Austausch im Kreishaus: (v. l.) AWO-Vorsitzender Wolfram Kuschke, AWO-Geschäftsführer Rainer Goepfert, Landrat Mario Löhr (Foto: Kreis Unna).

Landrat und AWO einig: „Wir brauchen mehr Kinderbetreuung und Pflege“

Austausch im Kreishaus: (v. l.) AWO-Vorsitzender Wolfram Kuschke, AWO-Geschäftsführer Rainer Goepfert, Landrat Mario Löhr (Foto: Kreis Unna).
Austausch im Kreishaus, v.li.: AWO-Vorsitzender Wolfram Kuschke, AWO-Geschäftsführer Rainer Goepfert und Landrat Mario Löhr (Foto: Kreis Unna).

Eins haben Mario Löhr und Wolfram Kuschke auf jeden Fall gemeinsam – sie sind beide neu gewählt: Löhr seit November im Amt als Landrat des Kreises Unna, Kuschke seit Januar als Vorsitzender der AWO Ruhr-Lippe-Ems. Sie trafen sich jetzt gemeinsam mit AWO-Geschäftsführer Rainer Goepfert im Kreishaus zum Austausch über wichtige soziale Arbeitsfelder. Dabei wurde gleich eine ganze Reihe inhaltlicher Gemeinsamkeiten deutlich.

„Wir wollen neue Arbeitsplätze für neue Technologien in die Region holen und haben dafür gute Partner aus der Wirtschaft“, sagt Mario Löhr und unterstreicht: „Wenn wir das schaffen, brauchen wir mehr denn je die AWO und andere Wohlfahrtsverbände. Denn ohne ein ausreichendes und gutes Angebot an Kitaplätzen, ohne Schulbetreuung, ohne verlässliche und gute Pflege werden wir die Leute nicht dauerhaft halten können und kein wirtschaftliches Wachstum erzeugen.“

Natürlich kamen auch die drei Gesprächspartner nicht am Thema Corona vorbei. „Wenn die Menschen keine Betreuungsplätze für ihre Kinder und keine Pflege für ihre Eltern vorfinden, werden berufstätige Paare schlicht und ergreifend entscheiden müssen, wer von beiden sich um diese Aufgaben kümmert. Ganz schwierig wird es dann für Alleinerziehende“, sagt Wolfram Kuschke. Das habe die anhaltende Pandemie deutlich vor Augen geführt. Der frühere Regierungspräsident und Landesminister a. D. fügt hinzu: „Und die Wirtschaft kommt tatsächlich erst dann voll in Gang, wenn Kitas und Schulen ihren Regelbetrieb wieder aufnehmen.“

Arbeitsplätze mit Perspektive

Rainer Goepfert pflichtet ihm bei: „Außerdem sind sich Ökonomen und Bildungsforscher einig: Investitionen in gute frühkindliche Bildung lohnen sich in jeglicher Hinsicht. Für die Kinder, weil deren Bildungs- und Teilhabechancen wachsen, für den Staat, für die Wirtschaft.“ Deshalb sei klar: „Wir brauchen in der Zukunft mehr Kinderbetreuung und Pflege. Das sind Wachstumsbranchen mit guten Arbeitsplätzen und hervorragenden Perspektiven. Leider finden wir schon heute kaum ausreichend qualifizierte Fachkräfte.“

Die AWO hat aus diesem Grund bereits in den vergangenen Jahren sehr stark in die Ausbildung investiert und die Zahl ihrer Auszubildenden von Jahr zu Jahr erhöht. Derzeit lernen insgesamt 70 Auszubildende und 11 Studierende in Dualen Studiengängen attraktive soziale Berufsfelder kennen: in der Kindertagesbetreuung, in offenen Ganztagsschulen oder der Pflege. Rainer Goepfert erläutert: „Auch in diesem Jahr steigern wir die Zahl unserer Ausbildungsstellen und wollen im Sommer weitere 56 Auszubildende und drei Studierende einstellen. Davon sind Stand heute bereits 48 Ausbildungsplätze in unseren Kindertageseinrichtungen besetzt.“

„Kein Ausbildungsplatz? Nicht hinnehmbar.“

Zum Thema Ausbildung hat Mario Löhr ein persönliches Anliegen: „Ich möchte, dass möglichst alle Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber im Kreis Unna einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen. Es ist für mich nicht hinnehmbar, dass Jahr für Jahr über 100 junge Menschen am Anfang ihrer Berufskarriere keinen Ausbildungsplatz haben.“

Das sieht auch die AWO so, ihr Chef Wolfram Kuschke bietet an: „Wir würden da gerne mithelfen. Wenn so etwas wie ein öffentlich gefördertes Ausbildungsprogramm für unversorgte Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber geplant ist, beteiligen wir uns natürlich gerne! Wir können jungen Menschen sehr gute und sichere Berufsperspektiven mit spannenden, verantwortungsvollen Aufgaben in tollen Arbeitsfeldern in der Arbeit mit den Menschen bieten.“

Radstationen: dreifacher Gewinn

Auch den Ausbau der Radstationen nahmen Landrat und AWO-Verantwortliche in den Blick. Aus Lünen-Brambauer gebe es Anfragen, die vor einigen Jahren geschlossene Radstation am Endhaltepunkt der Straßenbahnlinie 43 wiederzubeleben. Und mit Blick auf Selm sagt Mario Löhr: „Als Landrat und als nicht ganz unbeteiligter ehemaliger Bürgermeister freue ich mich, dass in Selm voraussichtlich im Sommer eine neue Radstation eröffnet wird.“

Die Radstationen des AWO-Inklusionsunternehmens DasDies seien ein dreifacher Gewinn für den Kreis Unna: „Verkehrspolitisch, weil dadurch der Radverkehr gefördert wird, umweltpolitisch, weil weniger Autoverkehr zum Klimaschutz beiträgt, und beschäftigungspolitisch, weil hier Menschen mit Unterstützungsbedarf eine berufliche Chance bekommen.“ Bereits heute haben in den Radstationen rund zwanzig Menschen einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden, die in Maßnahmen der AWO gestartet sind.

Berufsbildung: Ausbildungsmarkt im Kreis Unna

Stand:
Ausbildungsjahr:
Sept. 2019
2018/2019 (1)
Sept. 2020
2019/2020 (2)
Febr. 2021 2020/2021 (3)
 Ausbildungsplatz-
Bewerber/-innen  
  2.862  2.519  1.915  
  Gemeldete Ausbildungsstellen    2.341
(davon 2.206 betrieblich)
  2.192
(davon 2.060 betrieblich)
  1.654
  Ausbildungsstellen- Lücke    521 (4)  327 (4)  261 (4)
  Berufsausbildungsstellen je
Bewerber/-in  
  0,82  0,87  0,86
  Unversorgte
Bewerber/-innen

  119 (4)  155  keine Angabe

Übersicht: AWO Ruhr-Lippe-Ems;
Quellen:
(1) Ausbildungsmarktbilanz 2018/2019 im Kreis Unna (Bundesagentur für Arbeit / Agentur für Arbeit Hamm, Presseinfo Nr. 121, 07.11.2019)
(2) Berufsausbildungsstellen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen (Monatszahlen) Kreis Unna, September 2020, Bundesagentur für Arbeit / Agentur für Arbeit Hamm
(3) Der Ausbildungsmarkt (Monatszahlen) Kreis Unna, Februar 2021, Bundesagentur für Arbeit / Agentur für Arbeit Hamm
(4) Eigene Berechnung der AWO

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