Kostenlos, unabhängig und unterschätzt: 20 Jahre Pflege- und Wohnberatung

Freude über das 20-jährige Bestehen der Pflege- und Wohnberatung im Kreis Unna: Landrat Michael Makiolla (vorne, 3.v.r.) mit Beraterinnen und Mitstreitern, die das Beratungsangebot mit aus der Taufe gehoben haben und/oder heute dafür verantwortlich zeichnen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Klei­ne Fei­er­stun­de auf Haus Opher­dicke zum 20-jäh­ri­gen Bestehen der Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung im Kreis Unna: Land­rat Micha­el Makiol­la (vor­ne, 3.v.r.) mit Bera­te­rin­nen und Mit­strei­tern, die damals und/oder heu­te für das Bera­tungs­an­ge­bot ver­ant­wort­lich sind. (Foto: P. Grä­ber — Emscherblog.de)

20 Jah­re Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung im Kreis Unna – nicht ohne Stolz ver­weist Land­rat Micha­el Makiol­la auf die­ses klei­ne Jubi­lä­um und die Vor­rei­ter­rol­le des Krei­ses. Der Land­rat, der Sozi­al­pla­ner Hans Zakel und eini­ge ande­re gehö­ren zu den Vätern der Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung. Eine Errun­gen­schaft, die viel­fach unter­schätzt wird, wie Micha­el Makiol­la.

Start des Wohnberatungsangebots im Jahr 1997 mit Fritz Schümer (Vorsitzender Verein „Neues Wohnen im Alter“), Hanne Fritsche (Wohnberaterin), Jutta Gülzow (Leiterin Verbraucherzentrale Lünen), dem damaligen Sozialdezernenten Michael Makiolla, Iris Lehmann (Wohnberaterin), Hans Zakel (Kreis Unna) und Regina Mehring (Wohnberaterin, v.l.). (Foto: Kreis Unna)

Start des Wohn­be­ra­tungs­an­ge­bots im Jahr 1997, v.l.: Fritz Schü­mer (Vor­sit­zen­der Ver­ein „Neu­es Woh­nen im Alter“), Han­ne Frit­sche (Wohn­be­ra­te­rin), Jut­ta Gül­zow (Lei­te­rin Ver­brau­cher­zen­tra­le Lünen), dem dama­li­gen Sozi­al­de­zer­nen­ten Micha­el Makiol­la, Iris Leh­mann (Wohn­be­ra­te­rin), Hans Zakel (Kreis Unna) und Regi­na Mehring (Wohn­be­ra­te­rin). (Foto: Kreis Unna)

Denn die unab­hän­gi­ge und anbie­ter­neu­tra­le Bera­tung sei „ein ganz wich­ti­ger Teil der Pfle­ge­in­fra­struk­tur“ und wich­ti­ger „Weg­wei­ser im Dschun­gel der Pfle­ge­dienst­lei­stun­gen“.  Älter wer­den­de Men­schen oder Ange­hö­ri­ge benö­ti­gen oft Hil­fe: Sei es durch ein ange­lie­fer­tes Mit­tag­essen, bar­rie­re­frei­es Bad, Unter­stüt­zung bei der Antrag­stel­lung für die Pfle­ge­stu­fe oder bei der Suche nach einem Pfle­ge­dienst. Immer dann hilft die  Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung im Kreis Unna wei­ter – und das seit zwei Jahr­zehn­ten schon.

Micha­el Makiol­la erin­nert dar­an: „Als wir vor 20 Jah­ren die Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung ins Leben rie­fen, gab es noch kei­ne Pfle­ge­ver­si­che­rung und die Pfle­ge war damals völ­lig anders orga­ni­siert.“ Pri­va­te Pfle­ge­dien­ste gab es so gut wie gar kei­ne, Pfle­ge wur­de von den Wohl­fahrt­ver­bän­den orga­ni­siert und die Kosten tru­gen die Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, also der Kreis Unna. Als „Zahl­mei­ster“ war der Kreis natür­lich moti­viert, die Pfle­ge mit­zu­ge­stal­ten.

Als wir vor 20 Jah­ren die Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung ins Leben rie­fen, gab es noch kei­ne Pfle­ge­ver­si­che­rung und die Pfle­ge war damals völ­lig anders orga­ni­siert.“

Micha­el Makiol­la, Land­rat

Mit Ein­füh­rung der Pfle­ge­ver­si­che­rung 1995 stand plötz­lich deut­lich mehr Geld für die Finan­zie­rung von Pfle­ge­lei­stun­gen zur Ver­fü­gung und die Pfle­ge­in­fra­struk­tur änder­te sich radi­kal: Immer mehr pri­va­te Anbie­ter dräng­ten auf den Markt, der rasch wuchs und immer unüber­sicht­li­cher wur­de, die ambu­lan­ten Dien­ste ver­viel­fach­ten sich.

Vertragsunterzeichnung für die Pflegeberatung im Jahr 1996: Klaus Martin Schult (Grüne), Helmfried Meinel (Verbraucher-Zentrale NRW), Emmi Beck (CDU), Angelika Chur (SPD) und der damalige Sozialdezernent Michael Makiolla (v.l.). Foto: Kreis Unna

Ver­trags­un­ter­zeich­nung für die Pfle­ge­be­ra­tung im Jahr 1996, v.l.: Klaus Mar­tin Schult (Grü­ne), Helm­fried Meinel (Ver­brau­cher-Zen­tra­le NRW), Emmi Beck (CDU), Ange­li­ka Chur (SPD) und der dama­li­ge Sozi­al­de­zer­nent Micha­el Makiol­la. (Foto: Kreis Unna)

Dabei war uns von Anfang an klar, dass zur Pfle­ge­in­fra­struk­tur immer auch eine pro­fes­sio­nel­le, unab­hän­gi­ge und neu­tra­le Bera­tung gehört“, meint Micha­el Makiol­la, damals noch Sozi­al­de­zer­nent des Krei­ses Unna. Zunächst war die­se noch in Trä­ger­schaft an die Ver­brau­cher­zen­tra­le und Öku­me­ni­sche Zen­tra­le ange­bun­den.

