Landrat Mario Löhr (li.) und Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke (r.) lassen sich von Manfred Gerster von der Firma van Hool die Technik des Wasserstoffbusses erläutern. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Neue Antriebe für Busverkehr: Kreis Unna und VKU prüfen alltagstauglichen Wasserstoffbus

Landrat Mario Löhr (li.) und Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke (r.) lassen sich von Manfred Gerster von der Firma van Hool die Technik des Wasserstoffbusses erläutern. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Landrat Mario Löhr (li.) und Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke (r.) lassen sich von Manfred Gerster von der Firma van Hool die Technik des Wasserstoffbusses erläutern. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Wie sieht der Antrieb der Zukunft im Busverkehr aus? Wenn auch der Fuhrpark der VKU dank der hohen Umweltstandards EURO V und EURO VI bereits schadstoffarm ist, gilt es, den Ersatz fossiler Brennstoffe voran zu treiben. Neben rein elektrischen Antrieben ist insbesondere der Einsatz von Wasserstoff eine Alternative für den Kreis Unna. Einer dieser modernen Wasserstoffbusse wurde heute vor dem Kreishaus Vertretern der VKU und des Kreises Unna vorgestellt.

VKU und Kreis Unna stehen mit verschiedenen Anbietern von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben im engen Austausch, um für die Anforderungen des Verkehrsnetzes im Kreis Unna eine passende Lösung zu finden. Eine der Anforderungen sind die langen Distanzen, die die Busse der VKU jeden Tag zurücklegen. Bis zu 400 Kilometer sind da keine Seltenheit. „Innovative Antriebe müssen einige Herausforderungen meistern“, sagt Geschäftsführer André Pieperjohanns. „Wir sind daher mit vielen Herstellern im Gespräch.“

Lange Wege, kurze Tankzeit: Handling wie ein Dieselbus

Probesitzen im Wasserstoffbus: Landrat Mario Löhr, hier mit VKU-Geschäftführer André Pieperjohannes, scheint sich sichtlich wohl zu fühlen auf dem Fahrersitz des Busses - allerdings nur bis zum Start der Testfahrt. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Probesitzen im Wasserstoffbus: Landrat Mario Löhr, hier mit VKU-Geschäftführer André Pieperjohannes, scheint sich sichtlich wohl zu fühlen auf dem Fahrersitz des Busses – allerdings nur bis zum Start der Testfahrt. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Einer der führenden Anbieter von Nutzfahrzeugen, die Wasserstoff und Brennstoffzellen nutzen, ist das belgische Unternehmen van Hool, das heute einen ihrer umweltfreundlichen Wasserstoffbusse vorstellte und Landrat Mario Löhr, Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke, VKU-Geschäftsführer André Pieperjohanns und Medienvertreter darin zu einer Probefahrt einlud.

Wie Manfred Gerster, Verkaufsleiter von van Hool erläuterte, beschäftigt der belgische Nutzfahrzeughersteller an Standorten in Belgien und Mazedonien etwa 4.500 Mitarbeiter, die rund 1.200 Nutzfahrzeuge pro Jahr herstellen. Die Technik der Brennstoffzellen in Kombination mit Wasserstoff ist seit über 15 Jahren schon Thema des Unternehmens. Für Europa hat das Unternehmen bereits über 140 Nutzfahrzeuge mit dieser Technologie gebaut.

Der heute vorgestellte Wasserstoffbus ist das Fahrzeug eines niederländischen Kunden, für den man insgesamt 20 Busse diesen Typs geliefert hat. Wasserstoffbusse stecken also keineswegs noch im Experimentierstadium. „Wir sind bereits im Bereich der Großserie angekommen“, versichert Manfred Gerster. „Wir verbauen Technik, die im Alltag funktioniert.“ Allerdings schreite die technische Entwicklung in diesem Bereich auch sehr schnell voran. „Dieses Fahrzeug hier ist eines aus der dritten Generation“, erklärt Gerster. „Die vierte Generation ist bei uns schon in Vorbereitung und wird noch Ende dieses Jahres auf den Markt kommen.“

Die Technologie von Brennstoffzellen in Verbindung mit Wasserstoff bieten Verkehrsunternehmen wie der VKU entscheidende Vorteile, erläutert Gerster: „Der wichtigste Vorteil ist die größtmögliche Autonomie für Verkehrsunternehmen.“ Die Wasserstoffbusse bieten eine Reichweite von rund 400 Kilometern und lassen sich in acht bis zehn Minuten wieder mit Wasserstoff betanken. Lange Standzeiten werden so vermieden. „Damit ist das Handling dem eines Dieselbusses schon sehr ähnlich.“

Künftiger wesentlicher Beitrag zu emissionsfreiem ÖPNV

Die wesentlichen Komponenten des heute vorgestellten Busses sind die Brennstoffzelle, ein 1.600 l fassender Tank für den Wasserstoff, der mit einem Druck von 350 bar auf ein Gewicht von 38 kg verdichtet wird. Dabei dienen die Brennstoffzellen gemeinsam mit den Lithiumbatterien und den Elektromotoren als Basis des Antriebs. Der Bus wird vollelektrisch betrieben. Einerseits wird Wasserstoff in der Brennstoffzelle in Elektrizität umgewandelt, wobei nur Wasserdampf emittiert wird, andererseits wird der Antrieb bei Bedarf über die Lithiumbatterien unterstützt. Dank dieses Hybridantriebs und der Rückgewinnung der Bremsenergie kann der Wasserstoffverbrauch auf rund 8 kg/100 km begrenzt werden. 

„Ich sehe in der Produktion von Wasserstoff und bei den Antrieben eine Zukunftstechnologie, bei der die gesamte Region gewinnen kann.“

– Mario Löhr (Landrat)

Hauptgrund, warum der Antrieb über die Brennstoffzelle und Lithiumbatterien erfolgt und kein Wasserstoff direkt verbrannt wird: Auch mit Wasserstoff betrieben würde ein Verbrennungsmotor noch erhebliche Emissionen freisetzen.

Ein weiterer Vorteil dieser Technik: Die Brennstoffzelle wird im Betrieb bis zu 85 Grad warm. Die Abwärme der Zelle kann genutzt werden, etwa zum Beheizen des Innenraumes eines Busses, und muss nicht wie bei reinen Elektrofahrzeugen energieaufwendig erst vom Akku erzeugt werden. Aufgrund dieser Flexibilität von größter Reichweite und schnellem Betanken werden Wasserstoffbusse künftig einen wesentlichen Beitrag zu emissionsfreiem ÖPNV liefern, ist Manfred Gerster überzeugt.

Auch die Vertreter des Kreises und der VKU scheinen von den Vorteilen dieser Technologie überzeugt. Für Landrat Mario Löhr ist diese Antriebsform Teil einer mittelfristigen Strategie, die sich nicht nur auf die Busse und Nutzfahrzeugflotten der kreiseigenen Gesellschaften bezieht. „Ich sehe in der Produktion von Wasserstoff und bei den Antrieben eine Zukunftstechnologie, bei der die gesamte Region gewinnen kann“, sagt Löhr.

Kreis Unna, VKU, Wasserstoffbus


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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