewor­denen Schulweg ihrer Kinder.

Schülerbeförderungskosten für Gemeinde steigen 

Doch wer hat eigent­lich ent­schieden, dass dieser Schulweg nun unsi­cher geworden ist? „Wir haben das nach Rück­sprache mit der Polizei ent­schieden“, bestä­tigt Fach­be­reichs­leiter Mat­thias Auf­er­mann heute auf Nach­frage. Gleich heute (16. November) will er sich die Situa­tion vor Ort aber auch per­sön­lich ansehen.

Die CDU hat nach ihrer Klau­sur­ta­gung bereits einen Antrag ange­kün­digt, der darauf abzielt, dass die Ver­wal­tung in Abstim­mung mit der Stra­ßen­ver­kehrs­be­hörde diese Gefahrenstelle„durch ander­wei­tige mil­dere Mittel besei­tigt“, um die Schü­ler­be­för­de­rungs­ko­sten zu senken.

Doch wie es aus­sieht, ist eine Lösung längst gefunden.

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