Ab 2014 wur­de die gesam­ten Bera­tungs­an­ge­bo­te dann zusam­men­ge­bun­den und zen­tra­li­siert: Die Bera­te­rin­nen in Sachen Pfle­ge, Woh­nen und Psy­cho­so­zia­le Beglei­tung arbei­ten gemein­sam in der Kamener Schalt­zen­tra­le „Seve­r­inshaus“. Regel­mä­ßi­ge Sprech­stun­den vor Ort, bei­spiels­wei­se auch in Holzwicke­de, run­den das Ange­bot ab. Für das Bera­tungs- und Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot sorgt der Kreis Unna gemein­sam mit dem Cari­tas­ver­band Lünen-Selm-Wer­ne, die Arbei­ter­wohl­fahrt, Unter­be­zirk Unna und die Öku­me­ni­sche Zen­tra­le für Alten­hil­fe Schwer­te.

Beratung aus einer Hand und im persönlichen Kontakt

Der gro­ße Vor­teil die­ses Kon­zepts ist die Bera­tung aus einer Hand und der per­sön­li­che Kon­takt zu den Men­schen, betont Sozi­al­pla­ner Hans Zakel. In kom­ple­xen Situa­tio­nen wird den Bür­gern kosten­frei und trä­ge­r­un­ab­hän­gig von Fach­leu­ten wei­ter­ge­hol­fen, die eben nicht nur den Blick auf die Pfle­ge­si­tua­ti­on, son­dern auch auf die ver­schie­de­nen ande­ren Berei­che haben und über jede Men­ge Fach­wis­sen ver­fü­gen. „Alle unse­re Bera­tungs­an­ge­bo­te sind dar­auf aus­ge­rich­tet, die Selbst­stän­dig­keit der Men­schen zu erhal­ten, die häus­li­che Pfle­ge zu stär­ken und die pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen zu ent­la­sten und so den Umzug in eine sta­tio­nä­re Ein­rich­tung hin­aus­zu­zö­gern“, beto­nen Zakel und der Land­rat. Getreu dem Mot­to: „ambu­lant vor sta­tio­när.“

Alle unse­re Bera­tungs­an­ge­bo­te sind dar­auf aus­ge­rich­tet, die Selbst­stän­dig­keit der Men­schen zu erhal­ten, die häus­li­che Pfle­ge zu stär­ken und die pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen zu ent­la­sten und so den Umzug in eine sta­tio­nä­re Ein­rich­tung hin­aus­zu­zö­gern.“

Hans Zakel, Sozi­al­pla­ner des Krei­ses

Das spart natür­lich auch Kosten. Sozi­al­pla­ner Hans Zakel schätzt, dass die Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung dem Kreis­haus­halt über die bei­den Jahr­zehn­te „min­de­stens 30 Mil­lio­nen Euro gespart“ hat.

Ver­teilt über die die drei Regio­nen Nord (Lünen, Selm, Wer­ne), Mit­te (Berg­ka­men, Bönen, Frön­den­berg, Kamen) und Süd (Holzwicke­de, Unna, Schwer­te) weist die Sta­ti­stik 28.974 Pfle­ge­be­ra­tun­gen, 8.261 Infor­ma­ti­ons­vor­trä­ge und 8.961 Info­stän­de aus sowie 27.587 Wohn­be­ra­tun­gen, 6.903 Maß­nah­men und 1.800 Info­stän­de und Vor­trä­ge aus.

Wobei sich die­se Zah­len rela­tiv gleich­mä­ßig auf alle drei Regio­nen ver­tei­len, wie Andrea Schul­te (Pfle­ge­be­ra­tung) und Iris Leh­mann (Wohn­be­ra­tung) dazu erklä­ren. Bei­de sind Bera­te­rin­nen der ersten Stun­de und von Beginn an dabei.

Nach­dem es vie­le Jah­re gedau­ert hat bis das Bera­tungs­mo­dell finan­zi­ell end­lich in siche­rem Fahr­was­ser war – wobei der Kreis­an­teil stets gesi­chert war – sehen die Ver­ant­wort­li­chen im Kreis­haus ihr Erfolgs­mo­dell inzwi­schen per­so­nell und auch finan­zi­ell gut auf­ge­stellt.

Kreis-Sozi­al­de­zer­nent Tor­sten Göp­fert wür­de sich aller­dings wün­schen, dass es von den Pfle­ge­kas­sen auch eine dau­er­haf­te Finan­zie­rungs­zu­sa­gen für die drit­te Per­so­nal­stel­le in der Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung geben wür­de. „Der­zeit wird die drit­te Stel­le zwar von Jahr zu Jahr wei­ter finan­ziert von den Pfle­ge­kas­sen“, erläu­tert Göp­fert. „Aber nur unter dem Vor­be­halt, dass nie­mand anders im Land die­se Stel­le will.“

Dass dies irgend­wann ein­mal pas­sie­ren könn­te, ist so aus­ge­schlos­sen nicht: Schließ­lich gibt es immer noch Kom­mu­nen und Regio­nen im Land, in denen es gar kei­ne Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tungs­an­ge­bo­te gibt.

  • Tel. 0800 27 200 200  (kosten­lo­se Ser­vice­num­mer der Pfle­ge- und Wohn­be­ra­tung)
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Dipl.-Journalist

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