Nur noch drei Tage Schützenfest: Vogelschießen am Montag soll entfallen

Das traditionelle Schützenfest in Holzwickede steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Wohin geht die Reise für die Bürgerschützen? (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Das tra­di­tio­nelle Schüt­zen­fest in Holzwickede steht vor tief­grei­fenden Ver­än­de­rungen: Wohin geht die Reise für die Bür­ger­schützen? (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Schützen sind gemeinhin ein sehr tra­di­ti­ons­be­wusstes Volk. Das gilt selbst­ver­ständ­lich auch für den Holzwickeder Bür­ger­schüt­zen­verein mit seinen fünf Kom­pa­nien. So gesehen stehen die Holzwickeder Schützen gera­dezu vor revo­lu­tio­nären Ver­än­de­rungen. Die wich­tigste Nach­richt vorweg: Es wird auch im näch­sten Jahr wieder ein Schüt­zen­fest geben. Aller­dings soll das Schüt­zen­fest nur noch drei statt vier Tage dauern und das Vogel­schießen am Montag ent­fallen. Auch der Zelt­ver­leih mit der Gastro­nomie stehen vor einer Zäsur, die Par­ty­nacht vor dem Aus.

Warum die geplanten Ver­än­de­rungen not­wendig sind, erläu­tert Karl-Heinz Pakusch, aktu­eller Kaiser der Bür­ger­schützen und ex-Vor­sit­zender des Bür­ger­schüt­zen­ver­eins. Er zeichnet maß­geb­lich für das Kon­zept ver­ant­wort­lich, das in einer erwei­terten Vor­stands­sit­zung heute Abend (31. Juli) end­gültig beschlossen werden soll. Seit einigen Wochen ist der erwei­terte Vor­stand schon über die geplanten Ver­än­de­rungen infor­miert. „Alle müssen ja wissen, wor­über wir reden und ent­scheiden“, so Karl-Heinz Pakusch.

Sinkende Einnahmen – steigende Kosten

Letzter regulärer Vorsitzender und aktueller Kaiser des BSV: Karl-Heinz Pakusch. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Letzter regu­lärer Vor­sit­zender und aktu­eller Kaiser des BSV: Karl-Heinz Pakusch. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Not­wendig werden die Ver­än­de­rungen, weil nicht weniger als die Exi­stenz des Ver­eins auf dem Spiel steht. Die Ver­ant­wort­li­chen beob­achten schon seit einigen Jahren mit Sorge, dass das Inter­esse an ihrem Schüt­zen­fest in der Bevöl­ke­rung spürbar nach­ge­lassen hat, was sich natür­lich auch in den Umsätzen wider­spie­gelt. Gleich­zeitig sind die Kosten aber immer weiter gestiegen, so dass die Ver­ant­wort­li­chen reagieren müssen.

Durch­schnitt­lich um die 18.000 Euro kostet ein Schüt­zen­fest den Verein, bestä­tigt Karl-Heinz Pakusch. „Dafür rei­chen unsere Ein­nahmen nicht mehr.“ Den Tra­di­tio­na­li­sten, die am lieb­sten gar nichts ändern wollen, hält er ent­gegen: „Tra­di­tion muss man sich auch lei­sten können, sonst stirbt man zügig in Tra­di­tion.“

Die Ver­kür­zung des Schüt­zen­fe­stes auf drei Tage gilt nach den bis­he­rigen Rück­mel­dungen im erwei­terten Vor­stand als sicher. Zumal das wei­tere Vor­teile hat: „Für Volks­feste ist vom Gesetz­geber eine Dauer von drei Tagen vor­ge­sehen“, erläu­tert Pakusch. „Bei einem drei­tä­gigen Schüt­zen­fest ist die Geneh­mi­gung deut­lich ein­fa­cher. Wir bekämen wieder ver­län­gerte Sperr­stunden bis nach Mit­ter­nacht und auch die Anfor­de­rungen an den Lärm­schutz sind geringer.“ Wie früher beim City-Spaß oder anderen Volks­fe­sten könnten die Schützen wieder Live­musik auch noch bis nach Mit­ter­nacht anbieten.

