Kreis-Jugendamt übernimmt auch Mehrkosten für Schulbegleiter auf Antrag

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Die Zahl der Schul­be­gleiter an den Grund­schulen in Holzwickede ist mit fort­schrei­tender Inklu­sion und Abschaf­fung wei­terer För­der­schulen im Kreis Unna gestiegen. (Foto: K. Ditt­rich)

Mit der fort­schrei­tenden Inklu­sion und Abschaf­fung wei­terer För­der­schulen im Kreis Unna steigt die Zahl der Schul­be­gleiter, die sozial und/​oder emo­tional auf­fäl­lige Kinder bei­spiels­weise in den Grund­schulen der Gemeinde begleiten. In Holzwickede, Bönen und Frön­den­berg gibt es immer wieder Pro­bleme, weil das zustän­dige Kreis-Jugendamt bestimmte Mehr­ko­sten für die Schul­be­gleiter nicht über­nehmen will.

Bei den Mehr­ko­sten, die nicht bezahlt werden, geht es vor allem um Fahrt­ko­sten bei Klas­sen­fahrten, Schul­aus­flügen, Ein­tritts­gelder für Besuche in Zoos, Museen oder ähn­li­chen Ein­rich­tungen.

Ob eine solche Begleit­person für ein Kind erfor­der­lich ist, prüft und ent­scheidet das Kreis-Jugendamt grund­sätz­lich zu Beginn eines Schul­jahres. Das Kreis-Jugendamt finan­ziert die Schul­be­gleiter letzt­lich auch – aller­dings nicht direkt, son­dern in Form pau­schaler Zuschüsse an die ver­schieden Träger, bei denen die Schul­be­gleiter per Zeit­ver­trag ange­stellt sind. Die Träger wie­derum bezahlen ihre Schul­be­gleiter je nach Stun­den­plan des Kindes und gelei­steten Betreu­ungs­stunden.

Wäh­rend die Finan­zie­rung der Schul­be­gleiter nach diesem System im All­ge­meinen rei­bungslos funk­tio­niert, gibt es bei Klas­sen­fahrten, Aus­flügen, etwa in Zoos oder Museen, immer wieder Pro­bleme mit der Kosten­er­stat­tung für Schul­be­gleiter. Wäh­rend die zustän­digen Jugend­ämter in den Umland-Kom­munen zumeist anstandslos Ein­tritts­gelder und Fahrt­ko­sten für die Schul­be­gleiter erstatten, wei­gerte sich das Jugendamt des Kreises Unna, diese Mehr­ko­sten zu über­nehmen.

Fahrtkosten und Eintrittsgelder sollen Eltern zahlen

Zum Leid­wesen ins­be­son­dere der Grund­schulen in Holzwickede. Das Pro­blem: Zwar werden in der Regel die Eltern der Kinder für solche Zusatz­ko­sten wie Fahr- oder Ein­tritts­gelder zur Kasse gebeten. Doch gerade die Eltern von Kin­dern mit Schul­be­glei­tern sind es häufig, die kaum das Geld für das eigene Kind auf­bringen, geschweige denn auch noch für seine erwach­sene Begleit­person zahlen können. Bei Klas­sen­fahrten kommen da leicht hohe drei­stel­lige Summen zusammen. In den mei­sten Schulen wurden dann bisher die Kosten für den Schul­be­gleiter auf die Kinder der ganzen Klasse umge­legt – ähn­liche wie die Kosten für den Klas­sen­lehrer oder die -leh­rerin. Nur: In vielen Klassen gibt es inzwi­schen zwei, drei oder sogar noch mehr Schul­be­gleiter, so dass eine Kosten­um­lage auf die Eltern oder die Schule schlicht unzu­mutbar ist.

Den Schul­be­glei­tern selbst kann ange­sichts einer ohnehin nicht gerade üppigen Bezah­lung aller­dings auch nicht zuge­mutet werden, Fahr- oder Ein­tritts­gelder aus eigener Tasche zu zahlen, wenn sie ihr Kind begleiten wollen. Dro­hende Kon­se­quenz: Aus­ge­rechnet die Kinder mit Schul­be­gleiter, die es mut­maß­lich am nötig­sten hätten, könnten nicht mehr an beson­deren Ver­an­stal­tungen wie Klas­sen­fahrten, Zoo- oder Muse­ums­be­suche teil­nehmen, wenn ihre Begleit­person sie nicht begleiten kann.

Wenn es nicht anders geht, können sich die Eltern ja uns wenden. Wenn begründet werden kann, dass es sich um eine schu­li­sche Ver­an­stal­tung han­delt und der Schul­be­gleiter unbe­dingt dabei sein muss, dann bezahlen wird solche Kosten auch.“

Joa­chim Rüt­ti­mann, Leiter der schul­psy­cho­lo­gi­schen Bera­tungs­stelle

Die Kritik aus den Schulen kann der zustän­dige Leiter der schul­psy­cho­lo­gi­schen Bera­tungs­stelle, Joa­chim Rüt­ti­mann, aller­dings nicht ganz nach­voll­ziehen: Dass das Kreis-Jugendamt Mehr­ko­sten für Schul­be­gleiter in den geschil­derten Fällen die Mehr­ko­sten grund­sätz­lich nicht über­nimmt, sei falsch. Aller­dings sollten die Schulen zunächst ver­su­chen, die anfal­lenden Mehr­ko­sten für Schul­be­gleiter von den betrof­fenen Eltern zu kas­sieren. „Wenn das nicht anders geht, können sich die Eltern ja uns wenden. Wenn begründet werden kann, dass es sich um eine schu­li­sche Ver­an­stal­tung han­delt und der Schul­be­gleiter unbe­dingt dabei sein muss, dann bezahlen wird solche Kosten auch“, ver­si­chert Joa­chim Rüt­ti­mann. Schu­li­sche Ver­an­stal­tungen hätten ja in der Regel einen län­geren Pla­nungs­vor­lauf, so dass der­ar­tige Fragen recht­zeitig bespro­chen und geklärt werden könnten von den Eltern und Schulen.

Dass die Schul­be­gleiter Schul­aus­flüge mit ihren Schütz­lingen aus eigener Tasche finan­zieren oder Kinder nicht an Tages­aus­flügen, Zoo- oder Muse­ums­be­su­chen teil­nehmen können „ist natür­lich über­haupt nicht in unserem Inter­esse“, ver­si­chert der Leiter der schul­psy­cho­lo­gi­schen Bera­tungs­stelle des Kreises Unna. Letzt­lich würden die Mehr­ko­sten des­halb auch über­nommen.

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