Nicht gezahlte Physiotherapie bringt 51-Jährigen auf Anklagebank

Das hätte der 51-jäh­rige Holzwickeder auch preis­werter haben und sich oben­drein eine Menge Ärger ersparen können: Weil er seine phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Behand­lungen im Früh­jahr 2018 im Gesamt­wert von 346 Euro nicht bezahlte, schickte ihm der Phy­sio­the­ra­peut schließ­lich den Gerichts­voll­zieher vorbei. Der konnte den Betrag jedoch nicht auf­trags­gemäß pfänden, weil der Schuldner ihm schrift­lich erklärte, dass bei ihm kein Ver­mögen zu holen sei. Dabei soll er dem Gerichts­voll­zieher ver­schwiegen haben, dass ein auf seinen Namen zuge­las­senes Motorrad exi­stiert. Genau darum fand sich der Holzwickeder heute vor dem Amts­ge­richt Unna mit einer Anklage wegen fal­scher eides­statt­li­cher Ver­si­che­rung wieder.

Dort Ange­klagte wider­sprach dem Vor­wurf aller­dings vehe­ment: Er habe dem Gerichts­voll­zieher nichts ver­schwiegen, ihn viel­mehr darauf hin­ge­wiesen, dass er das Motorrad besitzt. Er habe ihm auch erklärt, dass das Motorrad „völlig kaputt“ sei und ent­sorgt werden soll. „Ich habe ihm auch gesagt, dass das Motorrad jeder­zeit besich­tigt werden kann“, so der Ange­klagte.

Gerichtsvollzieher Motorrad verschwiegen

Auf Nach­frage musste der Holzwickeder aller­dings auch ein­räumen, dass das frag­liche Motorrad noch immer ange­meldet ist auf seinen Namen. „Ich habe ver­säumt, es abzu­melden. Das werde ich aber nach­holen“, ver­si­cherte er heute dem Richter.

Etwas nebulös äußerte sich der 51-Jäh­rige auch zu den phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Anwen­dungen, die er vom 4. April bis 13. Juni 2018 in Anspruch genommen haben soll. Von den 20 berech­neten Anwen­dungen will er angeb­lich nur sechs erhalten haben. „Eine erste Behand­lung hatte ich bezahlt, aber das Geld bis heute von der Hil­fe­stelle nicht zurück­be­kommen.“ Wei­tere Anwen­dungen wollte er nicht mehr vor­strecken, wes­halb die Behand­lungen abge­bro­chen worden seien.

Der Phy­sio­the­ra­peut machte dagegen heute im Zeu­gen­stand klar, dass die 20 Behand­lungen sehr wohl erbracht wurden. Richtig sei, dass das erste Set der Behand­lung abge­bro­chen wurde, als kein Geld mehr kam. „Das haben wir dann aber auch nicht berechnet“, ver­si­cherte der Phy­sio­the­ra­peut.

Einigung auf dem Gerichtsflur

Eine tie­fer­ge­hend Beweis­auf­nahme konnte sich das Gericht aller­dings heute sparen. „Wir kennen uns ja schon einige Jahre ganz gut“, meinte der Ange­klagte mit Blick auf den Phy­sio­the­ra­peuten. „Wir haben uns gerade schon draußen auf dem Flur geei­nigt. Die ganze Sache war auch ein Miss­ver­ständnis. Ich werde ihm den gesamten aus­ste­henden Betrag sofort über­weisen.“ 

Ange­sichts dieses neuen Sach­ver­haltes war der Richter bereit, dass Ver­fahren gegen Holzwickeder vor­läufig ein­zu­stellen: Vor­aus­ge­setzt der Ange­klagte über­weist die Gesamt­for­de­rung in Höhe von 860 Euro als Ein­mal­zah­lung inner­halb von drei Monaten an den Gläu­biger. Denn auf diese Summe beläuft sich inzwi­schen die Gesamt­for­de­rung ein­schließ­lich Mahn­ge­bühren und Kosten für den Rechts­an­walt und Gerichts­voll­zieher.

Wie gesagt: Das hätte der Ange­klagte auch preis­werter haben können.

Falsche Versicherung an Eides statt


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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