Proklamation nach dem Umzug

Tra­di­tion muss man sich auch lei­sten können, sonst stirbt man zügig in Tra­di­tion.“

Karl-Heinz Pakusch

Ledig­lich der genau Ablauf des drei­tä­gigen Festes ist noch nicht ganz klar: „Ob das Vogel­schießen am Freitag oder Samstag statt­finden soll, müssen wir noch bespre­chen“, meint Karl-Heinz Pakusch. „Klar ist, dass die Pro­kla­ma­tion des neuen Königs dann erst am Sonntag nach dem Umzug statt­findet. Das nächste Schüt­zen­fest wäre dann wieder seins.“ Bei einer anderen Rege­lung würde dem neuen König sein Fest „gestohlen“, meint der aktu­elle Kaiser. „Schüt­zen­könig bist Du ja nur einmal im Leben. Wenn man Dir das Fest nimmt, bist Du auch kein rich­tiger König mehr.“ Dass die Bür­ger­schützen dieses Jahr pas­sen­der­weise keinen König, son­dern einen Kaiser aus­ge­schossen haben, hätte aber nichts mit den bevor­ste­henden Ände­rungen zu tun, ver­si­chert Pakusch. „Das war tur­nus­mäßig nach fünf Jahren so vor­ge­sehen.“

Neben sol­chen Fein­heiten stehen wei­tere tief­grei­fende Ver­än­de­rungen an: So läuft auch der Ver­trag mit dem lang­jäh­rigen Zelt­wirt Gerd Beck­mann aus. Ob er noch einmal für fünf Jahre ver­län­gert wird, ist frag­lich. Denn auch der Holzwickeder Gastronom Jens Recker­mann hat sich bei den Schützen beworben. Es geht dabei nicht nur um die Zelt­miete, son­dern auch die Gastro­nomie und das Cate­ring.

Nach der bis­he­rigen Rege­lung haben die Schützen ihrem Zelt­wirt stets die Abnahme von 30.000 Bier­marken garan­tiert. Mit dem Geld aus dem Ver­kauf der Marken, ihren ein­zigen Ein­nahmen, mussten sie sämt­liche Kosten des Festes decken: von der Technik im Zelt bis zur Live­musik. „Da die Ein­nahmen nicht mehr rei­chen, müssen wir die Kosten redu­zieren“, betont Pakusch.

Partynacht vor dem Aus

Noch vor wenigen Jahren undenkbar,  doch die leeren Plätze beim Schützenfest sind nicht mehr zu übersehen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Noch vor wenigen Jahren undenkbar, doch die leeren Plätze beim Schüt­zen­fest sind nicht mehr zu über­sehen. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Völlig außen vor ist die Par­ty­nacht am Freitag. „Da konnten wir zwar ganz gut Bier­marken ver­kaufen. Aber sonst hatten wir gar nichts davon“, erläu­tert Karl-Heinz Pakusch. Im Gegen­teil: Dem Vor­stand und vielen anderen Schützen ist die Bal­ler­mann-Atmo­sphäre eher ein Dorn im Auge. „Die Par­ty­nacht wollen wir auf jeden Fall weg­haben“, sagt Pakusch offen. Der Ver­an­stalter habe ohnehin keine Rück­sicht auf die Inter­essen der Schützen genommen. „Eine Par­ty­nacht mit nur einer Live­band, die auch spielt, was das Publikum wünscht, ist viel besser.“ 

Die Ent­schei­dung über das Zelt und die Gastro­nomie ist aller­dings noch nicht gefallen, betont Pakusch. „Jens Recker­mann will an einem Kon­zept mit­ar­beiten. Wir werden aber auch noch mit Gerd Beck­mann spre­chen. Alle müssen jetzt zunächst ihre Haus­auf­gaben machen und sagen, was sie machen können. Dann setzen wir uns zusammen und sehen, ob es sich finan­zieren lässt. Wir wollen aber auf jeden Fall eine län­ger­fri­stige Lösung und keine, die sich von Jahr zu Jahr ändert.“

Denn schließ­lich soll mög­lichst eine neue Tra­di­tion geboren werden.

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