Betriebsübergabe Elektro Nachtwey, von li.: Rudolf Hering (Obermeister Innung für Elektrotechnik Unna), Pasqual Berthold (Prokurist Elektro Laschinski Redeker), Thorsten Redeker, Martin Nachtwey und Volker Stein (Leiter Geschäftsstelle Unna der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe). (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Martin Nachtwey macht endgültig das Licht aus: Familienbetrieb wechselt nach 77 Jahren Besitzer

Betriebsübergabe Elektro Nachtwey, von li.: Rudolf Hering (Obermeister Innung für Elektrotechnik Unna), Pasqual Berthold (Prokurist Elektro Laschinski Redeker), Thorsten Redeker, Martin Nachtwey und Volker Stein (Leiter Geschäftsstelle Unna der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe). (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Betriebsübergabe Elektro Nachtwey, von li.: Rudolf Hering (Obermeister Innung für Elektrotechnik Unna), Pasqual Berthold (Prokurist Elektro Laschinski Redeker), Thorsten Redeker, Martin Nachtwey und Volker Stein (Leiter Geschäftsstelle Unna der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe). (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass er fast ganz Holzwickede unter Strom gesetzt hat. Doch damit soll nun endgültig Schluss sein: Im Alter von 68 Jahren geben Martin Nachtwey und seine Frau Conny (62 J.) ihren Betrieb Elektro Nachtwey endgültig auf. Kleiner Trost für alle treuen Stammkunden: Ein Nachfolger ist bereits gefunden.

Gegründet wurde der Familienbetrieb von Alois Nachtwey vor 77 Jahren in der Emschergemeinde. 1999 übernahm dann sein Sohn Martin den Betrieb — und expandierte zunächst. „Damals hatten wir noch unser Geschäft mit brauner und weißer Ware“, erzählt Martin Nachtwey. Der Laden befand unter ihrem Büro, im Eckhaus Stehfen- und Nordstraße, dort, wo es heute nur noch Matratzen zu kaufen gibt. Als „weiße Ware“ werden Elektroartikel wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Herde bezeichnet, erläutert seine Frau Conny. „Braune Ware“ sind dagegen Fernseher, Radios und andere Elektrogeräte.

Eine Institution in der Gemeinde

Das Geschäft sei notwendig gewesen, um wirtschaftlich bestehen zu können, so Conny Nachtwey. Immerhin hatte Elektro Nachtwey zu Spitzenzeiten sieben Mitarbeiter, die Auszubildenden nicht mitgezählt. Doch die Konkurrenz der großen Märkte und der Online-Handel waren zu stark. Vor elf Jahren trennte sich Nachtwey von dem Geschäft und verkleinerte seinen Betrieb bis auf das Büro in der oberen Etage.

Aufträge für die Gemeinde, Unternehmen am Ort und natürlich auch private Kunden wurden weiterhin durchgeführt. „Seit 2015 haben wir beide dann nur noch ganz allein im Betrieb gearbeitet“, sagt Conny Nachtwey. „Bei größeren Aufträgen haben wir mit anderen Firmen zusammengearbeitet“, ergänzt ihr Mann.

Ältere Kunden werden Martin Nachtwey vermissen

Was vor allem die älteren Stammkunden sehr vermissen werden, da ist Conny Nachtwey sicher, ist der Service, den ihr Mann bis zuletzt geboten hat: „Einige haben auch schon angerufen und ganz verzweifelt gefragt: ,Was machen wir denn jetzt? Wer schraubt uns denn jetzt die Leuchtmittel ein?“ Denn Martin Nachtwey ist bis zuletzt noch zu Kunden gefahren, um dort Wartungen oder Reparaturen an Elektrogeräten durchzuführen, auch wenn nur ein Leuchtmittel zu wechseln war. „Anschließend gab es dann meist noch einen Kaffee beim Kunden“, meint der 68-Jährige. „So etwas ja heute sonst keiner mehr. Doch irgendwann ist auch mal Schluss. Meine Frau geht schon gar nicht mehr ans Telefon.“

Einige der Stammkunden sind auch schon von den Nachtweys angeschrieben und über den Betriebswechsel informiert worden. „Aber alle unsere Kunden können wir gar nicht anschreiben.“

Elektro Laschinski Redeker übernimmt

Der Name Elektro Nachtwey wird allerdings nicht aus dem Ortsbild verschwinden. In Thorsten Redeker, Geschäftsführer der Elektro Laschinski Redeker GmbH & Co. KG  mit Hauptsitz in Lünen und Niederlassungen in Hattingen und Dortmund, haben die Nachtweys nach längerer Suche einen passenden Betriebsnachfolger gefunden. Was in der heutigen Zeit längst nicht mehr selbstverständlich ist. „Darüber sind wir auch sehr froh“, sagt Conny Nachtwey. Thorsten Redeker wird den Traditionsbetrieb in Holzwickede unter dem Namen Elektro Alois Nachtwey GmbH und Co KG weiterführen.  Das Büro und die Werkstatt bleiben vor Ort.

Zur Übergabe  des Familienbetriebes in die neuen Hände schauten heute auch Obermeister Rudolf Hering (Innung für Elektrotechnik Unna) und Volker Stein (Geschäftsstellenleiter Unna der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe) vorbei und dankten Conny und Martin Nachtwey für ihre lange Unterstützung. Das Familienunternehmen Nachtwey sei „jahrzehntelang eine Institution in Holzwickede“ gewesen.

Name und Tradition sollen erhalten bleiben

Im Gespräch mit dem Emscherblog versprach Thorsten Redeker: „Der Betrieb passt gut in unser Konzept. Wir möchten uns breiter aufstellen und stärker im Kreis Unna vertreten sein, aber die Tradition des Holzwickeder Familienbetriebes fortführen. Mit unserem qualifizierten Personal und einer langjährigen Erfahrung können wir fast alle Kundenwünsche umsetzen.“ Während Elektro Nachtwey zuletzt vorwiegend im privaten Bereich Reparaturen durchführte, ist die Unternehmensgruppe Elektro Kaschinski Redeker in der kompletten Energie- und Gebäudetechnik unterwegs: ob klassische Elektroinstallation im Wohnungsbau oder in Industrieanlagen, ob Daten-Netzwerk, Videoüberwachung, Alarmanlagen, zentrale Gebäudesteuerung oder Photovoltaik.

Das mittelständische Unternehmen beschäftigt 37 Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende. Im August werden wieder drei Auszubildende eingestellt.


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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