Der zwölfjährige Gymnasiast Noah Jung gab mit seiner Anfrage beim Hengser Ortsvorsteher Volker Schütte den Anstoß´zu diesem Projekt. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Legal statt illegal: Noah Jung (12 J.) stößt mit seiner Idee kreatives Kunstprojekt für die Gemeinde an

Der zwölfjährige Gymnasiast Noah Jung gab mit seiner Anfrage beim Hengser Ortsvorsteher Volker Schütte den Anstoß´zu diesem Projekt. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Der Gymnasiast Noah Jung (12 J.) gab mit seiner Anfrage beim Hengser Ortsvorsteher Volker Schütte den Anstoß zu dem Projekt „Graffiti in Howi“: Noah bei der Gestaltung der Plakatwand in Hengsen. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Es gibt ein neues Kunstprojekt in der Gemeinde, das auf eine Idee von Noah Jung zurückgeht. Als der Zwölfjährige mit seiner Idee, eine größere Wand in Holzwickede mit Graffiti besprühen zu wollen, an Ortsvorsteher Volker Schütte herantrat, war dies durchaus eine Herausforderung für den ehemaligen Pressesprecher im Bochumer Polizeipräsidium. Schließlich berichtete Schütte mehr als 20 Jahre lang fast täglich über illegale Sprühaktionen. Im Jahr 2020 wurden allein in Bochum 658 Fälle zur Anzeige gebracht.

„Ich habe mich oft gefragt, warum die Sprayer alle möglichen ,Leinwände‘ illegal besprühen und sich nicht legale Bühnen suchen, um sich zu präsentieren“, so Volker Schütte. Genau daran erinnerte sich der ehemalige Polizist, als ihn Noah, der das Clara-Schumann-Gymnasium besucht, per WhatsApp anschrieb und seine kreative Idee vortrug.

Bunte Graffiti auf Plakatwand

Ersten Kontakt zu Graffiti hat der Zwölfjährige bei einem Workshop im Treffpunkt Villa bekommen, wie erzählt: „Das hat mir gut gefallen. Meine Mutter hat mich anschließend unterstützt und Farben gekauft“, berichtet Noah. „Ich habe auch schon Bilder auf kleine Leinwände gesprüht, bevor ich Volker Schütte gefragt habe, ob ich nicht auch einmal ein Graffito auf eine größere Wand in Holzwickede sprühen darf.“  

Der Ortsvorsteher grübelte eine ganze Weile darüber nach, wo und wie in Hengsen der Wunsch des kreativen Jungen umgesetzt werden könnte – bis es Klick machte. Seine Idee: „Wir erweitern die Aktion auf das komplette Holzwickeder Gemeindegebiet und nutzen dafür unsere eigenen 16 Plakatwände“, so Volker Schütte. „Dann loben wir einen Wettbewerb für Graffiti-Künstler aus und stellen ihnen einige der Wände oder Teile davon für einen festgelegten Zeitraum zur Verfügung.“

Damit das Projekt das nötige Lokalkolorit bekommt, sollten die Sprayer in der Emscherquellgemeinde leben oder zumindest hier zur Schule gehen. Im Vorfeld der Aktion sollten sie der Gemeindeverwaltung einen Entwurf ihres Graffitos zusenden. Ihre gesprühten Kunstwerke sollten deutlich lesbar die Namen Holzwickede, Hengsen oder Opherdicke zeigen und möglichst lokale Bauwerke oder markante Ortsteile, etwa Altes Dorf, Neue Caroline oder Rausingen zeigen.  

Noah Jung war von dieser Idee sofort hellauf begeistert und erstellte gleich einen Grobentwurf seines Bildes.  Damit machte sich der Ortsvorsteher dann auf den Weg zu Bürgermeisterin Ulrike Drossel und stellte auch ihr das Kunstprojekt „Graffiti in Howi“ vor.

Plakatwand Hengsen
Graffiti Start
Graffiti Totale
20220804 Graffiti 2
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20220804 Graffiti 5
20220804 Graffiti

Auch Bürgermeisterin von Projekt begeistert

Ulrike Drossel war ebenfalls sofort angetan und hob den Daumen. „Ich unterstütze sehr gerne solche kreativen Ideen von jungen Leuten“, betont die Bürgermeisterin. „Egal, ob es sich um private Initiativen wie von Noah oder vom Ortsjugendring oder dem Zukunftsparlament handelt. Die jungen Leute sind unsere Zukunft. Wenn es irgendwie geht, bin ich dabei.“

Leider wird auch in Holzwickede viel zu viel illegal gesprüht, weiß auch die Bürgermeisterin. „Da muss man sich nur mal die beschmierten neuen Lärmschutzwänden an der Autobahn ansehen. Dieses Projekt ist aber sicherlich ein Baustein, um Graffiti-Künstlern auch in unserer Gemeinde eine Möglichkeit anzubieten, sich zu präsentieren.“

Sein farbenfrohes Kunstwerk nahe am Kreisel in Hengsen hat Noah heute (4. August) fertiggestellt – bei schweißtreibenden Temperaturen. Wie lange es Bestand haben wird, ist offen. „Es ist eine öffentliche Fläche, aber wir würden uns freuen, wenn das Kunstwerk eine Zeit lang bestehen bliebe“, wünscht sich Ulrike Drossel. Ein kleiner Hinweistext steht in einer Ecke der Plakatwand. „Mal abwarten, wie sich das entwickelt. Vielleicht wird ja zunächst auch nur ein Mittelteil plakatiert.“

Volker Schütte glaubt: „Durch dieses Kunstprojekt ,Graffiti in Howi‘, bei dem Noah Jung sehr kreativ den Anfang gemacht hat, werden viele Augen im Gemeindegebiet auf Holzwickede und seine beiden Dörfer gerichtet sein – im wahrsten Sinne des Wortes und vor allen Dingen unter dem Gesichtspunkt legal und nicht illegal.“

Kunstprojekt noch ausbaufähig

Der Auftakt heute hat diese Einschätzung schon einmal bestätigt: Denn ein Team des WDR begleitete die Gestaltung der ersten Plakatwand und drehte einen Beitrag über das Projekt.

Bis zum 25. September können nun weitere Graffiti-Entwürfe bei der  Gemeinde eingereicht werden, auf dem Postweg mit Namen, Alter und Kontaktdaten (Gemeinde Holzwickede, Allee 5, 59439 Holzwickede) oder per E-Mail (info@holzwickede.de).

Darüber hinaus könnte das Projekt, außer im Treffpunkt Villa und beim Ortsjugendring, auch ein schönes Thema für den Kunstunterricht in den Schulen der Gemeinde sein. Eine Jury könnte darüber entscheiden, welche Künstler oder Künstlerinnen ihre Werke anschließend im Großformat in Holzwickede präsentieren dürfen – vielleicht noch im Herbst dieses Jahres.

Graffiti, Kunstprojekt


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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