Das neue Preiossystem am Wertstoffhof soll moderner, fairer und transparenter werden. (Foto: privat)

Neues Preissystem am Wertstoffhof: Sperrmüll wird deutlich preiswerter

Das neue Preissystem am Wertstoffhof soll moderner, fairer und transparenter werden. (Foto: privat)

Am GWA-Wertstoffhof wird ein neues Preissystem eingeführt, das erhebliche Änderungen für die Nutzer mit sich bringen wird. Einzelheiten wurden gestern (9.3.) im Umweltausschuss vorgestellt, der sich für eine tendenziell kostengünstigere Variante ausgesprochen hat. Konkrete Preise sollen erst in der Sitzung am 15. Juni festgelegt werden. Soviel kann allerdings schon gesagt werden, um falschen Vorstellung vorzubeugen: Die Entsorgung von Abfällen insgesamt wird insgesamt nicht preiswerter. Sofern es eine deutliche Preissenkung geben wird, etwa beim Sperrmüll, werden die Kosten über die grauen Restmülltonnen quersubventioniert und auf alle Haushalte umgelegt.

Die Überarbeitung der Gebührensystematik am Holzwickeder Wertstoffhof ist bislang zurückgestellt worden, weil es andere Schwerpunkte gab: etwa den Bioabfall und die Eigenkompostierung oder den Abzug der Papiercontainer. Im November vorigen Jahres hatte die CDU beantragt, die Sperrmüllgebühren und Mengenbegrenzungen am Wertstoffhof zu überarbeiten und dem Ausschuss vorzulegen. Aufbauend auf die bereits mit der GWQA geführten Gespräche wurde das neue Preissystem am Holzwickeder Wertstoffhof jetzt erstmals von GWA-Sprecher Andreas Hellmich öffentlich vorgestellt im Umweltausschuss.

Vier wesentliche Änderungen

Danach wird es im Wesentlichen vier Änderungsbereiche geben:

Neue Maßeinheiten

Die Maßeinheit „Kofferraumgröße“ wurde bei der GWA schon vor über 20 Jahren eingeführt und ist nicht mehr zeitgemäß, wie Andreas Hellmich erläuterte. Dies machen allein schon die veränderten Autotypen deutlich: SUV’s, die es damals noch gar nicht gab, haben heute größere Kofferräume als Kombis. Tendenziell werden Kleinwagen bei diesem System schon immer benachteiligt. Auch die Pkw-Anhänger haben sich technisch verändert. „Die Kategorie Kofferraumgröße lässt keine eindeutige und lineare Preissystematik zu“, stellt der GWA-Sprecher fest. „Das künftige Preissystem soll fair und transparent nach Volumen erfolgen.“  Die Mindestmenge entspricht wie gehabt 0,1 Kubikmeter, was einem 100 l Gewebesack oder fünf Baueimern a‘ 20 l entspricht. Ab einem Kubikmeter soll die die Staffelung linear in 0,5er Schritten erfolgen. „Die Abrechnung nach Volumen ist auch für den Bürger einfacher und nachvollziehbarer“, glaubt Andreas Hellmich. Wobei der GWA-Sprecher verspricht: „Wir werden bei der Annahme nicht mit dem Zollstock da stehen, sondern kulant sein. Aber wir haben künftig einen klaren Maßstab, auf den man sich im Streitfall zurückziehen und erst im Zweifelsfall auch tatsächlich mit dem Zollstock nachvollziehen kann.“

Neugestaltung der Preisliste

Die neue Preisliste soll moderner und wenig textlastig sein. Ein erster Entwurf wurde im Ausschuss vorgestellt. Statt langatmiger Erklärungen wird mit einfarbigen, selbsterklärenden grafischen Symbolen (Piktogrammen) gearbeitet. Vorteil: Auch Analphabeten, Nutzer mit Handicap oder solche, die nicht der deutschen Sprache mächtig sind, können die Preisliste verstehen. Auf dem Wertstoffhof soll eine entsprechende Preistafel angebracht werden. „Nach unserem Kenntnisstand ist di9eser Ansatz einzigartig“, so Andreas Hellmich im Ausschuss. „So etwas gibt es bisher noch nicht.“

