Das Clara-Schumann-Gymnasium sieht sich vor große herausforderungen gestellt: Als einziges Gymnasium der Region wird es Schule Gemeinsamen Lernens bleiben. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Neuregelung der Inklusion: Clara-Schumann-Gymnasium fürchtet Wettbewerbsnachteil

Das Clara-Schumann-Gymnasium  sieht sich vor große herausforderungen gestellt: Als einziges Gymnasium der Region wird es Schule Gemeinsamen Lernens bleiben. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Das Clara-Schu­mann-Gym­na­sium sieht sich vor große Her­aus­for­de­rungen gestellt: Als ein­ziges Gym­na­sium der Region wird es Schule Gemein­samen Ler­nens bleiben. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Durch einen Rund­erlass des Mini­ste­riums für Schule und Bil­dung NRW regelt die Lan­des­re­gie­rung die Aus­rich­tung der schu­li­schen Inklu­sion neu. Gym­na­sien sind nach der neuen Rege­lung grund­sätz­lich keine Schulen des Gemein­samen Ler­nens mehr und sollen von der Inklu­sion aus­ge­klam­mert werden. Das gilt aller­dings nicht für das Clara-Schu­mann-Gym­na­sium, das auf­grund dieser Ungleich­be­hand­lung Wett­be­werbs­nach­teile befürchtet.

Im Schul­aus­schuss am Don­ners­tag­abend stand das Thema auf der Tages­ord­nung. Wie die Ver­wal­tung dort infor­mierte, soll das Ziel der Neu­aus­rich­tung der schu­li­schen Inklu­sion sein, die Zahl der Schulen des Gemein­samen Ler­nens zu redu­zieren und die zur Ver­fü­gung ste­henden Ress­courcen an den ver­blei­benden Schulen zu bün­deln.

Unter Gemein­samen Lernen wird die Inklu­sion der Schü­le­rinnen und Schüler mit beson­derem För­der­be­darf im Regel­schul­sy­stem ver­standen. Die Neu­re­ge­lung betrifft ins­be­son­dere den Über­gang der Schüler mit fest­ge­stelltem son­der­päd­ago­gi­schem Bedarf von der Grund­schule in die wei­ter­füh­renden Schulen.

JRS und CSG Schulen Gemeinsamen Lernens

Nach dem neuen Erlass sind im Regel­fall von den Haupt‑, Real- und Gesamt­schulen einer Kom­mune, die Schulen des Gemein­samen Ler­nens in der Sekun­dar­stufe 1 sind, jähr­lich drei Schüler mit Bedarf an son­der­päd­ago­gi­scher Unter­stüt­zung pro Ein­gangs­klasse auf­zu­nehmen.

In Holzwickede waren bisher beide wei­ter­füh­renden Schulen auch Schulen Gemein­samen Ler­nens. Die Josef-Reding-Schule, die vor­aus­sicht­lich eine neue Ein­gangs­klasse bilden wird zum näch­sten Schul­jahr, wird dann drei Schüler mit son­der­päd­ago­gi­schem Unter­stüt­zungs­be­darf auf­nehmen müssen.

Mehr Schüler mit beson­derem För­der­be­darf, das machte Schul­leiter Klaus Helmig im Aus­schuss bereits deut­lich, wird die Holzwickeder Haupt­schule auf­grund der vor­han­denen oder besser gesagt: nicht vor­han­denen räum­li­chen und per­so­nellen Res­sourcen auch nicht auf­nehmen können.
Gym­na­sien sind nach dem neuen Erlass grund­sätz­lich keine Schulen des Gemein­samen Ler­nens mehr, müssen also auch keine Schüler mit beson­derem För­der­be­darf mehr auf­nehmen. Aus­nahmen bedürfen einer Son­der­re­ge­lung.

Da die son­der­päd­ago­gi­sche För­de­rung an Gym­na­sien in der Regel ziel­gleich erfolgt, d.h. auch diese Schüler in der Regel zum selben Abschluss geführt werden wie alle anderen, wird ein Gym­na­sium hier­durch nicht zu einer Schule des Gemein­samen Ler­nens.

Genau Zahl der Schüler mit Förderbedarf offen

Warum der Erlass zur Ungleich­be­hand­lung des CSG führt: Nach dem im Schul­aus­schuss genannten Stand wech­seln zum näch­sten Schul­jahr 2019/​2020 vor­aus­sicht­lich 19 Schüler aus Holzwickede mit beson­derem För­der­be­darf von den Grund­schulen in die Sekun­der­stufe 1. Nicht alle diese Kinder werden eine all­ge­meine Schule besu­chen. Nach Angaben von Fach­be­reichs­leiter Mat­thias Auf­er­mann werden von diesen Kin­dern vor­aus­sicht­lich 14 Schüler mit beson­derem För­der­be­darf zu den beiden wei­ter­füh­renden Schulen am Ort wech­seln. Davon wird die Haupt­schule (mit vor­aus­sicht­lich einer Ein­gangs­klasse) nur drei Schüler auf­nehmen können.

Das Clara-Schu­mann-Gym­na­sium (mit vor­aus­sicht­lich zwei Ein­gangs­klassen) wird min­de­stens sechs dieser Kinder mit Unter­stüt­zungs­be­darf auf­nehmen müssen, wobei diese Kinder ziel­dif­fe­rent, d.h. nicht mit den glei­chen Lern­in­halten und ‑zielen wie die anderen Schüler unter­richtet werden müssen.

