Neue Einzelhandelsflächen im Norden: Ende der Fahnenstange erreicht

Im östlichen Teil des Eco Ports und an der Wilhelmstraße ist die Ansiedlung oder Erweiterung von zentrumsrelevanter Einzelhandelsfläche nicht mehr zulässig, sagen die Gutachter. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Im öst­li­chen Teil des Eco Ports und an der Wil­helm­straße ist die Ansied­lung oder Erwei­te­rung wei­terer zen­trums­re­le­vanter Ein­zel­han­dels­fläche nicht mehr zulässig, sagen die Gut­achter. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Im Wirt­schafts­för­de­rungs­aus­schuss der Gemeinde stand heute (27. Juni) auch das neue Ein­zel­han­dels­kon­zept für die Gemeinde Holzwickede zur Kennt­nis­nahme an. Tenor des Gut­ach­tens: Was den zen­trums­re­le­vanten Ein­zel­handel im Holzwickeder Norden angeht, ist das Ende der Fah­nen­stange erreicht. Wei­tere Ein­zel­han­dels­flä­chen, ob von ansäs­sigen oder neuen Unter­nehmen, sind nicht mehr zulässig.

Vor dem Hin­ter­grund zahl­rei­cher Neu­an­sied­lungs- und Erwei­te­rungs­vor­haben und den ver­än­derten pla­nungs­recht­li­chen Rah­men­be­din­gungen hatte die Gemeinde Holzwickede die Gut­achter der BBE Han­dels­be­ra­tung mit der Erstel­lung eines kom­mu­nalen Ein­zel­han­dels­kon­zepts beauf­tragt. Ziel: Die Ent­wick­lung des lokalen Ein­zel­han­dels auf Basis dieses Gut­ach­tens nach­haltig und rechts­si­cher zu steuern.

Zu den Unter­nehmen, die sich mit Erwei­te­rungs­ge­danken tragen, gehört die im Eco Port ansäs­sige Duetz Fashion GmbH. Die Ver­ant­wort­li­chen denken über einen bis zu 3.000 m2 großen Lager-/Kol­lek­ti­ons­ver­kauf in einer der­zeit von einem Por­sche-Auto­haus genutzten Immo­bilie an der Gott­lieb-Daimler-Straße nach. Aller­dings ist ein sol­ches Vor­haben recht­lich unzu­lässig, so die Gut­achter.

Neues Einzelhandelskonzept gibt Rechtssicherheit

Auch die mög­liche Ansied­lung eines Golf-Fach­marktes mit einer Ver­kaufs­fläche von rd. 800 m2 ist wäre nicht zulässig, so das Gut­achten, da Ein­zel­han­dels­fläche in diesem Gewer­be­ge­biet nur aus­nahms­weise zulässig ist, wenn sie über­wie­gend der Ver­sor­gung (Lebens­mittel) der in dem Gebiet arbei­tenden Per­sonen dient. Und selbst dann wäre die Ver­kaufs­fläche auf nur maximal 200 m2 begrenzt.

Erwei­tern möchte auch Lidl den an der Wil­helm­straße ange­sie­delten Lidl-Markt von den vor­han­denen 950 m 2 Ver­kaufs­fläche auf rd. 1.485 m2 Ver­kaufs­fläche, was der aktu­ellen Stan­dard­größe von Lidl-Filialen ent­spricht. Neben der Erwei­te­rung des bestehenden Gebäudes gibt es alter­na­tive Über­le­gungen, die Flä­chen mit dem benach­barten Tier­fach­markt zu tau­schen. Eine solche Flä­chen­er­wei­te­rung ist in dem Son­der­ge­biet an der Wil­helm­straße, in dem die maximal zuläs­sige Ein­zel­han­dels­fläche von 6.000 m2 bereits aus­ge­schöpft ist, nicht mehr zulässig. Nach Ansicht der Gut­achter wäre jedoch recht­lich zu prüfen, ob der Bebau­ungs­plan nicht einer vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gerügten Rege­lung („Wind­hund­rennen“) ent­spricht und des­halb ungültig ist.

Der Lidl benach­barte Sport-Outlet möchte eine der­zeit noch vom Reddy-Küchen­fach­markt genutzte Teil­fläche über­nehmen und dort eben­falls auf rd. 800 m2 neue Lager- und Ver­kaufs­fläche unter­bringen. Auch hier sehen die Gut­achter nur dann eine Chance, wenn der Bebau­ungs­plan von den Ver­wal­tungs­rich­tern als funk­ti­onslos erklärt würde.

Auch Aldi/​Rewe an der Stehfenstraße wollen erweitern

Schließ­lich wollen auch Aldi/​Rewe an der Steh­fen­straße beide ihrer Ver­kaufs­flä­chen erwei­tern. Aldi plant seine 750 m2 große Filiale am Standort künftig auf 1.300 m2 neu auf­zu­stellen, der Rewe-Super­markt (1.500 m2) möchte seine Geträn­ke­ab­tei­lung in einen sepa­raten Geträn­ke­markt mit 500 m2 aus­la­gern. Dies wäre nur dann mög­lich, so die Gut­achter, wenn die Gemeinde Holzwickede die im Bebau­ungs­plan vor­ge­nom­menen bereits aus­ge­schöpften Fest­set­zungen ändern würde.

Wil­fried Brink­mann (BBL) erin­nerte heute im Wirt­schafts­för­de­rungs­aus­schuss daran, dass es einen Beschluss gibt, die gewünschten Fest­set­zungen im Bebau­ungs­plan nur dann zu ändern, wenn die beiden Eigen­tümer an der Steh­fen­straße die für den geplanten Durch­stich zur P+R-Anlage not­wen­digen Flä­chen an die Gemeinde abgeben.

Da mit dem Ein­zel­han­dels­kon­zept weit­ge­hende Vor­ent­schei­dungen getroffen werden, was die Nut­zungs­mög­lich­keiten ein­zelner pri­vater Grund­stücke angeht, emp­fehlen die Gut­achter den Ver­ant­wort­li­chen in der Gemeinde in ihrem Fazit „die Öffent­lich­keit intensiv an der Erstel­lung des gesamt­städ­ti­schen Ein­zel­han­dels­kon­zepts zu betei­ligen und im Rahmen des Betei­li­gungs­ver­fah­rens ins­be­son­dere deut­lich zu machen, welche Bedeu­tung diese vor­be­rei­tende Pla­nung für pri­vate Indi­vi­dual­in­ter­essen ent­falten kann.“ Der Öffent­lich­keit sollte zudem „die Gele­gen­heit gegeben werden, Bedenken und Anre­gungen in die Pla­nung ein­zu­bringen. Alle abwä­gungs­re­le­vanten Eigen­tümer- und Betrei­ber­be­lange sollten intensiv geprüft und abge­wogen werden. Beson­ders zu beachten sind dabei kon­kret ange­zeigte Pla­nungs­ab­sichten zur Erwei­te­rung oder Neu­errich­tung von Ein­zel­han­dels­be­trieben.“

Die Politik nahm das 64-sei­tige Ein­zel­han­dels­kon­zept heute im Wirt­schafts­för­de­rungs­aus­schuss zustim­mend zur Kenntnis.

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