Kreis zieht Corona-Bilanz und übergibt Behandlungszentren an Kassenärztliche Vereinigung

Der Kreis Unna hat gut einen Monat nach der ersten bestätigten Infektion im KReis eine Corona.Bilanz vorgelegt. (Foto: Orna Wachmann – Pixabay)

Gut einen Monat nach der ersten bestätigten Corona-Infektion im Kreis Unna am 1. März haben Landrat Michael Makiolla, Gesundheitsdezernent Uwe Hasche und Josef Merfels als Fachbereichsleiter Gesundheit und Verbraucherschutz in einer Telefon-Pressekonferenz heute (8. April) eine Bilanz zu Corona im Kreis Unna gezogen. Aufsummiert gibt es 418 Infizierte im Kreis (15 mehr als gestern). In Holzwickede sind des 15 Personen (Vortag: 15).  Aktuell infiziert sind 250 Personen, wovon derzeit 35 stationär behandelt werden (zwölf davon werden intensiv beatmet). Die Zahl der Verstorbenen ist auf 148 gestiegen. Es gibt aber auch 147 Gesundete. Schließlich befinden sich derzeit 2.000 Personen in Quarantäne.

Mit diesen Zahlen ist der Kreis Unna im Bundesvergleich durchschnittlich von Corona betroffen, wie Landrat Makiolla erläuterte. Die wenigsten Infizierten gibt es kreisweit in Holzwickede und Bönen (14 Personen).

Der heutige Tag stellt insofern einen „Einschnitt“ dar, wie Makiolla erläuterte, weil der Kreis Unna morgen seine beiden von der Kreis-Gesundheitsbehörde betriebenen Abstrich-Stellen in Lünen und Unna schließt. Abgelöst und ersetzt werden die beiden Teststellen durch Einrichtungen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die heute in Lünen ein Behandlungszentrum eröffnet hat und ein weiteres morgen in Unna eröffnen wird. Weitere Informationen dazu gibt es auch auf der Internetseite der KVWL. Der Kreis selbst führt ab morgen keine Tests mehr durch. Das Behandlungszentrum in Schwerte wird bereits von der KVWL betrieben, so dass nun alle Behandlungszentren in einer Hand sind.

Kreis von Corona „durchschnittlich betroffen“

„Wir sind als Kreis Unna eigentlich gar nicht zuständig für die Corona-Tests, sondern die KVWL“, erläutert der Landrat den Hintergrund. Der Kreis habe diese Aufgabe nur mitübernommen, weil die KVWL und Hausärzte anfangs völlig überlastet waren. Insgesamt rd. 2.500 Test hat der Kreis durchgeführt. „Wie viele Test zusätzlich in Arztpraxen durchgeführt wurden, entzieht sich unserer Kenntnis“, so Michael Makiolla.

„Jeder Virustest birgt eine gewisse Unsicherheit. Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit.“ 

– Josef Merfels (Fachbereichsleiter Gesundheit)

Rd. 1.500 Tests wurden in den Abstrich-Stellen Unna, Lünen und Schwerte durchgeführt, rd. 850 in Pflegeeinrichtungen 8in Fröndenberg, Lünen und Schwerte sowie weitere rd. 150 Test in zwei Schulen und einer Kita in Bergkamen. Von den rd. 1.500 Tests in den drei Abstrich-Stellen waren 143 positiv. Bei Kosten von rd. 90 Euro je Test hat der Kreis Unna somit knapp 225.000 Euro zu übernehmen.

Problematischer als der finanzielle ist allerdings ein anderer Aspekt der Corona-Tests, auf den Josef Merfels hinweist: „Jeder Virustest birgt eine gewisse Unsicherheit. Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit.“  Wird eine Testperson zu Beginn der Inkubationszeit getestet, wenn sich noch keine Symptome zeigen, wird der Test „wahrscheinlich ein negatives Ergebnis“ zeigen, so Merfels. „Darum haben wir bei unseren Tests immer darauf geachtet, dass die Testpersonen Symptome zeigen.“ Dennoch liege auch dann die Sicherheit der Testergebnisse nur bei maximal etwa 75 Prozent.

Über 100 zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz

In den ersten Tagen der Corona-Krise waren das Infotelefon und die Telefonzentrale des Kreises komplett überlastet. In den ersten drei Wochen gingen 44.500 Anrufe ein. Als Spitzenwert wurden an einem einzigen Tag 11.600 Anrufe verzeichnet. Inzwischen hat sich die Situation, auch durch die Informationen der lokalen Medien, beruhigt und es werden durchschnittlich nur noch 90 Anrufe täglich verzeichnet.

Den eigentlich sieben Gesundheitsaufsehern wurde zur Krisenbewältigung über 100 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Die zahlreichen externen Helfer bei Feuerwehren, DRK, THW usw. noch gar nicht mitgerechnet. Ihnen allen dankte Landrat Michael Makiolla heute ausdrücklich für ihr großes Engagement in diesen Krisenzeiten.

Der Mangel an Schutzkleidung ist bundesweit ein Problem und betrifft selbstverständlich auch den Kreis Unna. Grundsätzlich, betont der Landrat, sei der Kreis Unna nicht dafür zuständig, alle im Kreis mit der nötigen Schutzkleidung auszustatten, sondern nur seine eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für diese erfolgt die Beschaffung und Verteilung über den Kreis oder das Land. „Bislang hat das auch noch immer funktioniert“, so Makiolla. „Aber wir leben hier von der Hand im Mund.“  

Immerhin hat der Kreis ca. 64.000 Mund-Nasen-Schutze verteilt, ca. 6.000 FFP2-Masken, 300 FFP3-Masken sowie 400 Liter Handdesinfektionsmittel und 300 Schutzkittel.

Landrat sieht „gute Chance auf positive Entwicklung“

Was den Ausblick in der Corona-Krise angeht, blieb Landrat Michael Makiolla vage: „Wenn es in den nächsten Tagen über Ostern weiterhin so gut läuft und die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden, sehe ich uns auf einem guten Weg, Dann gibt es gute Chancen auf eine positive Entwicklung.“  

„Das Virus wird nicht einfach verschwinden. Wir werden uns immer wieder damit beschäftigen müssen.“  

– Michael Makiolla (Landrat)

Was die Aufhebung der verhängten Maßnahmen angeht, machte Makiolla den Menschen im Kreis zwar Hoffnung. Einen konkreten Zeitplan konnte der Landrat aber – auch mangels Zuständigkeit – nicht nennen. „Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir noch bis Mitte Mai mit den Einschränkungen leben müssen. Danach können wir wahrscheinlich schrittweise aus den Maßnahmen hinausgleiten. Aber wir werden sicher noch bis weit in den Sommer hinein mit Corona zu tun haben. Das Virus wird nicht einfach verschwinden. Wir werden uns immer wieder damit beschäftigen müssen.“  

Der Corona-Krisenstab im Kreis Unna tagt weiterhin täglich, wöchentlich stimmen sich die Bürgermeister in einer Telefonkonferenz ab.

CovApp gibt konkrete Handlungsempfehlungen
Ab sofort hat der Kreis Unna unter diesem Link eine CovApp als Bürgerinformation freigeschaltet. Die App ist von der Berliner Charité entwickelt worden. Bürger, die den Fragenkatalog nach aktuellen Symptomen und möglichen Kontakten beantworten, erhalten binnen weniger Minuten spezifische und konkrete Handlungsempfehlungen.

Kreis-Bilanz


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kontakt

Mobil: +49 (170)  9 03 26 14

E-mail: info@emscherblog.de

Folgen Sie uns

Archiv