Wie viele Schüler tat­säch­lich in die Sekun­dar­stufe 1 wech­seln werden, steht noch nicht end­gültig fest. Lutz Lamek, der als Schul­auf­sichts­be­amter für die För­der­schulen im Kreis zuständig ist, geht nur von zwölf Holzwickeder Kinder aus, die zu einer der beiden wei­ter­füh­renden Schule in Holzwickede wech­seln werden. Eine Liste mit den Kin­dern will die Gemeinde den Schul­lei­tern näch­sten Woche Don­nerstag über­mit­teln können.
Doch es scheint ziem­lich sicher, dass das CSG eine Schule des Gemein­samen Ler­nens bleiben wird, obwohl das nach dem Erlass gar nicht vor­ge­sehen ist.

Ausweichen auf Schulen im Umland kaum möglich

Denn die Holzwickeder Kinder können auch nicht ein­fach nach Unna zur Gesamt­schule wech­seln. „Dort ist der Bedarf auch sehr hoch“, weiß Mat­thias Auf­er­mann. Im Schul­aus­schuss betonte die Lei­terin des CSG, Andrea Hellmig-Neu­mann, dass es ihr und ihrem Kol­le­gium kei­nes­wegs um ein ideo­lo­gi­sches Pro­blem geht: „Über die grund­sätz­liche Frage der Inklu­sion sind wir längst weit hinaus“, stellte sie fest. „Selbst­ver­ständ­lich haben die Kinder aus Holzwickede mit beson­derem För­der­be­darf das Recht, ortsnah beschult zu werden.“

Doch das Clara-Schu­mann-Gym­na­sium sei weder räum­lich, noch aus­stat­tungs­mäßig oder per­so­nell darauf ein­ge­stellt, Schüler ziel­dif­fe­rent ange­messen zu unter­richten. „Diese Schüler haben bei­spiels­weise Anspruch auf Unter­richt in den Fächern Technik oder Haus­wirt­schaft – alles, das gibt es am CSG nicht.“

Die größte Sorge bereitet der Schul­lei­terin jedoch die Ungleich­be­hand­lung gegen­über den Gym­na­sien im Umland, die keine Schüler mit beson­derem För­der­be­darf auf­nehmen müssen: „Wie ent­scheiden sich Eltern einer gym­na­sialen Schü­ler­schaft? Es geht nicht um den Sinn von Inklu­sion. Aber wir stehen im Wett­be­werb und fürchten einen Stand­ort­nach­teil.“ Viele Schüler am CSG kommen aus Dort­mund und dem übrigen Umland, wo die Gym­na­sien eben keine Schulen des Gemein­samen Ler­nens mehr sind.
Außerdem: Je mehr Kinder das CSG auf­nimmt, die auf­grund ihres För­der­be­darfs gar kein Abitur machen werden, desto weniger Kinder wird es auch in der Ober­stu­fen­kurse geben, was die Wahl­mög­lich­keiten für die Schüler noch weiter ein­schränken würde.

Bitte um „absolute Unterstützung“

Der Erlass, da sind sich die beiden Schul­leiter und die Gemeinde einig, muss umge­setzt werden. Aus Sicht der CSG-Lei­terin hat ja auch nie­mand der Ver­ant­wort­li­chen einen Fehler gemacht. „Lan­des­weit betrachtet sind wir in Holzwickede nur ein Kol­la­te­ral­schaden“, stellt Hellmig-Neu­mann bedau­ernd fest. 

Lan­des­weit betrachtet sind wir nur ein Kol­la­te­ral­schaden.“

Andrea Hellmig-Neu­mann, CSG-Lei­terin

Knack­punkt sei der regio­nale Bezugs­punkt in dem Erlass: „Der Kreis Unna hat ins­ge­samt neun Gesamt­schule, aber der Erlass bezieht sich auf die Stadt Unna.“ Oder: In einer großen Stadt wie Dort­mund seien nicht einmal alle Gesamt­schulen von dem Erlass betroffen. Doch da es in Holzwickede nur die Haupt­schule und ein Gym­na­sium gibt, muss das CSG eine Schule des Gemein­samen Ler­nens bleiben. Einig war man sich im Aus­schuss aber auch dar­über, dass es nicht Sinn eines Erlasses sein kann, die Exi­stenz einer Schule zu gefährden.

Der drin­gende Appell der CSG-Lei­terin im Aus­schuss rich­tete sich an die Politik: „Ich bitte Sie um abso­lute Unter­stüt­zung, um das Clara-Schu­mann-Gym­na­sium weiter zukunfts­fähig auf­zu­stellen.“ Außerdem sollten alle Frak­tionen ihre Kon­takte nach Düs­sel­dorf nutzen. Holzwickedes Bei­geord­nete Bernd Kasischke wies zudem darauf hin, dass die Gemeinde auch schon Kon­takt zum Städte- und Gemein­de­bund auf­ge­nommen hat, um auf das Pro­blem der klei­neren Kom­munen im Mini­ste­rium hin­zu­weisen.

Gymnasium, Hauptschule, Schulausschuss


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Kommentar

  • Da gebe ich Frau Hellmig-Neu­mann recht,
    Ziel dif­fe­rent zu lehren ist nicht die Starke des CSG.

    Aller­dings könnte das CSG durch Inklu­sion genau dort pro­fi­tieren, wo der­zeit am kleinen und ange­bots­schwa­chen Gym­na­sium auch Pro­bleme sowohl in der Kom­mu­ni­ka­tion des for­mellen als auch des infor­mellen Teams gross sind.

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