Mengenbegrenzung

Für Sperrmüll hält die GWA eine Veränderung der maximalen Abgabemenge für erforderlich Alle anderen Abfallfraktionen können, wie bisher, in üblichen Haushaltsmengen am Wertstoffhof abgegeben werden. Mit einer Begrenzung auf 0,5 Kubikmeter bei der Abgabe von Sperrmüll liegt Holzwickede bisher deutlich im unteren Bereich. Deshalb soll diese Menge auf drei Kubikmeter erhöht werden. Dies entspricht in etwa einer Couchgarnitur (= Dreisitzer und zwei Sessel). Durch das Verbindungstor an der Ostseite des Wertstoffhofgeländes könnten größerer Sperrmüllteile (z.B. Sessel, Sofa, etc.) mit einem Radlader jeweils zu Beginn oder am Ende der Betriebszeit verladen werden. Diese Option dient lediglich als Übergangslösung und soll die Zeit bis zur Fertigstellung des geplanten Umbaus des Wertstoffhofes überbrücken.

Gebühren (im Wesentlichen für Sperrmüll)

Eine konkrete Preisliste für alle Abfallfraktionen kann noch nicht erstellt werden, da offen ist, wie sich die neuen Sperrmüllgebühren auf das Nutzerverhalten und damit die Entwicklung der anderen Abfallfraktionen auswirken wird. Nicht nur die Sperrmüllmenge wird sich verändern, auch die Förderung der Bioabfallverwertung und der Abbau der Papiercontainer wird sich noch auswirken. Die Neuerungen des Preissystems müssen frühzeitig abgestimmt werden, damit die Preisänderungen in der Kalkulation der Abfallgebühren für 2021 berücksichtigt werden können. Im nächsten Umweltausschuss am 15. Juni sollen dann auch die restlichen Preise vorliegen und beschlossen werden können.

Umweltausschuss für preiswertere Variante

Wie ein kreisweiter Preisvergleich gezeigt hat, liegen die Gebühren in Holzwickede für Bauschutt, Grünschnitt und Holz in etwa auf Kreisniveau. Beim Sperrmüll sind die Gebühren für die Abgabe am Wertstoffhof, aber auch für die Abholung deutlich teurer. Beispielsweise liegt der Preis für eine Kofferraumgröße in Holzwickede mit 18 Euro am höchsten und ist im Vergleich zu Kamen und Werne mit fünf Euro um mehr als das Dreifache höher. Bei der Sperrmüllsammlung liegt die Holzwickeder Gebühr mit 108 Euro für drei Kubikmeter ebenfalls am höchsten. Wohl auch wegen di9eser überhöhten Gebühren wurden in Holzwickede voriges Jahr pro Kopf nur 28,6 kg Sperrmüll entsorgt, während es in anderen Kommunen 85,5 kg (Bönen) oder sogar 100,7 kg (Selm) waren.

Von den vorgeschlagenen zwei Preisvarianten hat sich der Ausschuss mehrheitlich für die preisgünstigere ausgesprochen.

Danach soll die Abgabe von Sperrmüll am Wertstoffhof wie folgt kosten:

  • bis 100 l (Sack) 3,50 Euro (bisher 3,40 Euro)
  • 0,5 cbm (Kofferraum) 7,50 Euro (bisher 18 Euro)
  • 1 cbm (>Kofferraum) 15 Euro
  • 2 cbm (Kleinanhänger) 20 Euro
  • 3 cbm (Kleintransporter) 25 Euro

Die Sperrmüllabholung soll künftig wie folgt kosten:

  • Pauschal 18 Euro (bisher 36 bis 108 Euro)

Die Preissenkung bei den Sperrmüllgebühren muss über die Restmüllgebühren ausgeglichen werden, die von allen Haushalten zu zahlen sind. Der Ausschuss hält das allerdings für gerechtfertigt, weil Sperrmüll auch in jedem Haushalt anfällt. Früher oder später wird daher auch jeder Haushalt von der Preissenkung beim Sperrmüll profitieren. Die GWA und auch die Gemeindeverwaltung gehen davon aus, dass sich die jährlichen Abgabemengen nach der Umstellung in zwei bis drei Jahren eingependelt haben werden.

SPD, CDU, Grüne und FDP begrüßten das neue Preissystem und sprachen sich für die günstigere Variante beim Sperrmüll aus. Der Bürgerblock stimmte gegen das geänderte Preissystem. „Solange nicht alle endgültigen Preise bekannt sind“, so Sprecher Jochen Schönsee, könne der Bürgerblock den Änderungen nicht zustimmen.


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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